Eines der markantesten Häuser in Marbach (Kreis Ludwigsburg) ist auf den Markt gekommen. 1,55 Millionen Euro werden für die Villa mit dem extrahohen Wintergarten aufgerufen.
Christian Kempf
08.05.2026 - 10:38 Uhr
Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein einzelnes Haus zum Stadtgespräch mausert. Im Fall der Villa an der Ecke Jahn-/Danneckerstraße auf der Marbacher Schillerhöhe ist aber genau das der Fall gewesen: Die Nachricht, dass die Immobilie zum Verkauf steht, machte flugs die Runde. Was nicht von ungefähr kommt. Das Gebäude zählt architektonisch zu den markantesten Wohnhäusern auf der Gemarkung – mit seinem über zwei Geschosse reichenden Wintergarten, den versetzten Dächern, den üppigen Glaselementen und der prägnanten Holzterrasse in L-Form.
1,55 Millionen Euro werden dafür aufgerufen, sagt Marcel Fischer von der Firma Weitblick Immobilien, die das Gebäude für die Eigentümer vermarktet. „Die Wohnfläche beträgt in Summe 256 Quadratmeter. Dabei ist eine Einliegerwohnung im Erdgeschoss mit eigenem Keller inbegriffen, die künftige Besitzer durch einen Durchbruch auch mit dem Haupthaus vereinigen könnten“, erklärt er. Umgekehrt wäre es möglich, in der oberen Etage eine Türöffnung zu schließen, um die Einliegerwohnung auf zwei Etagen zu vergrößern.
Die Liebe zu Mexiko schlägt sich nieder
Immobilienberater Marcel Fischer kümmert sich um die Vermarktung des Anwesens. Foto: Simon Granville
Frei wird den neuen Hausherren selbstredend auch stehen, wie sie die Zimmer einrichten. Ein Schmankerl wäre es, wenn sie sich dabei an den Erbauern orientieren würden, die stilistisch eine mittelamerikanische Note nach Marbach importiert haben. Es handelte sich dabei um Ingeborg und Walter Stiegler, die mittlerweile verstorbenen Eltern von Martin Stiegler, der das Haus mit seiner Schwester Sabine Stiegler geerbt hat und nun verkaufen möchte.
Sein Vater habe bei Bosch gearbeitet, erzählt der Landshuter. Als er und seine Schwester volljährig waren, habe sein Vater das Angebot erhalten, eine Niederlassung in Mexiko zu managen – und eingeschlagen. Seine Eltern hätten in dieser Zeit Land, Leben und Leute in Lateinamerika lieben gelernt.
Die Rückkehr nach Deutschland erfolgte Ende der 1980er-Jahre. Wenig später habe sich sein Vater in den Ruhestand verabschiedet und sich einem neuen Projekt verschrieben: dem Bau des Hauses auf der Marbacher Schillerhöhe. Dabei habe sich das Faible der Eltern für Mexiko niedergeschlagen. „Die Einrichtung war von dem Aufenthalt dort geprägt. Vor allem für meine Mutter war das eine wichtige Zeit“, sagt Martin Stiegler. Exemplarisch dafür war nicht zuletzt der Wintergarten, in dem die riesigen Kakteen ein Hingucker waren – auch für vorbeiflanierende Fußgänger, die durch die Hecke spickelten.
„Die Einrichtung war von dem Aufenthalt in Mexiko geprägt.“
Martin Stiegler, Architekt des Hauses
Ein Hauch von Mittelamerika weht bis heute durch die Räume. Ein Ölbild zeigt das typische ländliche Mexiko. Pflanzentöpfe verströmen aztekisches Flair, ebenso ein farbenfroher Tisch im Wohnzimmer.
Herrlich anzuschauen ist zudem der Garten auf dem fast 900 Quadratmeter großen Grundstück. Dafür habe sein Vater ein Händchen gehabt, sagt Martin Stiegler. Und auch haben müssen. „Meine Mutter wäre lieber in eine Wohnung in der Stadt gezogen. Sie hat den Garten nur betreten, um Gemüse zu holen“, erklärt er mit einem Schmunzeln. Diese Arbeitsteilung sei auch ein Deal seiner Eltern gewesen – dafür, dass sich Walter Stiegler sein Traumhaus mit Garten in Marbach verwirklichen konnte.
Viel Spielraum für Architekt
Der Wintergarten erstreckt sich über zwei Etagen. Foto: Simon Granville
Erbaut wurde das Anwesen im Jahr 1995. Walter Stiegler brachte dabei Ideen ein, die Federführung oblag seinem Sohn – seines Zeichens Architekt. Martin Stiegler hatte dabei gestalterisch viel Freiraum. Es stand eine üppige Fläche zur Verfügung, in der nicht jeder Quadratmeter ausgemostet werden musste. Ein Traum für jeden Architekten.
Dadurch wirkt nun alles luftig. Die Küche geht in den Essbereich über, der wiederum zum Wohnzimmer hin offen ist. Über ein lichtdurchflutetes Treppenhaus gelangt man ins Obergeschoss zu einer Art Brücke, über die rechter Hand Schlafzimmer und Bad erschlossen werden. Dieser Trakt ist direkt über der Einliegerwohnung angesiedelt. Außerdem erreicht man von der Galerie aus den Bereich für Gäste mit Schlafzimmer und separatem Bad sowie ein Büro.
„Wir wollten keine Klimaanlage, keine mechanische Lüftung und dennoch Energie sparen. Deshalb gibt es nach Süden ganz viele große Glasflächen. So können sich die Räume, in denen man sich hauptsächlich aufhält, natürlich aufheizen. Für den Sommer ist zur Verschattung außen ein Sonnenschutz angebracht, damit es nicht zu heiß wird. Alle nach Norden gelegenen anderen Räume haben kleinere Fenster, um hier keine Energie zu verlieren. Das war das Konzept. Man muss nur ein Vierteljahr heizen in diesem Haus, alles andere macht die Sonne“, erklärt Martin Stiegler.
Dieser energetische Ansatz habe sich perfekt mit dem inhaltlichen verbunden, nach Süden offene und hohe und gen Norden geschlossene Räume anzuordnen.
„Das ist ein extrem individuelles Haus. Wer das schätzt, hat etwas Einmaliges“, fasst der Architekt zusammen. „So etwas findet man nicht so oft“, ergänzt Immobilienberater Marcel Fischer. Verkauft sei die Villa jedoch noch nicht. Sie sei allerdings auch erst seit Kurzem auf dem Markt. Wobei sich genau dieser Umstand zumindest rasend schnell herumgesprochen hat.