Die Zahl der Beratungen bei häuslicher Gewalt hat 2025 zugenommen. In Stuttgart gibt es zwei Frauenhäuser, in denen Betroffene unterkommen können. Nun ist Verbesserung in Sicht.
Der Druck auf die beiden Frauenhäuser Stuttgarts ist unverändert hoch. Das zeigen die Zahlen, mit denen sich der Frauenhausbeirat bei seiner jüngsten Sitzung beschäftigt hat. Sie sind ein Indikator für Gewalt, die Frauen erleben. Sie illustrieren einen anhaltenden gesellschaftlichen Missstand. Und es geht dabei immer nur um das Hellfeld, also die Fälle von Gewalt gegen Frauen, in denen die Betroffenen versuchen, Konsequenzen zu ziehen.
31 Frauen und 40 Kinder wohnten im vergangenen Jahr im städtischen Frauenhaus. Damit lag die Auslastung mit 77,65 Prozent dort ein wenig über der der Vorjahre (2023: 75,12 Prozent, 2024: 74,52 Prozent). 33 Frauen und 39 Kinder waren es im autonomen Frauenhaus. Dort lag die Auslastung 2025 bei 83,82 Prozent gegenüber 84,76 Prozent (2023) und 87,19 Prozent (2024) in den Vorjahren. Die fehlenden Prozent zu einer 100-prozentigen Auslastung sind dem Umstand geschuldet, dass Frauen mit Kindern und zur Verfügung stehende Plätze und Zimmeraufteilungen sich nicht immer passgenau gegenüberstehen.
Frauen bleiben über ein Jahr
Die durchschnittliche Verweildauer der Bewohnerinnen, die im Jahr 2025 aus dem autonomen Frauenhaus ausgezogen sind, lag mit 398 Tagen bei mehr als einem Jahr. Das liege, darin sind sich die Vertreterinnen beider Frauenhäuser einig, an der extrem schwierigen Situation auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt.
Schaut man in die Statistik der Frauenberatungsstellen bei „Frauen helfen Frauen“gegen Häusliche Gewalt in Stuttgart ist dort für das vergangenen Jahr mit 3097 Beratungen ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (2024: 2675 Beratungen) zu beobachten.
Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Das seit Jahren marode städtische Frauenhaus wird endlich renoviert. Es sei mittlerweile in einem Zustand, der es unmöglich mache, alle Zimmer zu belegen, berichtet Susanne Jäger. Zudem entspreche das Haus nicht mehr den aktuellen Anforderungen: Die Bewohnerinnen müssen sich etwa die sanitären Anlagen und die Küchenzeilen teilen. Damit soll nun Schluss sein.
Im Sommer ziehen Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen in eine Interimsunterbringung um, deren Adresse wie die des Stammhauses geheim bleiben wird. „Am 1. Juli bekommen wir die Schlüssel“, sagt Claudia Brüning, die Leiterin der Abteilung Soziale Arbeit bei der Stadt. Nach dem Auszug wird das leer stehende Frauenhaus von der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) saniert und ist hoffentlich nach zwei Jahren Umbauzeit – Baubeginn soll 2027 sein – Ende 2029 wieder beziehbar.
Auch für die neue Übergangsimmobilie gelten, so Brüning, die gleichen Sicherheitsstandards wie bisher. Im Übergangshaus gibt es auf drei Stockwerken 25 Zimmer, verteilt auf zehn Wohneinheiten, jedoch weniger Aufenthalts- und Lagerräume. Außerdem gebe es keinen Fahrstuhl. Das Haus ist damit nicht barrierefrei.
In Stuttgart bleiben Betroffene im Schnitt etwas mehr als ein Jahr im Frauenhaus. Foto: picture alliance/dpa
Und noch etwas wird fehlen. Durch den Besetzungsstopp im Sparhaushalt 2026/27 können dort zwei Stellen nicht wieder besetzt werden: eine 100-Prozent-Stelle bei der Krisenintervention und eine 50-Prozent-Stelle in der Hausorganisation. Derzeit prüfe die Stellenkommission, bestehend unter anderem aus dem Ersten Bürgermeister Fabian Mayer und dem Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann, ob die Stellen trotz Stellenstopp besetzt werden können.