Welche Symptome löst das Hantavirus aus? Wie überträgt es sich und wie lange dauert eine Ansteckung?
Hantaviren sind seltene, aber potenziell schwere Krankheitserreger. Sie werden in der Regel von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei den meisten Hantaviren nicht bekannt. Eine Ausnahme bildet das Andes-Virus, bei dem seltene Übertragungen zwischen Menschen dokumentiert wurden – vor allem bei engem und längerem Kontakt.
Der aktuelle Krankheitscluster auf einem Kreuzfahrtschiff im Südatlantik hat die Aufmerksamkeit auf Hantaviren gelenkt. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden dort mehrere Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Andes-Virus festgestellt. Die Behörde bewertet das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum dennoch als sehr niedrig.
Welche Symptome verursacht das Hantavirus?
Eine Hantavirus-Infektion beginnt häufig mit unspezifischen Beschwerden. Dazu können Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Müdigkeit sowie Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall gehören.
Je nach Virustyp kann die Erkrankung unterschiedlich verlaufen. In Europa und Asien steht vor allem das sogenannte hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom im Vordergrund. Dabei kann es zu Nierenbeschwerden bis hin zu einer schweren Nierenbeteiligung kommen.
In Nord- und Südamerika können Hantaviren dagegen das Hantavirus-Pulmonalsyndrom beziehungsweise Hantavirus-Kardiopulmonalsyndrom auslösen. Diese Form betrifft vor allem Lunge und Kreislauf. Laut ECDC kann es dabei nach einer anfänglichen Phase mit eher allgemeinen Symptomen zu einer plötzlichen Verschlechterung kommen. Mögliche Folgen sind Atemnot, Lungenentzündung, Sauerstoffmangel, Kreislaufschock und in schweren Fällen ein lebensbedrohlicher Verlauf.
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Wie wird das Hantavirus übertragen?
Hantaviren werden vor allem über infizierte Nagetiere übertragen. Menschen können sich anstecken, wenn sie mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Tiere in Kontakt kommen. Besonders relevant ist das Einatmen von aufgewirbelten, kontaminierten Partikeln. Das kann etwa passieren, wenn Räume mit Nagetierbefall trocken ausgefegt oder gereinigt werden.
Auch der Kontakt mit verunreinigten Oberflächen kann eine Rolle spielen. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem dort, wo Menschen mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen in Berührung kommen, etwa in ländlichen Gebieten, in Wäldern, auf Feldern, in Scheunen, Schuppen, Kellern oder schlecht gereinigten Gebäuden mit Nagetierbefall.
Das ECDC weist darauf hin, dass Hantaviren in Europa vorkommen, dort aber überwiegend andere Virustypen verbreitet sind als in Südamerika. Das Andes-Virus, das beim aktuellen Ausbruch eine Rolle spielt, ist in Südamerika heimisch. Sein natürliches Nagetierreservoir kommt nach Angaben des ECDC in Europa nicht vor.
Ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich?
Bei den meisten Hantaviren gilt eine Infektion des Menschen als Endpunkt der Übertragung. Das bedeutet: Die Erkrankung entsteht durch Kontakt mit infizierten Nagetieren, wird aber nicht weiter von Mensch zu Mensch verbreitet.
Eine wichtige Ausnahme ist das Andes-Virus. Für dieses Virus sind Mensch-zu-Mensch-Übertragungen beschrieben. Nach Einschätzung des ECDC kommen solche Übertragungen jedoch nur selten vor und wurden vor allem bei engem und längerem Kontakt mit symptomatischen Erkrankten beobachtet. Eine leichte, anhaltende oder beiläufige Übertragung in der Bevölkerung ist demnach nicht belegt.
Wie lange ist die Inkubationszeit?
Die Inkubationszeit beschreibt den Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome. Laut ECDC liegt sie bei Hantavirus-Infektionen meist bei etwa zwei bis drei Wochen. Der mögliche Zeitraum reicht je nach Quelle und Virustyp ungefähr von sieben bis zehn Tagen bis zu sechs Wochen.
Die WHO nennt für das Hantavirus-Pulmonalsyndrom typischerweise einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen nach der Exposition. Symptome können demnach aber auch bereits nach einer Woche oder erst nach bis zu acht Wochen auftreten.
Diese Spanne ist für die Gesundheitsbehörden wichtig, weil Kontaktpersonen nach einer möglichen Exposition über längere Zeit auf Symptome achten müssen. Beim aktuellen Vorfall auf dem Kreuzfahrtschiff empfiehlt das ECDC für asymptomatische Personen an Bord eine mehrwöchige Selbstüberwachung beziehungsweise Quarantäne nach der Ausschiffung.
Wie gefährlich ist eine Hantavirus-Infektion?
Der Schweregrad hängt stark vom Virustyp, vom Krankheitsbild und vom Zustand der betroffenen Person ab. Viele Hantavirus-Infektionen verlaufen nicht so schwer wie die in Amerika beobachteten Fälle mit Hantavirus-Pulmonalsyndrom. Schwere Verläufe können jedoch rasch lebensbedrohlich werden.
Beim Andes-Virus kann die Erkrankung laut ECDC mit einer hohen Hospitalisierungs- und Sterblichkeitsrate verbunden sein. Schwere Fälle erfordern häufig eine Behandlung auf der Intensivstation, Atemunterstützung und Kreislaufstabilisierung. Eine spezifisch zugelassene antivirale Therapie gegen das Hantavirus-Pulmonalsyndrom gibt es derzeit nicht. Die Behandlung besteht vor allem aus früher Erkennung, engmaschiger Überwachung und unterstützender intensivmedizinischer Versorgung.
Wie kann man sich vor Hantaviren schützen?
Vorbeugung bedeutet vor allem, den Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Räume mit möglichem Nagetierbefall sollten nicht trocken ausgefegt werden, weil dabei infektiöse Partikel aufgewirbelt werden können. Sinnvoll sind stattdessen Lüften, feuchtes Reinigen, geeignete Desinfektionsmittel und Handschuhe.
Lebensmittel sollten so gelagert werden, dass sie für Nagetiere nicht zugänglich sind. Müll, Futterreste und andere Anreize für Mäuse oder Ratten sollten entfernt werden. Wer in Regionen mit bekanntem Hantavirus-Vorkommen wandert, campt oder in ländlichen Unterkünften übernachtet, sollte den Kontakt zu Nagetieren, deren Nestern und Ausscheidungen vermeiden.
Für die allgemeine Bevölkerung in Europa ergibt sich aus dem aktuellen Ausbruch nach Einschätzung des ECDC kein erhöhtes Alltagsrisiko. Entscheidend bleibt eine sachliche Einordnung: Hantavirus-Infektionen können schwer verlaufen, sind aber selten und werden in der Regel nicht leicht zwischen Menschen übertragen.