Beim Jubiläum des Leonberger Jazzclubs an neuer Stätte bringen die Sängerin Kim Hofmann und ihre gestandenen Herren, die Soulmen, das Publikum aus dem Häuschen

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Werner Acker hat schon ein paar knackige Soli hingelegt, Schweißtropfen sind auf seiner Stirn. „Ich könnte noch stundenlang weiterspielen“, sagt jener Mann, der von Können und Spielfreude her ohne Weiteres in die Gilde der großen Gitarrengötter eingereiht werden könnte. Doch ein Jazzer mag es zumeist persönlicher. Deshalb steht der einstige Dozent an der Musikhochschule Stuttgart lieber auf kleineren Bühnen .

 

Etwa auf der des Jazzclubs in Leonberg. Der Verein feiert an diesem Abend ein Jubiläum. Ein Jahr ist es her, da hatte die Initiative sozusagen ihre Wiedergeburt: das erste Konzert in der städtischen Steinturnhalle. Zuvor waren der rührige Vorsitzende Fidi Gänger und seine Mitstreiter viele Monate verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Domizil. Denn im eigentlichen Jazzkeller durfte nichts mehr laufen.

Mal ganz sanft, mal Rockröhre: Kim Hofmann in Leonberg. Foto: Simon Granville

Ein Nachbar hatte gegen den Konzertbetrieb geklagt. Seine Begründung: Die Kellerräume seien nicht aber als Veranstaltungsort vorgesehen. Dass zuvor eine Tanzschule dort drin war, hatte niemanden gestört. Am Leonberger Amtsgericht bekam der Jazzclub Recht. In der zweiten Instanz schloss sich das Gericht in Stuttgart der Meinung des Klägers an: Der Jazzclub musste raus.

Oberbürgermeister Martin Georg Cohn stellte den Musikfreunden temporär das Rathaus-Foyer zur Verfügung, eine Dauerlösung war das freilich nicht. Bis das Kulturamt die Steinturnhalle in Gespräch brachte: klein, aber fein, mit nostalgischem Ambiente. Ideal für Jazzkonzerte.

Bei der Premiere im Juli 2024 räumte die Soul- und Bluesband Kimi & the Soulmen regelrecht ab. Auch zur einjährigen Geburtstagsfeier stehen die Sängerin Kim Hofmann und ihre Soulmänner auf der Bühne, die beim Jazzclub der Boden ist. Eben der eingangs erwähnte Werner Acker, der schon mit allen möglichen Formationen in Leonberg begeistert hat. Nicht minder illuster: Herbert Wachter, ein wahrer Meister am Schlagzeug. Dirk Blümlein, durch Fool’s Garden einem großen Publikum bekannt, hat den wahren Funky-Bass. Gastgeber Fidi Gänger spielt zur Feier am Saxofon bis zur Verausgabung.

Gastgeber Fidi Gänger ist bei den Soulmännern am Saxofon dabei. Foto: Simon Granville

Und eben Kim Hofmann: Die Stimme der jungen Sängerin ist von unglaublicher Vielfalt, mal zart und melancholisch, dann wieder wie eine gestandene Rockröhre. Im Vergleich zum Auftritt von vor einem Jahr hat die Absolventin der Musikhochschule ihre Bühnenpräsenz deutlich gesteigert. Sie ist eine echte Frontfrau, kommuniziert mit dem Publikum und flirtet mit ihren Mitspielern.

Kimi und ihre Soulmänner legen sich von Anfang an gehörig ins Zeug und brennen mit Klassikern wie „Kiss“ oder „Pick up the Pieces“ die Steinturnhalle ab . Das Publikum ist aus dem Häuschen. Tolle Geburtstagsfete!