Hitzewelle in Stuttgart Gibt es an den Schulen jetzt Hitzefrei?

Nichts wie raus und ab ins Freibad? Für viele Schülerinnen und Schüler dürfte das ein Wunsch bleiben. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Es ist heiß im Kessel, aber die Sommerferien sind noch nicht in Sicht. Viele Kinder wünschen sich Hitzefrei, doch die Schulleitungen sind zurückhaltend. Das sind die Gründe.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Es ist heiß in Stuttgart. „Die Sommerhitze in Schulgebäuden ist eine große Belastung – insbesondere für die Kinder und Jugendlichen, die sich bei hohen Temperaturen konzentrieren und lernen müssen. Wir nehmen diese Sorgen sehr ernst“, sagt Schulbürgermeisterin Isabel Fezer. Aus Sicht der meisten Mädchen und Jungen gibt es da eine einfache Lösung: Hitzefrei! Aber dazu, dass sie bei hohen Temperaturen einfach früher nach Hause geschickt werden, kommt es heute nur noch selten.

 
Manfred Birk, Rektor des Dillmann-Gymnasiums, lehnt Hitzefrei ab und steht dazu. Foto: Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

„Bei uns gibt es seit Jahren kein Hitzefrei mehr“, sagt Manfred Birk, der Rektor des Dillmann-Gymnasiums im Stuttgarter Westen. Im gesamten Schuljahr und insbesondere rund um die Abiturprüfungen gebe es schon genug Unterrichtsausfälle. Zudem müssten gerade vor den Sommerferien noch einige Klassenarbeiten geschrieben werden. Hitzefrei habe da immer zu Problemen und Diskussionen geführt, weil es kaum noch Möglichkeiten für einen Ausweichtermin gegeben habe. Dass sie nicht mit Hitzefrei rechnen können, sei den Schülerinnen und Schülern am Dillmann bewusst. „Das hat sich rumgesprochen. Ich stehe auch dazu“, sagt Birk. Aber natürlich reagiere die Lehrerschaft, wenn die Temperaturen in den Klassenzimmern steigen. Dann werde zum Beispiel Unterricht nach draußen verlagert, wenn möglich.

Betreuungsproblematik an den Grundschulen

Selbst Nadine Reinhardt, die Rektorin der Marienschule, lehnt Hitzefrei ab. In manchen Klassenzimmern der Grundschule im Stuttgarter Süden wird es besonders heiß. Denn die Fenster dürfen wegen der Feinstaubproblematik nicht geöffnet werden. Nach Hause schickt die Rektorin die Kinder trotzdem nicht. „Vor allem wegen der Betreuungsproblematik“, sagt sie. In vielen Familien würden heutzutage beide Elternteile arbeiten. Da könne man nicht einfach morgens eine Mail schreiben, dass die Kinder früher Schluss haben. Stattdessen probiere auch ihr Kollegium, Unterricht nach draußen zu verlagern, oder stelle auch mal einen Eimer Wasser unter die Schulbank, in den die Kinder ihre Füße tauchen können.

Das Kultusministerium sieht von generellen Vorgaben ab, ob und unter welchen Umständen es Hitzefrei gibt. Aus guten Gründen, wie es auf der Homepage heißt. „Denn die Schulleitungen müssen je nach Situation vor Ort unter anderem Betreuungsfragen klären. Die Schulleitungen entscheiden deshalb in eigener Zuständigkeit“, so das Ministerium. Entscheidend sei dabei das körperliche Wohl der Schüler unter Berücksichtigung der konkreten örtlichen Verhältnisse.

Zudem empfiehlt das Ministerium den Schulen, das Thema Hitzefrei mit dem Elternbeirat und in der Schulkonferenz zu beraten, um die „Interessen der Eltern angemessen zu berücksichtigen“. Darüber hinaus hat das Ministerium Kriterien für den „Ausfall des Unterrichts an besonders heißen Sommertagen“ aufgestellt, an denen sich die Schulen orientieren sollen. Diese lauten:

  • Die Außentemperatur beträgt um 11 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten.
  • Hitzefrei gibt es frühestens nach der vierten Stunde
  • Benachbarte Schulen stimmen sich ab und entscheiden möglichst gleichmäßig
  • Schülern, die mit Bus und Bahn kommen, müssen auch bei Hitzefrei Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen, und sie müssen beaufsichtigt werden, bis sie die Gelegenheit zur Heimfahrt haben.
  • Hitzefrei gibt es nicht für die beruflichen Schulen und nicht für die gymnasiale Oberstufe

Das Staatliche Schulamt verweist auf eben diese Handlungsempfehlung und ergänzt in einer schriftlichen Stellungnahme: „Im Falle einer Überhitzung sind die Stuttgarter Grundschulen sehr kreativ und setzen vielfältige Lösungen um.“ So könnten zum Beispiel Wasserspiele im Freien angeboten und Ruhepausen ausgeweitet werden.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Hitze Hitzewelle Hitzefrei