Heizung kaputt Sindelfinger Johanneskirchenchor muss in die Christuskirche ausweichen
Wegen defekter Heizung: Der Chor der Sindelfinger Johanneskirche muss für sein Passionskonzert in die Christuskirche ausweichen. Die Rückkehr ist ungewiss.
Wegen defekter Heizung: Der Chor der Sindelfinger Johanneskirche muss für sein Passionskonzert in die Christuskirche ausweichen. Die Rückkehr ist ungewiss.
Für sein diesjähriges Passionskonzert am Karfreitag, 3. April, um 15 Uhr muss der Chor der Johanneskirche in die Christuskirche in der Vorderen Halde 21 ausweichen. Grund ist der schlechte Zustand der Heizung in der Johanneskirche. Da es Anfang April mitunter noch recht frisch sein kann, möchte man lieber kein Risiko eingehen.
„Wir hatten ja bereits zwei Konzerte in der kalten Kirche“, sagt Chorleiter Michael Kuhn. Ein weiteres Mal wollte der Dirigent dies seinem Ensemble und vor allem dem Publikum nicht zumuten. Nach Kuhns Angaben warnt ein Gutachten vor akuter Brandgefahr, weswegen man die Heizung nicht mehr benutzen dürfe.
Die defekte Heizung ist dabei nicht das einzige Problem. Schließlich steht in Sindelfingen die evangelische Kirchengemeinde – wie auch die gesamte evangelische Kirche in Deutschland – vor einem großen Umbruch. Der allgemeine Mitgliederschwund hat auch hier gravierende Folgen. Unter anderem muss die Kirchengemeinde vier ihrer Immobilien veräußern, darunter das Gemeindehaus der Johanneskirche.
Auch an den eigentlichen Kirchenbauten muss die Gemeinde sparen, weswegen Johannes Kuhn im Moment eher nicht daran glaubt, dass der Chor der Johanneskirche überhaupt noch einmal in die Johanneskirche zurückkehren wird. Für das Karfreitagskonzert bringt dies einige logistische Herausforderungen mit sich. So werde man wohl, weil für die Konzertbegleitung eine Orgel in Sichtweite zum Orchester gebraucht werde, das mobile Kircheninstrument aus der Johanneskirche in die Christuskirche schaffen müssen. Auch für das zum Teil recht betagte Publikum brauche es vielleicht eine Transportmöglichkeit. „Wir überlegen, ob wir einen Shuttlebus organisieren“, sagt Kuhn, allerdings treibe das natürlich die Kosten hoch.
„In gewisser Weise kehren wir zu unseren Wurzeln zurück“, bemüht sich Michael Kuhn um eine optimistische Sichtweise. Als der vor sieben Jahren verstorbene Paul Bischoff 1964 die Leitung übernommen hatte, war der Chor nämlich noch an der Christuskirche beheimatet. Bald darauf war Bischoff dann mit dem Chor in die Johanneskirche gewechselt. Der Name „Chor der Johanneskirche“ solle aber bestehen bleiben, sagt Kuhn.
Laut dem Schönaicher Chorleiter ist es das erste Mal in der mehr als 50-jährigen Konzerttradition, dass das Vokalensemble sein Passionskonzert an einem anderen Ort als in der namensgebenden Johanneskirche aufführt. Der Chor hat als Hauptwerk César Francks Oratorium „Die 7 Worte Jesu am Kreuz“ einstudiert.
Francks Werk aus dem Jahr 1859 ist ein rund 40-minütiges Passionsoratorium für Soli, Chor und Orchester. Der tiefgläubige französische Komponist und Kirchenmusiker, wechselt hier gegensätzliche Stimmungen miteinander ab: von Musik, ganz in der Art von Renaissance-Komponist Giovanni Pierluigi da Palestrina – mit innigen Duetten und meisterhaften Chorälen – bis hin zu prächtiger opernhafter Entfaltung ganz im Stile von Giuseppe Verdi.
Ergänzend dazu erklingt die berühmte „Meditation“ aus der Oper „Thaïs“ von Jules Massenet für Solo-Violine, Chor und Orchester sowie der Schlusschor „Ihr Töchter Zions“ und Choral aus Mendelssohns unvollendetem Oratorium „Christus“ op. 97.
Der Chor der Evangelischen Johanneskirche Sindelfingen wird begleitet vom Orchester Süddeutsche Kammersolisten Stuttgart. Tenorsolist ist Reto R. Rosin, die Leitung hat Michael Kuhn. Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei, um eine Spende wird gebeten.