Austausch von Gas-Etagenheizungen Erste Etagen-Wärmepumpen jetzt in Stuttgart in Betrieb

, aktualisiert am 13.05.2025 - 11:16 Uhr
Frank Wälde (l.) neben der Inneneinheit der Wärmepumpe, oben an der Decke verläuft die Leitung zur Außeneinheit. Frederik Janzen (M.) und Georg Barbunopulos testen in der Stuttgarter Altbauwohnung ihre Erfindung. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

448 000 Wohnungen in Baden-Württemberg haben eine Gas-Etagenheizung. Es gibt bisher kaum Alternativen. Nun sind in Stuttgart und Heilbronn die ersten Etagen-Wärmepumpen installiert worden. Zu Besuch bei einem, der umgerüstet hat.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Frank Wälde hat seit Kurzem in seiner Wohnung, wonach viele andere noch suchen: eine Alternative zur Gas-Etagenheizung. Seit Anfang März ist die Altbauwohnung in Stuttgart-Ost mit einer Etagen-Wärmepumpe ausgestattet. Seine Wohnung ist eine von dreien, in denen das Start-up „Heatpump23“ seine Erfindung per Feldtest einem Realitätscheck unterzieht. Die Markteinführung ist noch für 2025 geplant.

 

Und momentan sieht es laut den Gründern Georg Barbunopulos und Fredrik Janzen, beide Mitte 30, danach aus, dass alles funktioniert, wie es soll. Die 83-Quadratmeter-Wohnung in dem Haus von 1912 ist an eine WG mit drei Bewohnern vermietet.

Zwei, drei Tage habe es gedauert, bis die Wohnung im Stuttgarter Osten umgerüstet war. Die Etagen-Wärmepumpe kam an dieselbe Stelle wie die Gas-Etagenheizung. Zusätzlich ist eine Außeneinheit nötig, um Luft anzusaugen. Die ist so groß wie die Klimaanlage, die dort vorher an der Wand im ersten Stock hing. Die Heizkörper bleiben.

Geld von der Stadt Stuttgart

Die Idee kam Barbunopulos und Janzen im Jahr 2023, im Sommer 2024 haben sie sich ihre Erfindung patentieren lassen. Dass sie vielversprechend sein könnte, dafür spricht, dass es „Heatpump23“ im November 2024 ins Landesfinale 2025 beim „Start-up BW Elevator Pitch“ schaffte, einem Gründungswettbewerbs des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums. Und aus dem Klima-Innovationsfonds der Stadt Stuttgart gab es 263 000 Euro Starthilfe. Derzeit besteht das Team aus etwa acht Leuten, viele noch in Teilzeit.

Die Außeneinheit an dem Haus von 1912 Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Etwa 448 000 Wohnungen in Baden-Württemberg werden mit einer Gas-Etagenheizung warm gehalten. In ganz Deutschland sind es knapp 4,9 Millionen Stück, was 11,6 Prozent entspricht. Das hat eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft ergeben.

Die Feldtests in zwei Wohnungen in Stuttgart und Heilbronn – inzwischen dem Firmensitz von Heatpump23 – enden im Sommer. Dann sollen die ersten Bestellungen aufgenommen werden. Die erste Charge mit 50 Seriengeräten soll bis zum Jahresende bei einem Fertigungspartner in Kaiserslautern produziert und in den Modellregionen Stuttgart und Heilbronn eingebaut werden, erläutern die Gründer. 2026 sollen es bereits 400 sein, 2031 dann 20 000. Geschäftspartner seien nicht Privatleute, sondern Installateure und Wohnungsbaugesellschaften.

Und wie viel kostet die Umrüstung? Nach Angaben von Georg Barbunopulos und Fredrik Janzen liegt die Investition bei rund 19 000 Euro. Frank Wälde wird zu denen gehören, die ein Seriengerät bekommen werden. „Der Kaminfeger ist für uns jetzt Geschichte“, sagt er. Die Etagen-Wärmepumpe ist online angebunden, die Daten können vom Installateur per Fernwarte ausgelesen werden.

Gas? War einmal in dieser Stuttgarter Wohnung. Die Leitungen unter der Inneneinheit der Wärmepumpe sind abgeklemmt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wie sich die Heizkosten für die Mieter-WG nach der Umrüstung entwickeln, muss sich noch weisen. Für eine seriöse Aussage sei es zu früh, sagt Wälde. „Aber von der Tendenz her eher günstiger als teurer.“

Wärmepumpe für Wohnungen bis 100 Quadratmeter

In der Feldtest-Wohnung in Heilbronn hat sich übrigens gezeigt, dass die Etagen-Wärmepumpen für drei Personen ideal sind, für fünf aber in ihre Grenzen kommen. Jedenfalls dann, wenn alle direkt nacheinander duschen wollen. „Wir haben absichtlich Extreme getestet“, sagt Barbunopulos. Die Geräte, die nun auf den Markt kommen, sind zunächst auf Wohnungen zwischen 40 und 100 Quadratmeter ausgelegt. Perspektivisch wolle man aber auch größere Wohnungen abdecken.

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