Heizen in der Region Stuttgart Zwei Heizungen im Doppelhaus – Wärmepumpe quasi gleich teuer wie Gasheizung

Wärmepumpen sind nicht mehr in allen Fällen teurer als Gasheizungen. Das zeigen Beispiele aus Stuttgart und der Region. Foto: dpa

Nach Abzug der Förderung sind die Geräte preislich oft konkurrenzfähig – dies zeigen Beispiele aus der Region Stuttgart. Auf welche Fallstricke bei den Angeboten man achten sollte.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Jürgen Walter kann gar nicht verstehen, warum alle immer über die angeblich so hohen Preise von Wärmepumpen herziehen. Der Besitzer einer Doppelhaushälfte in Asperg (Kreis Ludwigsburg) hat vor einem Jahr für seine neue Bosch-Wärmepumpe mit 7,5 Kilowatt Leistung am Ende aus eigener Tasche 11.500 Euro bezahlt. Besonders apart: In der baugleichen anderen Doppelhaushälfte habe der Eigentümer fast gleichzeitig eine Gasheizung eingebaut – zum quasi selben Preis wie er. „Da eine Wärmepumpe im Betrieb immer billiger ist als eine Gasheizung, muss man doch gar nicht mehr überlegen“, meint Walter.

 

Im Angebot des Aspergers standen vor Förderung 28.000 Euro

Nun ist Jürgen Walter nicht irgendwer – im ersten Kretschmann-Kabinett von 2011 bis 2016 war er grüner Staatssekretär im Wissenschafts- und Kunstministerium. Klar, dass Walter von der klimafreundlichen Technologie überzeugt ist. Doch auch andere halten die Faustformel, dass man für eine Wärmepumpe 40.000 Euro vor Förderung kalkulieren sollte, nicht mehr für angebracht. Bei Jürgen Walter standen im Angebot 28.000 Euro als Komplettpreis.

Ein Eigentümer aus Stuttgart, der nicht namentlich genannt werden möchte, rechnete uns jetzt vor, dass seine Wärmepumpe offiziell 34.000 Euro gekostet hat; nach staatlichem Zuschuss zahlte er selbst noch 16.500 Euro. Damit heizt er allerdings auch sein ganzes Einfamilienhaus samt Einliegerwohnung mit zusammen 220 Quadratmetern. „Irgendwelche zusätzlichen Kosten entstanden nicht, wir sind super zufrieden“, betont er. Sogar die ersten Wartungen seien inbegriffen.

Viele Hausbesitzer entscheiden sich jetzt schon für Wärmepumpen. Foto: picture alliance/dpa

Nun könnten das Einzelbeispiele sein. Doch ein Energieberater aus Schorndorf betont unserer Redaktion gegenüber ebenfalls, dass ihm in seiner Tätigkeit noch nie ein Fall untergekommen, bei dem der Eigentümer eines Einfamilienhauses mehr als 25.000 Euro selbst habe bezahlen müssen. „Und wenn die Kosten in diese Region kommen, beinhalten sie Begleitmaßnahmen wie den Abbau und die Entsorgung einer alten Ölheizung und der Öltanks“, so der Energieberater. Das seien aber Kosten, die beim Umbau von einer Öl- auf eine Gasheizung genauso anfallen würden.

Die Förderung macht die Wärmepumpe attraktiv

Damit ist eine erste Einschränkung bei den Gesamtkosten schon angesprochen. Tatsächlich müssen manchmal zusätzliche Arbeiten im Haus gemacht werden, die in den beiden genannten Beispielen nicht inbegriffen waren – der Ausbau von Öltanks kann allein einige tausend Euros kosten. Und manchmal fallen auch speziell Kosten an, damit eine Wärmepumpe überhaupt funktioniert – da sind in erster Linie der Wechsel von (einzelnen) Heizkörpern zu nennen.

Die zweite Einschränkung ist natürlich die Förderung: Ohne diese Bundeszuschüsse wäre eine Wärmepumpe immer sehr viel teurer als eine Gasheizung. Die Bundesregierung hat aber deutlich gemacht, dass die derzeitige Förderung zumindest bis Ende 2028 weiterlaufen soll. 30 Prozent Förderung erhält dabei jeder; wer eine Ölheizung oder eine mindestens 20 Jahre alte Gasheizung hat, kann mit weiteren 20 Prozent rechnen, zudem ist ein fünfprozentiger Effizienzbonus möglich. Gedeckelt ist der Zuschuss auf 21.000 Euro.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat sich im vergangenen Jahr nun die Mühe gemacht, 160 Angebote für Wärmepumpen eingehend zu untersuchen. Das Ergebnis dürfte einigermaßen repräsentativ sein. Der qualifizierte Durchschnittspreis lag danach bei 37.500 Euro. Bei einer angenommenen Förderung von 50 Prozent (bis 30.000 Euro) und einem zusätzlichen Bonus für effiziente Wärmepumpen läge der Eigenanteil also bei rund 20.000 Euro. Unterm Strich ist das schon noch teurer als eine Gasheizung – durch die geringeren Betriebskosten amortisiert sich die Wärmepumpe dennoch nach einigen Jahren.

Kosten variieren stark zwischen 20.000 und 63.000 Euro

Qualifiziert bedeutet in diesem Fall, dass alle wirklich erforderlichen Arbeiten auch im Angebot inbegriffen waren. Dazu gehört etwa das Fundament für die Außeneinheit der Wärmepumpe oder die immer notwendige Elektroinstallation. Die Spanne der untersuchten Angebote für Ein- und Zweifamilienhäuser liege aber zwischen 20.000 und 63.000 Euro und sei damit beträchtlich, so die Verbraucherschützer.

Zugleich kritisiert die Verbraucherzentrale, dass nur in der Hälfte der Angebote das Fundament tatsächlich inkludiert war, nur in zwei Dritteln war auch die Elektroinstallation kostenmäßig berücksichtigt. Die Verbraucherschützer betonen deshalb, dass jeder Eigentümer darauf achten sollte, dass neben diesen beiden Dingen und natürlich dem Gerät selbst und den Montagearbeiten auch ein hydraulischer Abgleich und die Warmwasseraufbereitung im Angebot berücksichtigt sein sollten. Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bietet mittlerweile an, bis zu drei Angebote kostenlos zu prüfen.

Eine zentrale Forderung von Heike Troue, der Vorständin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, ist jedenfalls: „Wärmepumpen-Angebote müssen verständlicher und vergleichbarer werden.“

Jürgen Walter und der Stuttgarter Hausbesitzer sehen das ebenfalls so – auch sie hätten weitere Angebote eingeholt und starke Unterschiede erlebt. Walter lag ein Angebot über 40.000 Euro vor, den Zuschlag bekam ein Unternehmen, das 28.000 Euro verlangte. Im anderen Fall bezahlte der Eigentümer 33.000 Euro, ein anderes Angebot habe bei weit über dem Doppelten gelegen.

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