Herrenberg Initiative „Rückenwind“ setzt sich für Windpark ein
„Rückenwind“ ruft dazu auf, beim Bürgerentscheid für den im Spitalwald geplanten Windpark zu stimmen. Bis zum Termin im Juli hat sie verschiedene Aktionen geplant.
„Rückenwind“ ruft dazu auf, beim Bürgerentscheid für den im Spitalwald geplanten Windpark zu stimmen. Bis zum Termin im Juli hat sie verschiedene Aktionen geplant.
In Herrenberg hat sich die Initiative „Rückenwind“ gegründet, die sich für Windkraft vor Ort einsetzt. Sie wirbt dafür, beim geplanten Bürgerentscheid am 13. Juli für einen Windpark bei Herrenberg zu stimmen. Die Klimaneutralität sei „für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder zentral“. Um sie zu erreichen „brauchen wir Windkraft“, schreibt die Gruppe in einer Pressemitteilung.
Im Spitalwald westlich von Herrenberg plant die Energiegenossenschaft Prokon einen Windpark. Anfang des Jahres hatten Herrenberger Einwohner, die ihrem Auftreten nach gegen den Windpark sind, ein Bürgerbegehren gestartet – mit Erfolg. Sie bekamen genügend Unterschriften für einen Bürgerentscheid zusammen.
Nun wird am 13. Juli über die Frage abgestimmt „Soll die Verpachtung kommunaler Waldflächen, die sich im Eigentum der Stadt Herrenberg befinden, an Windanlagenbetreiber/-investoren unterbleiben?“ Wer für den Windpark ist, muss mit Nein antworten, wer gegen den Windpark ist mit Ja. „Rückenwind“ ruft dazu auf, die Frage mit Nein zu beantworten und kritisiert den Zeitpunkt des Bürgerentscheids. Er komme zu früh, weil er die Planung zu einem Zeitpunkt unterbinden könnte, an dem noch nicht alle Fakten bekannt sind.
Gegründet hat sich die Initiative Ende März. 20 Interessierte seien damals dabei gewesen, sagt Eva Lang, Sprecherin von „Rückenwind“. Lang kommt aus Kuppingen und ist Mitglied beim Bund für Umwelt- und Naturschutz sowie Beisitzerin der Grünen in Herrenberg. Außer ihr treten noch Jannis Ahlert, Vorstandsmitglied der Herrenberger SPD, und Klaus Weingärtner, Sprecher des Arbeitskreises Energie der lokalen Agenda 21, als Köpfe der Gruppe auf.
Eva Lang erklärt, was aus Sicht der Initiative für den Standort spricht. Zum einen komme er der Allgemeinheit zugute, weil die Windräder auf kommunaler Fläche stehen. Die Stadt würde die Pacht einnehmen, wovon indirekt die Bürger profitieren könnten. Zum anderen sind auf dem gleichen möglichen Vorranggebiet BB-07 auf Jettinger Gemarkung weitere Windräder geplant. „Es ist sinnvoll, dass die Windräder gebündelt und nicht über die Landschaft verstreut stehen“, findet Lang.
Grundsätzlich sieht die Initiative Windparkprojekte insbesondere in Süddeutschland als Voraussetzung für eine zukunftsfähige Stromversorgung. „Ohne sichere Stromversorgung gibt es keine Industrie. Und ohne Industrie würde die Basis für weiteres wirtschaftliches Wachstum und den Erhalt unseres Wohlstandes entfallen“, heißt es in der Mitteilung. Zudem könne Herrenberg angesichts seiner angespannten Finanzen langfristige Pachteinnahmen gut gebrauchen.
Lang betont aber auch, dass sie nicht um jeden Preis für den Windpark sind. „Wir halten den Standort unter der Voraussetzung für gut, dass die Gutachten ihn als geeignet ausweisen.“ Schützenswerte Güter wie das Grundwasser oder die Artenvielfalt dürften nicht gefährdet werden.
„Rückenwind“ begrüßt deshalb die jüngste Entscheidung der Regionalversammlung zu BB-07. Demnach sollen die Bereiche, die in der Wasserschutzzone II liegen, erst dann Teil des Vorranggebiets werden, wenn die zuständige Fachbehörde beim Landratsamt Böblingen die Flächen geprüft und ihr Okay gegeben hat.
Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die Flächen nicht geeignet sind, würde das den Windpark vermutlich in Frage stellen. „Rückenwind“ zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Prüfung positiv ausfällt und verweist auf das benachbarte Projekt in Jettingen, das in seiner Planung schon weiter ist als der Herrenberger Windpark.
In nächster Zeit hat die Initiative viel vor. Sie will am 1. Juni mit Menschen ein lebendiges Windrad nachstellen und mit der Teilnehmerzahl einen Rekord brechen. Im Juni und Juli sind Infostände und Dialogangebote in Herrenberg und den Teilorten geplant, zudem Haustürbesuche, die über Windkraft aufklären sollen und zur Wahl aufrufen.