Heatpump23 aus Stuttgart Innovative Etagen-Wärmepumpe ist jetzt auf dem Markt

Georg Barbunopulos (l.) und Frederik Janzen haben sich ihre Etagen-Wärmepumpe 2024 patentieren lassen. Foto: Judith A. Sägesser

Seit Kurzem kann man die Etagen-Wärmepumpe des Start-ups Heatpump23 bestellen. Der Großteil der ersten 50 Geräte dürfte in Stuttgart anstelle der Gas-Etagenheizung installiert werden.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Frederik Janzen sitzt am Laptop in der Werkstatt und macht die letzten Tests an der Erfindung. Bald wird es ernst – darauf freuen er und Georg Barbunopulos sich schon. Bestellbar ist ihre Etagen-Wärmepumpe bereits, die 50 Geräte der ersten Charge werden zeitnah gefertigt. Sie werden ab November ausgeliefert und voraussichtlich großteils in Stuttgart installiert werden, sozusagen auf dem Heimatmarkt des Start-ups.

 

Frederik Janzen und Georg Barbunopulos haben beide auch Wurzeln in Stuttgart, zudem gibt es in der Landeshauptstadt viele Mehrfamilienhäuser, in denen Gas-Etagenheizungen installiert sind. Für solche Wohnungen bieten sie eine Lösung an: eine Etagen-Wärmepumpe, die die Gastherme fürs Heizen und Warmwasser ersetzt. Mit einer Außeneinheit und einer Inneneinheit an derselben Stelle, an der sich bisher die Therme befindet.

Stuttgart als wichtiger Markt für Heatpump23

So wichtig der Markt Stuttgart für sie sein wird: Die Werkstatt, in der aktuell die letzten Vorbereitungen getroffen werden, befindet sich seit Mai in Heilbronn im Zukunftspark. Das Bürogebäude, das die Stadtsiedlung Heilbronn gebaut hat und vermietet, ist so neu, dass es noch recht leer ist – nicht nur wegen der Sommerferien. „Das war ein Jackpot, dass wir hier ein Büro mit Werkstatt gefunden haben“, sagt Georg Barbunopulos. Die Wärmepumpen werden jedoch nicht in Heilbronn produziert, sondern bei einem Fertigungspartner in Kaiserslautern.

In Stuttgart-Ost wurde ein Feldtest mit einer Etagen-Wärmepumpe durchgeführt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Heilbronn in der 90 Quadratmeter großen Werkstatt haben sie den Prüfstand aufgebaut, mit einer Wärmepumpe in einer Kühlzelle, um die Außentemperatur zu simulieren; geplant ist zudem ein Showroom, um zu zeigen, wie das hinterher aussehen würde: eine Küchenzeile mit verbauter Inneneinheit.

Bisher können Frederik Janzen und Georg Barbunopulos das nur auf Fotos demonstrieren: ein weißer schmaler Schrank mit einem schicken Holzabschluss, der gleichzeitig eine Tür ist. Dahinter verbirgt sich das Display, auf dem der Bewohner die Heizung regulieren kann – außer er macht das lieber auf dem Smartphone. Auch der Installateur hat digitalen Zugriff und wird im besten Fall schon informiert, wenn der Bewohner noch gar nicht gemerkt hat, dass die Heizung spinnt.

Feldtests mit Wärmepumpe in Wohnungen in Stuttgart

Im Sommer 2024 haben sich die beiden Gründer ihre Erfindung patentieren lassen. Etwa 448 000 Wohnungen in Baden-Württemberg werden mit einer Gas-Etagenheizung warm gehalten. In ganz Deutschland sind es knapp 4,9 Millionen Stück, was 11,6 Prozent entspricht. Das hat eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft ergeben.

Laufen die ersten 50 Etagen-Wärmepumpen erfolgreich vom Stapel, sieht der Hochlauf vor, dass 2026 bereits um die 250 Stück und 2027 etwa 600 Geräte produziert werden. In sieben Jahren sollen es dann bereits 20 000 Stück pro Jahr sein. „Wir könnten hier auch anwachsen“, sagt Georg Barbunopulos, während er durch den Bürobau führt; noch stehen ja einige Schreibtische leer. Momentan kommt Heatpump23 aber noch mit den vier Arbeitsplätzen aus. Sie sind derzeit zu acht, viele in Teilzeit.

Bestellt werden können seit ein paar Wochen zwei verschiedene Varianten: eine Etagen-Wärmepumpe mit sechs Kilowatt Leistung und eine mit siebeneinhalb Kilowatt. Geschäftspartner von Heatpump23 sind nicht Privatleute, sondern Installateure. Vor ein paar Tagen erst waren zehn verschiedene Betriebe zu Besuch und haben sich im Zukunftspark alles zeigen lassen – auch aus Stuttgart, neben Heilbronn der Modellregion des Start-ups. Ausgeliefert werden die ersten Geräte im November. „Der Einbau ist dann perspektivisch in einem Tag machbar“, sagt Georg Barbunopulos.

In zwei Stuttgarter Wohnungen wurden von Februar an Feldtests durchgeführt. Die Geräte haben Frederik Janzen und Georg Barbunopulos noch selbst gebaut. Weil von den Eigentümern keiner mehr zu Gas zurück will, werden Anfang 2026 Seriengeräte verbaut. Man habe herausgefunden, dass die Etagen-Wärmepumpen 23 Prozent günstiger im Betrieb seien. Ihr Gerät mache aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme.

Daher haben Frederik Janzen und Georg Barbunopulos die Quadratmeterzahl, für die sich die Etagen-Wärmepumpe eignet, nach den Feldtests etwas hochgesetzt: Sie wollen Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmeter abdecken. Wobei es darauf ankommt, wie viele Menschen in der Wohnung leben: Denn das Warmwasser wird dann doch knapp, wenn in einer Fünfer-WG alle direkt hintereinander unter die Dusche wollen.

Die bisherigen Kostenvoranschläge lägen zwischen 18.500 und 22.000 Euro – je nachdem wie weit Außen- und Inneneinheit von einander entfernt liegen. Dieser Betrag sei dann noch förderfähig.

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