Heizen in Stuttgart ab 2024 Fünf Fakten zum Anschluss an die Fernwärme

Anschluss an ein Fernwärmenetz (hier in Marbach). Welche Gebiete in Stuttgart künftig von einem Wärmenetz versorgt werden können und welche nicht, zeigt die Bildergalerie – straßengenau. Foto: Ralf Poller/Avanti

Der Stuttgarter Gemeinderat hat die Wärmeplanung beschlossen. Für knapp die Hälfte der Haushalte in der Stadt ist ein Fernwärme-Netz eine Option. Wer ist drin und wie funktioniert das mit dem Anschluss?

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Die Verlegung von Glasfaser gibt einen Vorgeschmack. Während das Highspeed-Internet seit geraumer Zeit großflächig ausgerollt wird, wird dies bei den Wärmenetzen anders sein. Die kommunale Wärmeplanung, die der Gemeinderat am 14. Dezember für Stuttgart beschlossen hat, gibt Auskunft darüber, ob an einer Straße eine Leitung geplant ist oder eben nicht.

 

Laut Informationen der Stadt befinden sich etwa 45 Prozent aller Haushalte, was rund 136 800 Wohneinheiten entspricht, in einem potenziell durch ein Wärmenetz versorgten Gebiet. Was bedeutet es, in einem Netzgebiet zu wohnen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Wo finde ich Infos zu Fernwärme?

Nachdem die Stuttgarter Stadträte der Wärmeplanung der Verwaltung am 14. Dezember zugestimmt haben, dient sie den Bürgern und Planern als Orientierungsgrundlage.

Die interaktive Karte zeigt die Gebiete, in denen es bereits ein Wärmenetz gibt (orange), wo die Planung schon läuft (grün) oder kurz bevorsteht (blau), die gut (gelb) oder nur mit größeren Problemen (rot) an ein Wärmenetz angeschlossen werden können. Zoomen Sie für Details mit dem Plus-Button links oben hinein.

Die Stadt hat ein Online-Portal eingerichtet, auf dem man sich über Grundlegendes, Aktuelles und zu Fördermöglichkeiten informieren kann. Dies ist zu finden unter www.stuttgart.de/waermewende. Das städtische Onlineportal bietet nicht nur Tipps für Gebäudeeigentümer in einem Netzgebiet, sondern auch für die sogenannten Einzelversorger, also jene, die sich selbst um ihre klimafreundliche Heizung bemühen müssen. Beratung und Hilfe finden Stuttgarter zudem beim Energieberatungszentrum: www.ebz-stuttgart.de.

2. Was ist Fernwärme?

Bei einem Fernwärmeanschluss befindet sich die Heiztherme nicht zwangsläufig im eigenen Gebäude. Über Rohrleitungen wird die Wärme – aus regenerativen oder fossilen Energien – von einer gemeinsamen Energiequelle aus an mehrere Abnehmer verteilt. Der Vorteil für den Einzelnen: Er muss sich nicht selbst um Reparatur und Wartung kümmern.

Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden heizen 18 Prozent der Haushalte in Deutschland zurzeit mit Fernwärme. In Stuttgart macht Fernwärme ein Fünftel der derzeit verbrauchten Wärmeenergie aus.

3. Wie funktioniert der Anschluss?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Gebäude in einem Gebiet angeschlossen werden, desto wirtschaftlicher wird das Projekt – auch für den Einzelnen. Wer sich interessiert, sollte sich an seine Kommune wenden und mit den Nachbarn sprechen. Die Stadt Stuttgart etwa priorisiert deshalb bei ihrer Planung Netzgebiete, in denen möglichst wenige Ansprechpartner und ein möglichst hoher Wärmeverbrauch aufeinandertreffen.

In manchen Kommunen – nicht in Stuttgart – gibt es einen Anschluss- und Benutzungszwang für jene, die im Netzgebiet bauen oder die Heizungsanlage sanieren. Passivhäuser sind davon laut Sandra Duy vom Verbrauchermagazin Finanztip meist ausgenommen. Ihr Wärmebedarf liegt bei gerade einmal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Laut Heizspiegel lag der Durchschnittsverbrauch in einem mit Gas beheizten Haus im Schnitt bei 145 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Eine Besonderheit, die Fernwärme-Interessenten wissen sollten: Aktuell können sie nicht zwischen verschiedenen Fernwärme-Versorgern wählen, sondern sie müssen sich mit dem zusammentun, der in ihrem Quartier das Wärmenetz baut und betreibt. Diese Monopolstellung wird von Verbraucherschützern regelmäßig kritisiert. Deshalb sollte man bedenken: Wer mit dem Anbieter unzufrieden ist, kann nur auf ein anderes System wechseln.

4. Wie viel kostet Fernwärme?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Preise hängen stark von den örtlichen Gegebenheiten ab. Allein wegen abweichender Witterungsverhältnisse unterscheiden sie sich regional teils erheblich. Der Preis setzt sich zusammen aus Grund- und Arbeitspreis. Details zur Kalkulation machen Versorger nicht öffentlich. Der Arbeitspreis lag laut Heizspiegel 2022 im Schnitt bei 11,3 Cent. Der Grundpreis bezieht sich auf die Anschlussleistung. Laut Sandra Duy von Finanztip wird diese oft zu hoch angesetzt. Der Versorger muss sie inzwischen allerdings auf Wunsch des Verbrauchers drosseln.

Ob Fernwärme unter dem Strich monatlich teurer kommt als eine Gas- oder Ölheizung kann je nach Fall mit Ja oder mit Nein beantwortet werden. Was für den Fernwärmenutzer wegfällt: die Kosten für Schornsteinfeger oder Wartung, und auch die Anfangsinvestition kann günstiger sein als bei einer Gastherme. Allerdings: „Wenn es eine Preiserhöhung gibt, die auf den Preisgleitklauseln des Fernwärmevertrags beruhen, hat man kein Kündigungsrecht“, sagt Duy.

5. Ist Fernwärme besser fürs Klima?

Klares Ja-Aber. Wenn es sich bei der Wärmequelle um erneuerbare Energie handelt, ist Fernwärme klimafreundlicher. Für 2022 gilt jedoch, dass sich fast 75 Prozent der Fernwärme in Deutschland aus fossilen Energien speiste. Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, dass die Fernwärmequellen bis 2030 zu mindestens 50 Prozent erneuerbare Energien sind. Das ist eine doppelte Herausforderung: der Ausbau der Netze und der Wechsel auf Erneuerbare. Gelingt es, greift die Wende gleich bei vielen Wärmeabnehmern auf einmal. Eine Krux gibt es bei Fernwärme: Je weniger Energie verbraucht wird – und Energiesparen ist eine Säule der Energiewende – desto unwirtschaftlicher wird ein Netz; das beeinflusst letztlich auch den Grundpreis.

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