Heizölpreis steigt Wie der Iran-Krieg Heizölkunden trifft

Die Heizölpreise steigen: tanken oder abwarten? Foto: IMAGO/Eibner

Heizöl wird teurer. Der Geschäftsführer von Scharr Wärme in Stuttgart berichtet, wie sich der Iran-Krieg auf das Geschäft und die Kunden auswirkt – und warum er vom Volltanken abrät.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Der Krieg im Nahen Osten treibt auch die Heizölpreise. Seit Wochenbeginn ist der Preis für einen Liter Heizöl um rund 30 Cent gestiegen, sagt Axel Wolff, Geschäftsführer von Scharr Wärme in Stuttgart.

 

Entsprechend stressig ist die Woche bei Scharr gestartet. „Am Montag haben wir durchtelefoniert“, sagt Wolff, der selber auch am Telefon saß, weil man jeden Mitarbeiter gebraucht habe, um die Kundenanrufe zu bewältigen. „Nicht alles waren Verkaufsgespräche, vieles ging auch in Richtung Seelsorge“, beschreibt er die Anrufe der verunsicherten Kunden. Hinzu kamen unzählige E-Mails, die bereits am Wochenende eingingen.

„Die ersten Panikkäufer am Montag haben Glück gehabt“

Der Iran-Krieg schlägt voll auf die Energiepreise durch. „Die ersten Panikkäufer am Montag haben Glück gehabt“, sagt Wolff, denn seither sei der Heizölpreis weiter gestiegen. Laut Vergleichsportal „Heizoel24“ lag der Durchschnittspreis in Deutschland für 100 Liter Heizöl am 5. März bei 132,69 Euro, das sind mehr als 1,30 Euro pro Liter. Vor einer Woche lag er der Preis für 100 Liter Heizöl noch unter 100 Euro. Regional sind die Preise unterschiedlich.

Kunden, deren Heizöltank leer sei beziehungsweise kurz davor, müssten natürlich kaufen. Ihnen rät Wolff aber nicht voll zu tanken, sondern erst mal eine kleinere Menge zu kaufen, um durch die nächsten Wochen zu kommen, und die weitere Entwicklung abzuwarten. Schließlich naht das Ende der Heizperiode – anders als im Herbst.

Axel Wolff, Geschäftsführer von Scharr Wärme in Stuttgart Foto: Scharr Wärme

Wenn die Preise übers Jahr wieder sinken, könnten sich Kunden kostengünstiger für den nächsten Winter eindecken, sagt Wolff mit Blick auf die Erfahrungen mit früheren Krisen und Marktverwerfungen. Wie sich die Preise tatsächlich entwickeln, lasse sich derzeit aber nicht vorhersagen.

Heizölkunden, die ihre Tanks nicht akut auffüllen müssen, rät er, nicht in Panik zu verfallen – auch wenn die Preise womöglich erst mal weiter steigen. Beim Ukrainekrieg, das zeigt der Blick auf die historischen Preisverläufe, wurde der Spitzenpreis erst rund zwei Wochen nach Kriegsbeginn erreicht, dann sank er aber auch relativ schnell wieder. Allerdings gebe es auch jetzt einige Angstkäufer, die lieber ihren Tank vollmachen – meist ältere Kunden, sagt Wolff.

Egal ob Sprit, Heizöl oder Gas, die Preise hängen an weltpolitischen Entwicklungen. Bei Gas sei die Preisentwicklung deutlich signifikanter als bei Heizöl, sagt Wolff. Der Gaspreis ist seit Beginn des Iran-Kriegs um rund 50 Prozent gestiegen. Dabei spielt eine Rolle, dass Katar einer der weltweit wichtigsten Lieferanten von Flüssigerdgas (LNG) ist und aufgrund der Blockade der Straße von Hormus keine LNG-Exporte aus Katar durch die Meerenge möglich sind. „Da fließt viel Flüssiggas und die kommen halt nicht durch“, sagt Wolff. Vor allem bei Neuverträgen dürfte es für Erdgaskunden jetzt teuer werden, sagt Wolff.

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