Heiße Schoki aus Waldenbuch Ritter wird mit grünem Award ausgezeichnet

Am Produktionsstandort in Waldenbuch geht es nachhaltig zu. Foto: Ritter Sport

Die Firma reduziert durch Großwärmepumpen Gasverbrauch drastisch. Jetzt sind die Waldenbucher bei Greentech BW ein „Spotlight“. Auf Schwäbisch heißt das: Nachmachen bitte!

Böblingen: Carola Stadtmüller (cas)

Der Schokoladenhersteller Ritter aus Waldenbuch kümmert sich seit Langem darum, dass seine Prozesse „grüner“ werden. Die selbst gesteckten Ziele sind ehrgeizig: „Wir haben uns dem 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen verpflichtet. Um das zu schaffen, müssen wir unseren absoluten Energieverbrauch von 2021 bis 2030 um 42 Prozent senken“, sagte Asmus Wolff, Geschäftsführer Supply Chain, auf Deutsch: Lieferkette, schon vor zwei Jahren. Jetzt sind die Waldenbucher wieder einen Schritt in Richtung dieses Ziels gegangen.

 
Asmus Wolff ist bei Ritter unter anderem für die Lieferketten zuständig. Foto: Stefanie Schlecht

Dafür wird das Unternehmen jetzt ausgezeichnet: als „GreenTech BW Spotlight“, ein vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördertes Projekt.

Ritter deckt 90 Prozent seines Wärmebedarfs

Auf dem Betriebsgelände nimmt Ritter fünf Großwärmepumpen in Betrieb und stellt die Wärmeversorgung damit nahezu vollständig auf ein hocheffizientes, CO2-sparendes System um. Zwei Wärmepumpen laufen bereits im Regelbetrieb, drei weitere kommen im Laufe des Jahres hinzu, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Zur Erklärung: Anders als die aus Privathaushalten bekannte Luft-Wasser-Wärmepumpe, bei der die Umgebungsluft als Wärmequelle dient, nutzen die Wasser-Wasser-Großwärmepumpen bei Ritter die im Produktionsprozess entstehende Abwärme. Das Prinzip ist aber dasselbe: Energie die, da ist, wird nicht sinnlos in die Luft geblasen, sondern genutzt. Nachhaltigkeit, die sich auch rechnen dürfte: Mit den fünf Wärmepumpen, die zusammen rund 12 000 MWh erzeugen, deckt Ritter künftig rund 90 Prozent seines Wärmebedarfs und ersetzt etwa 25 000 MWh Gas jährlich.

„Mit unserer modernen Wärme- und Kälteversorgung zeigen wir, dass die industrielle Transformation konkret und wirtschaftlich machbar ist“, sagte denn auch Asmus Wolff.

Die Umstellung auf Wärmepumpen ist Teil einer energetischen Gesamtstrategie, mit der Ritter unter anderem die Wärme- und Kälteversorgung am Standort Waldenbuch modernisiert. Ein zentraler Baustein dafür war die Inbetriebnahme einer Hybrid-Kühlanlage, die nicht nur eine wasserarme Kühlung ermöglicht und den Trinkwasserverbrauch um rund 20 000 Kubikmeter pro Jahr reduziert, sondern die Voraussetzung für eine optimale Abwärme-Rückgewinnung schafft.

Mit den fünf Wärmepumpen wird Ritter rund 90 Prozent der CO2 -Emissionen in Scope 1 einsparen. Damit ist der Schokoladenhersteller in Scope 1 und Scope 2 nahezu klimaneutral und das ohne ausgleichende Klimazertifikate. Scope 1 und 2 beschrieben verschiedene Kategorien von CO2- Emissionen, die ein Unternehmen verursacht. Die Begriffe stammen aus dem Greenhouse Gas Protocol, dem global meistgenutzten Standard zur Bilanzierung von Treibhausgasen.

Zur Strategie gehört auch: Ritter hat auch zwei Windräder in der Nähe von Münchberg und einen Solarpark in Wenzenbach gekauft, beides liegt in Bayern. Die drei Anlagenhaben das Potenzial, jährlich so viel Energie zu liefern, um damit 450 Millionen Tafeln Schokolade herzustellen.

1700 Mitarbeitende, 712 Millionen Euro Umsatz

Das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Waldenbuch beschäftigt rund 1700 Mitarbeitende und erzielte im vergangenen Jahr einen vorläufigen, konsolidierten und wechselkursbereinigten Umsatz in Höhe von 712 Millionen Euro.

Preise für grüne Innovationen

Greentech BW Spotlight
Der Preis ist ein Projekt der Plattform GreenTech BW, das innovative grüne Technologien von Unternehmen aus Baden-Württemberg sichtbar machen soll. Unternehmen sollen zeigen, wie sie nachhaltige Technologien praktisch einsetzen, um Umwelt, Klima und Ressourcen zu schützen. Eine Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Ministerien wählt Projekte nach Kriterien wie Innovationsgrad, Umweltwirkung und Übertragbarkeit aus. Die Preisträger bekommen zwar kein Geld, aber erlangen Sichtbarkeit und erreichen die Öffentlichkeit.

Best Practice
Außer Ritter sind unter anderem dabei: Badenova Wärmeplus, wo industrielle Abwärme in Fernwärme umgewandelt wird. Hansgrohe, die einen geschlossenen Kreislauf für das Metall Palladium entwickelt haben oder Mahle, die

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