Heizen in Stuttgart Uni Hohenheim von Asemwald-Wärmepumpe nicht begeistert

Wird der Asemwald in Sachen Energie künftig ein Vorzeigequartier? Noch sind viele Fragen offen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Eine Großwärmepumpe in einem Acker, um den Asemwald zu heizen? Würde das so kommen, ginge ihm unersetzbare Versuchsfläche verloren, sagt der Pächter – die Universität Hohenheim.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Damit der Asemwald sein Energieproblem langfristig lösen kann, liebäugelt die Stadt Stuttgart damit, der Wohnstadt einen Acker anzubieten. Dort könnte eine Großwärmepumpe unter der Erde Energie fürs Heizen produzieren. „Der Asemwald könnte ein echtes Vorzeigequartier der Energiewende werden“, erklärt Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart.

 

„Wir sind derzeit in umfassenden Abstimmungsgesprächen“, so Matis. „Zunächst müssen offene Fragen geklärt werden, dann könnte im nächsten Schritt zur Probe gebohrt werden.“ Noch ist das also Zukunftsmusik, aber in das Ansinnen mischen sich schon jetzt Misstöne. Der Grund: Der Pächter des Ackers ist alles andere als begeistert.

Forscher aus Stuttgart-Hohenheim sieht Probleme für Boden

Der Pächter ist die Universität Hohenheim. Das Feld werde als Versuchsfläche für Pflanzen-Neuzüchtungen genutzt, erklärt Wilfried Hermann, der Leiter der Versuchsstation Agrarwissenschaften. „Wir brauchen einen einheitlichen, homogenen Boden“, sagt er.

Geothermie vom Birkacher Feld? Das ist die Idee, um die Wohnstadt Asemwald zu beheizen. Foto: Archiv Lichtgut/Zweygarth

Würde in dem Acker eine Großwärmepumpe vergraben, müssten ja unter anderem auch Kabel verlegt werden. „Das stört das Bodengefüge elementar“, sagt Hermann. Der Boden sei nicht mehr wie vorher und für ihre Versuche eigentlich verloren. „Aber wir haben keine Ausweichfläche“, die anderthalb Hektar seien zusammenhängend, eine Rarität auf der Filderebene und auf dem Birkacher Feld.

Interessenskonflikt für die Stadt Stuttgart?

Gut möglich, dass die Stadt zu einem späteren Zeitpunkt in einem Interessenskonflikt zwischen Energiewende und landwirtschaftlicher Forschung abzuwägen hat. Wohin sie tendiert, ist derzeit nicht abzuschätzen. „Diese Frage kann erst nach Klärung der offenen Fragen beantwortet werden“, sagt Sven Matis.

Zudem: „Wir haben von der Uni keine ablehnende Haltung erfahren.“ Sowohl Landwirtschaft als auch nachhaltige Energieversorgung seien „hohe Güter“, so Matis. „Bislang sehen wir uns hier zu keiner Abwägung gezwungen.“

Im Asemwald selbst hat die Erdwärmepumpe aktuell nicht die oberste Priorität. Dort will man zunächst versuchen, möglichst viel Heizenergie einzusparen. Die Idee ist, dass zeitnah viele Eigentümer ihre Fenster tauschen lassen. Es winken Rabatte, wenn die Fensterbauer gleichzeitig Aufträge aus dem Asemwald bekommen.

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