Haus Baden Wer sind die Markgrafen von Baden?

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Die Markgrafen von Baden blicken auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Auch politisch zog die Familie die Strippen. Noch heute ist die Familie wichtig für die Bodenseeregion. Eine Spurensuche.

Er führt die Geschäfte des Hauses Baden: Prinz Bernhard. Er ist mit der Bürgerlichen Stephanie Kaul verheiratet. Foto: dpa 11 Bilder
Er führt die Geschäfte des Hauses Baden: Prinz Bernhard. Er ist mit der Bürgerlichen Stephanie Kaul verheiratet. Foto: dpa

Stuttgart - Über Jahrhunderte bestimmte ein bedeutendes Adelsgeschlecht die Geschicke entlang des Rheins vom Odenwald bis zum Bodensee: Die Markgrafen von Baden. Vor über 900 Jahren wurde das Geschlecht erstmals urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte zogen die Badener – erst als Markgrafen, dann als Großherzöge – auch politisch die Strippen: Amalie von Hessen-Darmstadt, eine Erbprinzessin von Baden, vermählte im 18. Jahrhundert ihre Töchter so geschickt an einflussreiche Fürstenhöfe, dass sie als „Schwiegermutter Europas“ in die Annalen einging. Prinz Max von Baden war Anfang des 20. Jahrhunderts der letzte Kanzler des Kaiserreichs.

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Heute ist die Familie vor allem für feine Weine bekannt: Auf Schloss Salem am Bodensee betreiben die Badener mit dem „Markgraf von Baden“ eines der größten privaten Weingüter Deutschlands.

Wer sind die Markgrafen von Baden? Eine Spurensuche durch die Jahrhunderte.

Das Haus Baden hat eine bewegte Geschichte

Wie lange gibt es das Haus Baden? Das Adelsgeschlecht verweist gerne auf das Jahr 1112, als sich Markgraf Hermann II. in einer Urkunde erstmals als Graf von Baden bezeichnete, benannt nach der Burg Hohenbaden bei Baden-Baden.

Andere beginnen die Chronologie deutlich später: Bei Karl Friedrich, der als Markgraf von Baden-Durlach 1746 das Zepter übernimmt. 25 Jahre später erbt der als aufgeklärt geltende Herrscher die Landesteile der Markgrafschaft Baden-Baden, weil die über keinen männlichen Erben mehr verfügte. Karl Friedrich führte die beiden Gebiete 1771 zur Markgrafschaft Baden zusammen.

Jahrhundertelang glich das Land jedoch einem Flickenteppich. Baden, wie man es heute kennt, ist ein Produkt Napoleons. Er erhob die Markgrafen 1806 zu Großherzögen – wie so viele andere deutsche Fürsten, die sich von dem Franzosen im Rang erhöhen ließen. Markgraf Karl Friedrich war über seine Ernennung zum Großherzog allerdings gar nicht so glücklich. Schließlich waren seine Nachbarn in Württemberg und Bayern zu Königen ernannt worden.

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Außergewöhnlich fortschrittlich war Baden, was seine Verfassung anging. 1818 wurde das badische Landesrecht von Großherzog Karl Ludwig Friedrich (1786-1818) eingeführt – es war eine der ersten und liberalsten Verfassungen in ganz Deutschland.

Im Herzen Demokrat war Karl Ludwig Friedrich aber sicher nicht: Der Großherzog stand unter Druck, weil der ersehnte Erbprinz auf sich warten ließ. Zugleich machte Bayern Ansprüche auf die rechtsrheinische Pfalz geltend. Karl Ludwig Friedrich fürchtete sein Großherzogtum so schnell wieder zu verlieren wie es sein Großvater durch Napoleon ein paar Jahre zuvor gewonnen hatte.

Der letzte badische Großherzog Friedrich II. nahm am 22. November 1918 seinen Hut. Die Ehe mit seiner Frau Hilda von Nassau blieb kinderlos. 1927 adoptierte das Paar ihren Großneffen Berthold (Sohn des letzten Kanzlers des Kaiserreichs, Max von Baden) um den Familienstamm zu erhalten. Bertholds Sohn Max ist derzeit der Chef des Hauses, sein Enkel Bernhard führt die Geschäfte der Familie.

Badener, die Geschichte machten

Der „Türkenlouis“: Seine siegreichen Schlachten in den Türkenkriegen brachten Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707) den Spitznamen „Türkenlouis“ ein. Der Badener tat es seinem Patenonkel, dem französischen Sonnenkönig Louis XIV., gleich und setzte sich mit dem Residenzschloss Rastatt selbst ein Denkmal. Lange Freude hatte er aber nicht an dem barocken Prunk: Er starb nur wenige Jahre nachdem das Schloss vollendet war.

Der Gründer Karlsruhes: Er hatte einen Hang zum Luxus, war charmant und schillernd, aber auch ein Mann mit sozialer Ader und Visionen – Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (1679-1738), der 1715 mit dem Bau seines Residenzschlosses den Grundstein für die Fächerstadt Karlsruhe legte. Der Barockfürst hatte viele Facetten und viele Interessen: seine zahlreichen Mätressen gehörten dazu, aber auch die Botanik und die Zucht von Singvögeln. Seine Gattin Magdalene Wilhelmine von Württemberg war Kummer gewöhnt. Seine Favoritinnen lebten zeitweilig sogar im Schloss – mit ihren diversen illegitimen Sprösslingen.

