Ein Handwerker packt die neue Etagen-Wärmepumpe an der Hauswand in Stuttgart-Sillenbuch aus. Auf dem rechten Bild: Jürgen Lang (l.) und Frederik Janzen im Bad der Mietwohnung: An die Stelle der Gastherme kommt die Inneneinheit der Etagen-Wärmepumpe. Foto: Christian Hass
Seit dieser Woche werden in Stuttgart die ersten innovativen Etagen-Wärmepumpen des Start-ups Heatpump23 installiert. Sie ersetzen Gas-Etagenheizungen – wie nun in Sillenbuch.
Die Gas-Etagenheizung habe schon seit längerer Zeit gesponnen, erzählt die Mieterin. Deshalb ist sie froh, dass die Handwerker jetzt da sind und etwas Neues einbauen. Und neu ist das Heizsystem, dass die Männer von Jürgen Lang installieren, wirklich. Die mittlere Mietwohnung des Drei-Parteien-Hauses in Stuttgart-Sillenbuch bekommt eine Etagen-Wärmepumpe – es ist das erste Seriengerät des Start-ups Heatpump23 in Stuttgart.
Die Gründer Frederik Janzen und Georg Barbunopulos, die ihre Wurzeln in Stuttgart haben, haben sich vor knapp zwei Jahren die Idee patentieren lassen, die eine Alternative zu Gas-Etagenheizungen bieten soll. Etwa 448 000 Wohnungen in Baden-Württemberg werden mit einer Gas-Etagenheizung warm gehalten. In ganz Deutschland sind es knapp 4,9 Millionen Stück, was 11,6 Prozent entspricht. Das hat eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft ergeben.
Frederik Janzen ist einer der beiden Gründer des Stuttgarter Start-ups Heatpump23. Foto: Lichtgut/Christian Hass
Heatpump23 baut die Geräte nicht selbst ein; ihre Abnehmer sind Heizungsbauer – wie der Betrieb Saturn Kälte + Klima aus dem Stuttgarter Norden. Jürgen Lang, der Senior-Geschäftsführer, ist ein Fan der Etagen-Wärmepumpe. „Für viele Wohnungen gibt es keine andere Lösung“, sagt er. Man müsse beispielsweise Miteigentümer nicht von einer gemeinsamen Lösung überzeugen, sondern tausche die Gas-Etagenheizung einfach aus. Dabei müssen die Lärmgrenzwerte natürlich beachtet werden.
Heatpump23-Vertreter kommt auch nach Stuttgart-Sillenbuch
Man muss dazu sagen, dass Jürgen Lang und seine drei Söhne sich darauf fokussieren, nur noch klimafreundliche Heizsysteme zu installieren. „Wir bauen Gas nur ab“, sagt der Senior. Und seit Neuestem haben sie eben ein neues Produkt im Portfolio.
Auch wenn Heatpump23 an der Installation nicht beteiligt ist, so ist Frederik Janzen Anfang der Woche trotzdem nach Sillenbuch gekommen. „Jetzt am Anfang sind wir immer auch einmal vor Ort“, sagt er. Das Start-up hat sich im Zukunftspark in Heilbronn eingerichtet; dort haben sie eine große Werkstatt, in der sie inzwischen auch die Qualitätskontrolle machen, bevor die Etagen-Wärmepumpen ausgeliefert werden. Gefertigt wird bei einem Partner in Kaiserslautern.
Die Außeneinheit in Sillenbuch ist am Montag an die Rückwand des Hauses an der Kirchheimer Straße montiert worden; zudem wurde im Bad – wo sich die Inneneinheit befindet – ein faustgroßes Loch in die Wand gebohrt. Am zweiten Tag ist die Inneneinheit dran. Die Handwerker haben die alte Gastherme gerade ausgebaut, sie liegt jetzt hinten im Hof auf dem Boden. Sie hat um die 25 Jahre auf dem Buckel.
Alles in allem brauchen sie für den Einbau einer Etagen-Wärmepumpe zurzeit drei Tage, sagt Jürgen Lang. „Das Ziel sind zwei Tage, wenn wir geübter sind.“ Aktuell habe der Betrieb acht der innovativen Geräte auf Lager, sechs davon seien schon verplant. Die Kosten für eine Etagen-Wärmepumpe liegen – vor Förderung – bei 20.000 bis 25.000 Euro.
Das sagt der Stuttgarter Heizungsbauer über die Wärmepumpe
Mit ihrer Erfindung wollen Frederik Janzen und Georg Barbunopulos Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmeter abdecken. Es kommt aber auch darauf an, wie viele Menschen in der Wohnung leben: Wenn fünf Leute direkt hintereinander duschen wollten, würde das Warmwasser dann doch knapp. Zwischendurch braucht der Speicher Zeit, um sich wieder aufzuladen.
„Es ist eine Kompromisslösung“, sagt der Heizungsbauer Jürgen Lang. „Aber wenn wir die Wärmewende machen wollen, braucht es eventuell auch Abstriche.“