Hauptversammlung Börsenexperte warnt: Porsche könnte aus dem Dax fliegen

Die wichtigsten Köpfe bei Porsche: Vorstandschef Oliver Blume (li.) und Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Porsche. Foto: IMAGO/Eventpress

Christian Strenger gilt als führender Experte für gute Unternehmensführung. Bei der Porsche-Hauptversammlung rügte er Verstöße gegen wichtige Regeln. Diese könnten Konsequenzen haben.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Der Finanzexperte Christian Strenger erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stuttgarter Porsche AG wegen erheblicher Verstöße gegen die Regeln guter Unternehmensführung. Strenger kritisiert nicht nur die von Anlegern regelmäßig bemängelte Doppelrolle von Oliver Blume als Chef von Volkswagen und Porsche, sondern sieht auch gravierende Interessenkonflikte im Aufsichtsrat des Autoherstellers.

 

Konkret beanstandet Strenger die Besetzung des Prüfungsausschusses mit Christian Dahlheim, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Financial Services ist – einer wichtigen Beteiligung der Porsche-AG-Muttergesellschaft Volkswagen. Mit 75 Prozent der Anteile ist Volkswagen dominierender Aktionär des Stuttgarter Autoherstellers. Dahlheim sei eindeutig nicht unabhängig, was den Empfehlungen der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex widerspreche.

Besonders teure, individuelle Modelle sollen Porsches Gewinn steigern. Hier ein Sportboot mit Technik des Macan Turbo für für 573.000 Euro. Foto: IMAGO/Sebastian Geisler

Strenger, oft als „Mister Corporate Governance“ bezeichnet, hatte als Mitglied der Regierungskommission maßgeblichen Einfluss auf den Kodex, der unter anderem darauf abzielt, Interessenkonflikte zu vermeiden. Solche Konflikte können dazu führen, dass Funktionsträger andere Ziele verfolgen als das Wohl des Unternehmens, was besonders die Aktionäre benachteiligen könnte.

Vorwurf: Bei Porsche fehlt es an unabhängigen Kontrolleuren

Nach Strengers Einschätzung ist der Porsche-Aufsichtsrat unzureichend mit wirklich unabhängigen Experten besetzt. Bezüglich des Prüfungsausschuss-Vorsitzenden Dahlheim befürchtet er sogar Konsequenzen für die Notierung der Porsche-Aktie im Deutschen Aktien-Index (Dax). Denn die Dax-Notierung setzt voraus, dass der Prüfungsausschuss-Vorsitzende tatsächlich unabhängig ist. Da dies bei Dahlheim nicht der Fall sei, könnte die „Position der Porsche AG im für die Börsenbewertung so wichtigen Dax 40 betroffen“ sein. Ein Ausscheiden aus dem Dax wäre problematisch, da viele Fonds den Index nachbilden und ein Ausschluss zu Verkäufen durch diese teilweise großen Fonds führen könnte.

Der Prüfungsausschuss soll Falschbilanzierungen verhindern, und sein Vorsitzender muss laut Kodex unabhängig vom Unternehmen, dessen Vorstand und vom kontrollierenden Aktionär sein – in diesem Fall also von Volkswagen, für dessen Tochterunternehmen Dahlheim tätig ist. Für Dax-Unternehmen ist die Einhaltung dieser Kodex-Regel nicht nur eine Empfehlung, sondern verpflichtend. Die Anforderungen an die Besetzung dieser Position wurden nach dem Wirecard-Skandal verschärft.

Kritik an unzureichender Transparenz bei Porsche

Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS weist auf ein weiteres Abhängigkeitsverhältnis hin: VW-Finanzchef Arno Antlitz ist Aufsichtsratsvorsitzender der VW-Finanztochter, die von Dahlheim geführt wird, der zugleich den Prüfungsausschuss der Porsche AG leitet. Die fehlende Offenlegung dieses Abhängigkeitsverhältnisses stelle einen Gesetzesverstoß dar, da börsennotierte Unternehmen jährlich eine Entsprechenserklärung abgeben müssen, in der sie Abweichungen transparent machen.

Auch die Doppelrolle von Oliver Blume als gleichzeitiger Chef von Volkswagen und Porsche bleibt umstritten. Schmidt betont, die Herausforderungen bei beiden Unternehmen seien enorm. Blume könne sich „nur bei einem der Unternehmen auf diese Herausforderung konzentrieren“. „Mit angezogener Handbremse kann kein Überholmanöver funktionieren.“ Die Konstellation schaffe erhebliche Interessenkonflikte und erschwere eine unabhängige Führung.

Blume selbst bekräftigte wie schon vielfach zuvor, dass er seine Doppelrolle für beide Unternehmen als vorteilhaft ansehe, sie jedoch nicht dauerhaft geplant sei. Die Entscheidung darüber liege letztlich beim Aufsichtsrat.

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