Historische Ansichten von Stuttgart Kunst aus dem Depot: Bilder erzählen die Geschichte Stuttgarts und Cannstatts

Eine historische Ansicht aus dem Depot der Galerie Keim: Der Neckar mit Badeanstalt und Schloss Rosenstein. Foto: Galerie Keim

In einer besonderen Depot-Schau zeigt Galerist Thomas Niecke in der Galerie Keim Bilder, die nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich spannend sind. Ein paar Einblicke.

Lokales: Iris Frey (if)

Die Bilder und Stiche in der aktuellen Magazin-Schau der Galerie Keim stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Sie eröffnen auf besondere Weise den Blick auf Bauwerke und die sich entwickelnde Stadtlandschaft Stuttgarts. Nicht nur einzelne Drucktechniken vom 16. bis 20. Jahrhundert – vom Holzschnitt über den Kupferstich, die Lithografie, den Stahlstich bis hin zur Xylographie (Holzstich) und Autotopie (Selbstschrift) – lassen sich nachvollziehen und finden, sondern auch eindrückliche historische Momentaufnahmen.

 

Das älteste Stück stammt von Matthäus Merian (1593-1650), dem „Meister der Schlachten und Städtbilder“, der auch das damalige Cannstatt und „Die fuerstliche Statt Stuetgart“ gestochen hat. Seine Kupferstiche zeigen Cannstatt und Stuttgart um 1645. Mit dem Tiefdruckverfahren, bei dem in Kupfer- und Zinnplatten das Motiv eingeritzt, Farbe aufgetragen, das Papier aufgelegt und durch eine Walze abgedruckt wird, entstanden filigrane Ansichten.

Blick auf Cannstatt im 19. Jahrhundert. Foto: Galerie Keim

Aber auch die Stadtlandschaft Cannstatt ist zu entdecken. Etwa in einem Bild aus dem 19. Jahrhundert mit dem dominierenden Bauwerk der Stadtkirche. Auch verbindet eine Brücke die Altstadt mit der Neckarvorstadt. Aber auch die Wilhelmsbrücke, die die Altstadt und die Neckarvorstadt verbindet sowie eine weitere Brücke werden gezeigt. Der Neckarfluss schlängelt sich mit sanftem Ufer. Ebenso sticht der große Steinbruch am Hang des Zuckerbergs heraus.

Aktueller Blick auf Bad Cannstatt am Neckarknie. Foto: Iris Frey

Heute gibt es einige Brücken mehr, teils sind sie gesperrt wie die Wilhelmsbrücke oder wieder im Entstehen, Interimsbrücken wie jene für die Rosensteinbrücke dominieren das Neckarknie. Vorschläge für neue Nutzungsmöglichkeiten, etwa für die alte Eisenbahnbrücke als Höhenpark und Radschnellweg mit New Yorker Vorbild, stehen zur Entscheidung an.

Die König-Karls-Brücke, die 1893 eingeweiht worden ist. Foto: Galerie Keim

Das historische Bild von der König-Karls-Brücke mit ihren mächtigen Pfeilern aus Stein in der Magazinschau deutet auf eine bedeutsame Geschichte hin. Die Brücke ist am 27. September 1893 eingeweiht worden. 1905 wurden Cannstatt und Stuttgart vereinigt. Auf dem Stich ist die Brücke stark frequentiert von Fußgängern und Pferdefuhrwerken. Seitlich gibt es Abgänge direkt an den Neckar. An ihr wurde damals zwei Jahre gebaut.

König-Karls-Brücke ist heute sanierungsbedürftig

Das stattliche Bauwerk aus Eisen und Stein mit ihren fünf Bögen verbindet beide Orte und ist über 250 Meter lang gewesen. Doch 1945 wurde sie von der Wehrmacht gesprengt, 1948 wurde eine neue Brücke gebaut und 1976 entstand nochmals ein Neubau, der bis heute steht, aber inzwischen auch sanierungsbedürftig ist.

Der historische Cannstatter Kursaal mit Reiterdenkmal. Foto: Galerie Keim

Ein bedeutsames Bild der Galerienschau zeigt eines der Wahrzeichen Bad Cannstatts: den Kursaal. Das mehr als 200 Jahre alte Gebäude ist 1825 vom Brunnenverein Cannstatt nach den Plänen von Nikolaus Friedrich von Thouret im klassizistischen Stil gebaut worden. Der Kursaal ist bis heute mit den umliegenden Anlagen, dem Park sowie dem Reiterdenkmal ein Veranstaltungsort mit viel Geschichte und in Grundzügen so erhalten wie auf dem Bild.

Der Kursaal heute. Foto: Iris Frey

Das Reiterdenkmal für König Wilhelm I. wurde 1875 vom Münchner Bildhauer Johann von Halbig geschaffen. Es stand zuerst auf dem Wilhelmsplatz und wurde 1881 vor den Kursaal verlegt, wie der Verein Pro Alt-Cannstatt in einer Ausstellung im Stadtmuseum gezeigt hat.

Der historische Maurische Festsaal in der Wilhelma. Foto: Galerie Keim

Denkwürdige Erinnerungen ruft ein Bild vom Maurischen Festsaal in der Magazin-Schau wach: Denn in der Wilhelma steht heute nur noch die Fassade des einstigen Prachtbaus, was einige bedauern.

Das historische Bild zeigt nicht nur den Seerosenteich im Maurischen Garten, dem Herzen der Wilhelma, sondern auch die architektonische Pracht des Festsaals und seine besondere orientalische Ausstrahlung.

Heute ist nur noch die Fassade des Festsaal-Gebäudes erhalten. Foto: Iris Frey

Der Festsaal wurde nach den Entwürfen von Karl Ludwig von Zanth für König Wilhelm I. von Württemberg gebaut und entstand zwischen 1847 und 1851. 1944 wurde er im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1961 wurde dort das Aquarium mit Krokodilhalle gebaut. Der Wilhelma-Förderverein sähe das Gebäude gerne wieder in alter Pracht.

Die historische Ansicht der Villa Berg mit ihrem prächtigen Garten. Foto: Galerie Keim

Auch die Villa Berg gehört in der Magazin-Schau zu den Motiven, die öfter abgebildet sind und bis heute eine sehr wechselhafte Geschichte erzählen. Das palaisartige Landhaus wurde von 1845 bis 1853 von Christian Friedrich von Leins im Berger Park im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut.

Die noch unsanierte Villa Berg heute. Foto: Iris Frey

Jahrelang war unklar, was mit dem historischen Kleinod passiert, das verkauft und zurückgekauft wurde und nun bis Ende 2028 saniert und als „Offenes Haus für Musik und Mehr“ zum Kulturzentrum umgebaut werden soll. Bis dahin soll die einstige Sommerresidenz der Württembergischen Könige vom Atelier Brückner aus Bad Cannstatt zu neuem Leben erweckt werden. Die historischen Ansichten in der Galerie Keim erzählen von der einstigen Pracht und Eleganz der Anlage und des Gartens, der momentan schon saniert wird.

Die Ausstellung ist in der Galerie Keim, Marktstraße 31A, in Bad Cannstatt zu sehen, montags, dienstags, donnerstags, freitags von 9.30 Uhr bis 18 Uhr, mittwochs von 9.30 bis 13 Uhr und samstags von 9.30 bis 14 Uhr. Informationen unter: www.galerie-keim.de

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