Historisches aus Großbottwar Der General, der das Tagebuch des württembergischen Herzogs führte

Freiherr Alexander von Bouwinghausen-Wallmerode 1792 im Schloss Solitude Württemberg: Den Herrn des „Bouwinghaus’schen Schlosses“ Großbottwar malte Hofkünstler Johann Jakob Morff. Foto: Mostbacher-Dix

Das „Bouwinghaus’sche Schloss“ in Großbottwar erinnert an General Freiherr Alexander von Bouwinghausen-Wallmerode. In den USA leben heute noch Buvinghausens.

Erst: Pauker und Chor-Trompeter! Dann: Herzog Carl Eugen höchstpersönlich. Er leitete in den Blauen Saal, wo Kaffee, Luxusgut des Adels, serviert wurde. Und nachdem die hochadeligen Gäste – nach kleiner Pause freilich – die Appartements im Kavaliersbau bezogen hatten, erwartete sie ein Konzert im Großen Saal mit Dinner. So soll am 22. August 1770 der Besuch von Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis auf Schloss Solitude gewesen sein. Der war wichtig, hatten doch dessen Vorfahren das europaweite Postwesen begründet.

 

Die Details? Kannte Freiherr Alexander von Bouwinghausen-Wallmerode – auch Buwinghausen-Wallmerode. Der General hatte im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) als Reiteroberst erfolgreich gekämpft und wurde persönlicher Berater Herzog Carl Eugens. Auch in Großbottwar hinterließ er Zeichen: das „Bouwinghaus’sche Schloss“, erbaut um 1700 in der Heilbronner Straße. Alexander von Bouwinghausen-Wallmerode hatte das Anwesen geerbt vom Schlossherrn Franz von Dachröden – er ehelichte dessen Tochter 1752.

Am Hof Carl Eugens indes führte der General als Vertrauter das „Journal über Serenissimi Land-Reyssen, 23. September 1767 bis 10. Mai 1773“. So heißt es bei den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. In dem Tagebuch schilderte er alle Aktivitäten des Herzogs. Etwa den Spaß, den er sich mit Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz erlaubte. Aus Schwetzingen, seiner Sommerresidenz, war dieser aufgebrochen, um den „spektakulären Neubau“ Solitude im Juli 1770 zu besichtigen – unter fremdem Namen mit nur drei Gefährten, um das aufwendige höfische Zeremoniell zu vermeiden. Doch just hatte Carl Eugen seine Pläne geändert, war – statt zur Sommerfrische nach Teinach zu reisen – auf Schloss Solitude. Dort steckte ihm ein Diener, der Kurfürst Carl Theodor sei in Weilimdorf erkannt worden. Also befahl der Herzog, die pfälzische Reisegruppe umherzuführen, aber die „Höchstdero Persohn ignoriren“. Das focht Kurfürst Carl Theodor wohl an, er gab sich zu erkennen. „Der Herzog giengen sodann dem Churfürsten entgegen, empfiengen Denselben und führten Solche in den Saal des Schlosses, woselbst der Churfürst eine Tasse Caffée annahm“ und „die Schönheiten und besonders die unvergleichliche Vue vom Schloss aus“ bewunderte, so von Bouwinghausen-Wallmerode.

Wieso leben in den USA heute noch Buvinghausens?

Die Nachfahren des Freiherrn, der 1728 im serbischen Belgrad geboren wurde und 1796 in Stuttgart starb, sahen wohl manches anders. Klaus Pichler, einst Zavelsteiner Internist und Heimatpfleger, schreibt in „Von Köln über Zavelstein, Altburg, Großbottwar und Ludwigsburg in den Wilden Westen“, von „Carl Christian Alexander geboren als Freiherr/Baron von Bouwinghausen-Wallmerode in Großbottwar/Württemberg und gestorben als einfacher amerikanischer Bürger Buvinghausen in Oregon“. Der wanderte 1846, just 26, in die USA aus, wo noch Buvinghausens leben. Nicht Not, Unterdrückung oder Religionsdifferenzen hätten ihn „in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ geführt, so Pichler. „Er suchte Abenteuer, und ihn lockte wohl die sich mit Amerika eröffnende Freiheit zum Abenteuer. Doch mag ein weiteres Motiv eine Rolle gespielt haben. Seine Bereitschaft, auf Adelsprivilegien zu verzichten, könnte darauf hindeuten, dass er – wie breite Schichten des deutschen Bürgertums – von einem demokratisch-liberalen Staat träumte.“

Weitere Themen