Auf der Naturbahn sind die Kugeln rund eine Minute unterwegs. Foto: Christian Kempf
Rund 70 Meter lang ist eine Kugelbahn aus Holz im Hardtwald bei Steinheim (Kreis Ludwigsburg). Blogger und Familien sind begeistert. Was es bei der Eröffnung zu beachten gibt.
Bislang dürfte die Wasserspielstation am Feuerseee bei den meisten Besuchern des Hardy-Pfads den ersten Rang in der Beliebtheitsskala einnehmen. Diese Stellung könnte allerdings schon bald wackeln. Denn das Team um Revierförster Jürgen Weis und Christian Ruge hat mittlerweile eine neue Attraktion zusammengezimmert: eine rund 70 Meter lange Kugelbahn.
Im Internet ist schon ein veritabler Hype um das Spielgerät im Hardtwald zwischen Steinheim-Kleinbottwar und Großbottwar entstanden. Blogger preisen die Konstruktion in den höchsten Tönen. „Die Kinder werden diese Kugelbahn lieben, denn sie hört wirklich nicht auf“, lobt zum Beispiel „Ludwigsburg mit Kind“ in seinem Instagram-Kanal, auf dem Familien sich Tipps zur Freizeitgestaltung abholen können. Richtig losgetreten hatte die Lawine aber ein Post der Bürgermeister der Forstbetriebsgemeinschaft der sieben Hardtwaldkommunen, für die Weis und seine Leute die Bahn angefertigt haben.
Auch vor Ort im Hardtwald ist schon richtig viel los. Die Kugelbahn wird von Kindern und Erwachsenen fleißig getestet. „Wir sind ein bisschen überrascht, dass sie derart gut angenommen wird“, sagt Jürgern Weis. „Aber top, wir freuen uns natürlich.“
Welche Kugeln man nehmen sollte
Revierförster Jürgen Weis (links) und Christian Ruge haben mit ihrem Team die Kugelbahn selbst gebaut. Mit den Besen, die sie halten, können die Rinnen freigeputzt werden. Foto: Christian Kempf
Bemerkenswert ist an der ganzen Euphorie-Welle, dass die Anlage offiziell noch gar nicht eingeweiht wurde. Das wird erst am Sonntag, 26. April, passieren. Von 11 bis 15 Uhr gibt es ein kleines Waldpädagogisches Programm. Um 14 Uhr wird der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch die Murmelbahn offiziell eröffnen.
Wichtig für die Besucher: „Bitte möglichst mit dem Rad oder zu Fuß kommen“, betont der Revierförster. Hintergrund ist, dass der Parkplatz am Hardy-Pfad nicht allzu große Kapazitäten hat.
Zur Eröffnung werden dann auch endlich die Murmeln vor Ort sein. Bislang müssen sich Nutzer anderweitig behelfen, schicken zum Beispiel Golfbälle auf die Reise. Doch das wird dann nicht mehr nötig sein. Jürgen Weis hat 1000 Murmeln aus Buchenholz in der passenden Größe bestellt, die inzwischen auch eingetroffen sind. „Am besten laufen auf unserer Naturbahn Murmeln mit einem Durchmesser von 4 bis 4,5 Zentimetern“, erklärt er.
Die Murmeln wird man denn aus einem Behälter fischen können. Und zwar so, dass nur Erwachsene dazu in der Lage sein werden. Daneben soll ein Kässchen aufgestellt werden, in das man eine Spende von einem Euro werfen sollte. Die Kugel kann man dann behalten. „Wir vertrauen auf die Leute. Wenn das aber gar nicht funktioniert, kann man immer noch Automaten installieren“, erklärt der Revierförster.
Die Idee für die Attraktion lag schon länger in der Schublade. Im Oktober machte sich die Mannschaft von Weis an die Umsetzung. Es regnete unablässig, draußen im Forst konnte man nicht arbeiten. Das Material hatte man über die Zeit gesammelt und auf die Seite gelegt. „Dafür musste kein Baum gefällt werden. Und das sind alles Unikate“, betont Weis. Anfang Dezember war das Werk vollendet.
Der Aufbau war ziemlich knifflig. Die Mannschaft nutzte das leichte Gefälle auf einem freien Gelände, der sich in der Nähe des Feuersees befindet. Das Team musste darauf achten, dass die Kugeln nicht zu schnell und nicht zu langsam werden. So sind an verschiedenen Stellen kleine Bremsklötzchen oder Rampen montiert, die die Geschwindigkeit drosseln. An anderen Punkten können die Murmeln aber auch wieder Fahrt aufnehmen, zum Beispiel, wenn sie über eine waschbrettartige Treppe nach unten rumpeln und dabei Töne erzeugen. Die Kugeln dürfen ruhig mal aus der Bahn springen oder stehen bleiben, aber nicht zu oft. Auf eine gute Balance kommt es an.
Ein Stamm hat die Form einer Schlange
Das Klangspiel in Form eines Waschbretts gehört zu den Höhepunkten auf der Strecke. Foto: Christian Kempf
Der Clou ist, dass am Anfang der Bahn ein Stamm mit zwei Gabeln platziert wurde. Man kann also zwei Kugeln gleichzeitig in die Rinne schicken und schauen, welche schneller am Ziel ankommt. Auf dem Weg dahin kann immer was passieren, die Kugel sogar in ein Loch plumpsen. Ihre Vielseitigkeit verdankt die Bahn vor allem dem Umstand, dass die einzelnen Baumteile von der Natur geformt wurden und keines dem anderen gleicht. Ein Stamm hat sogar die Form einer Schlange.
Etwa eine Minute dauert es, bis die Kugel sich ihren Weg von oben nach unten gebahnt hat. Es kann passieren, dass sie wegen zu viel Laub oder Schmutz auf der Strecke ins Stocken geraten. Schließlich ist die Attraktion Wind, Wetter und der Natur ausgesetzt. Doch das Problem lässt sich leicht beheben: Am Ende des Parcours warten zwei Handbesen, mit denen man die Rinnen freimachen kann.