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Die „Schwiegermutter Europas“: Eine äußerst geschickte Heiratspolitik betrieb ein paar Jahre später Amalie von Hessen-Darmstadt. Die Erbprinzessin von Baden (1719-1790) ist heute bekannt als „Schwiegermutter Europas“, weil sie ihre Töchter in einflussreiche europäische Fürstenhöfe vermählte. Luise wurde Zarin von Russland, Friederike heiratete den König von Schweden, Karoline und Wilhelmine heirateten zumindest in deutsche Herrscherhäuser ein.

Der letzte Kanzler des Kaisers: Sein Cousin, Kaiser Wilhelm II., ernannte Prinz Max von Baden (1867–1929) 1918 in den letzten Tagen des Kaiserreichs zum Reichskanzler – er blieb es nur sechs Wochen lang. Träumerisch und schöngeistig veranlagt hatte es der Badener nicht eben leicht im Berliner Politbetrieb. Dennoch ergriff er entschlossen die Initiative, als die Monarchie im Sterben lag: Am 9. November verkündete der Reichskanzler eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und übergab die Kanzlerschaft an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Die Geschichtsschreibung ging mit dem Prinzen nicht immer gut um: Rechte Kreise beschimpften ihn als Verräter, liberale hätten sich mehr von ihm erwartet.

Schloss Salem – Internat und Familiensitz

Es ist eine Kaderschmiede der jungen Elite: das Internat Salem am Bodensee. Gegründet wurde die Schule 1920 von dem jüdischen Reformpädagogen Kurt Hahn und Prinz Max von Baden, dem letzten Kanzler des Kaiserreichs. Illustre Namen finden sich unter den ehemaligen Schülern: Prinz Philip, der Ehemann von Queen Elizabeth II., zum Beispiel, Spaniens frühere Königin Sofía oder zwei der Kinder von Thomas Mann.

Doch das Internat, das seit 2009 im Besitz des Landes Baden-Württemberg ist, belegt nur einen Teil der Anlage. Das ehemalige Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert ist auch das Zuhause von Max von Baden und seiner Frau Valerie.

Außerdem wird auf der 25 Hektar großen Anlage auch Wein angebaut. Mit rund 135 Hektar Rebfläche ist der Markgraf von Baden einer der größten privaten Winzer in Deutschland.

Wer vertritt heute das Haus Baden?

Chef des Hauses ist seit 1963 Max Markgraf von Baden. Der Neffe von Prinz Philip und Cousin des Prince of Wales ist mit Valerie von Habsburg-Lothringen verheiratet, einer Nachfahrin des österreichischen Kaisers. Das Paar hat vier Kinder.

Die Führung der Geschäfte hat der inzwischen 85-jährige Max von Baden bereits Ende der 1990er Jahre an seinen ältesten Sohn Bernhard abgegeben. Damals waren die Finanzen der Familie in Schieflage geraten. Prinz Bernhard verkaufte daraufhin Anfang der 2000er Schloss Eberstein bei Gernsbach und das Neue Schloss in Baden-Baden. Ihren Erhalt konnte sich die Markgrafenfamilie schlicht und einfach nicht mehr leisten.

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2009 übernahm das Land auch Schloss Salem – Ende der sogenannten „Karlsruher Kulturgutaffäre“, die sich über zwei Jahre hingezogen hatte: Prinz Bernhard hatte sich angesichts klammer Kassen nach einem privaten Investor für Salem umgesehen. Um einen Verkauf zu verhindern, hatte der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger mit dem Haus Baden einen Vergleich schließen wollen, der vorsah, wertvolle Handschriften für 70 Millionen Euro zu verkaufen, um den Erhalt des Schlosses zu sichern. Was folgte, war ein internationaler Aufschrei von Kunstexperten, die der Landesregierung vorwarfen, wertvolle Kulturgüter verscherbeln zu wollen.

Prinz Bernhard ist 48 Jahre alt und seit 2001 mit der Werbekauffrau Stephanie Kaul verheiratet. Das Paar hat drei Söhne: Leopold, Friedrich und Karl-Wilhelm. Prinz Bernhard, der Schüler im Internat Salem war, studierte Jura und Betriebswirtschaft, bevor er die Geschäfte der Familie übernahm. Der hochgewachsene Adlige war auch in mehreren Dokumentationen über die Geschichte seiner Familie zu sehen.

Der Cousin zweiten Grades der britischen Prinzen William und Harry gibt sich unprätentiös: Kinder seien häufig enttäuscht, wenn sie ihn träfen, sagte Prinz Bernhard einmal in einem Interview. „Unter einem Prinzen stellen sie sich immer etwas anderes vor: einen Mann mit Krone, viel Gold oder prunkvollen Kleidern.“ Häufig werde er auch gefragt: „Wo ist denn deine Krone?“

Wie verdienen die Markgrafen heute ihr Geld?

Vor allem mit Land- und Forstwirtschaft und Weinbau. Mit ihren Weinbergen am Bodensee und in der Ortenau zählt die Markgrafenfamilie bundesweit zu den größten Privatwinzern – und führen eine Tradition fort: Schon die Zisterzienser bauten im Hinterland des „Schwäbischen Meers“ Reben an.

Das Weingut „Markgraf von Baden“ kommt auf einen Jahresabsatz von einer Million Flaschen. Inhaber des Weinguts ist Prinz Bernhard. Um die Vermarktung der edlen Tropfen kümmert sich Michael Prinz von Baden, Bernhards jüngerer Bruder.