Hochhäuser in Stuttgart Viele Inder schwärmen für den Asemwald in Stuttgart

Hari Vemula mit seiner Frau Deepthi Yerubandi und dem Sohn Shivedh: Sie wohnen überaus gerne im Asemwald in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig/KI/Midjourney/Montage: Ruckaberle

Der Umzug von Bangalore (Indien) in den Asemwald nach Stuttgart ist ein geglücktes Experiment. Hari Vemula und Deepthi Yerubandi sind nicht die einzigen Inder, die diesen Ort lieben.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Das erste Jahr war zermürbend. Deepthi Yerubandi hat körperlich unter der klimatischen Veränderung gelitten, sie dachten schon an eine vorzeitige Rückkehr. „In Indien sind die Sommer sehr lang und die Winter sehr kurz“, sagt sie. Die deutsche Kälte war sie nicht gewohnt. Doch dann wurde es plötzlich besser. Und heute will sie gar nicht mehr weg – vor allem nicht mehr weg aus dem Asemwald.

 

Deepthi Yerubandi und ihr Mann Hari Vemula wohnen seit März 2022 im Asemwald. Sie haben hier eine Familie gegründet, ihr Sohn Shivedh wird bald ein Jahr. Und sie sind Teil einer indischen Community, die sich in der Wohnstadt mit den drei prägenden Hochhäusern gebildet hat. Es seien fast zehn Familien mit 35 Menschen, die im Asemwald ein Zuhause gefunden haben. „Das ist schon eine große Community“, sagt Hari Vemula.

Im Asemwald in Stuttgart wohnen fast zehn indische Familien. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Sie erzählen ihre Geschichte auf Englisch. Das ist ohnehin ihre Alltagssprache hier im Asemwald außerhalb der eigenen vier Wände – mit den Nachbarn, und auch innerhalb der indischen Community. „Alle sprechen verschiedene Sprachen“, sagt Hari Vemula. Er und seine Familie zum Beispiel Telugu, dann gibt es noch Hindi, Tamil oder Kannada.

Kind geht bald in die Kita nach Stuttgart-Birkach

Das Ehepaar arbeitet in der Software-Branche für SAP, seit die beiden mit der Bluecard für hochqualifizierte Fachkräfte in Stuttgart sind. Deepthi Yerubandi ist noch in Elternzeit; in einem Monat beginnt sie in Teilzeit, nächstes Jahr wird der Kleine in den Kindergarten in Stuttgart-Birkach gehen. Dass Deepthi Yerubandi und Hari Vemula aus Bangalore im Asemwald gelandet sind, hat verschiedene Gründe.

Hari Vemula hatte schon von Indien aus für ein deutsches Unternehmen gearbeitet: für eine indische Niederlassung von Mercedes Benz. Er war etliche Male da, und er wollte das für eine längere Zeit ausprobieren. „Ich habe zehn Jahre lang mit Deutschen zusammengearbeitet“, sagt er. Er wollte Land, Leute und Kultur kennenlernen. „Es ist ein Experiment.“

Ex-Arbeitskollege lebte schon im Asemwald

Ein früherer Arbeitskollege von Hari Vemula lebte schon damals im Asemwald und hat ihm davon vorgeschwärmt. Und obwohl das erste Jahr für seine Frau schwierig war, so sagt sie heute fast überschwänglich: „Ich will nirgends anders wohnen.“ Der Asemwald habe ihnen geholfen, sich an Deutschland zu gewöhnen. „Alle sind so freundlich hier“, sagt Deepthi Yerubandi. „Sie grüßen und sie lächeln. Immer. Wir fühlen uns willkommen.“

Die Familie wohnt seit März 2022 im Asemwald. Foto: Lichtgut

Das ist aber nicht alles. Hochhaus-Siedlungen wie der Asemwald seien in Indien eine sehr beliebte Wohnform, erklären sie. Hier sei alles an einem Ort gebündelt, „ich muss nach der Arbeit nicht mehr weg“. Es gebe ein Schwimmbad, einen Supermarkt, einen Bäcker, ein Fitness- und ein Nagelstudio, einen Friseur. In Bangalore, wo sie herkommen, seien diese ganzen Annehmlichkeiten in Hochhaustowern untergebracht. „Man muss einfach nur runter mit dem Aufzug“, sagt sie. Im Asemwald ist das ähnlich.

Schwiegereltern waren schon im Asemwald in Stuttgart

Das Experiment von Hari Vemula und Deepthi Yerubandi war auf fünf Jahre angelegt, es bleiben demnach noch rund zwei Jahre. Was dann? Als sie im Asemwald ankamen, sahen sie ihre Zukunft in Indien. Sie haben in der 13-Millionen-Stadt Bangalore eine Wohnung im 11. Stock, Familie und Freunde. Seit ihr Sohn geboren wurde, denken sie neu nach im 12. Stock im Asemwald. „Wir brauchen einen Realitätscheck“, sagt Hari Vemula.

Demnächst geht es nach Indien in die Ferien. Für drei Monate. Seine Eltern werden ihren Enkel das erste Mal sehen. Seine Schwiegereltern waren bereits im Asemwald, um seine Frau nach der Geburt zu unterstützen. Auch ihnen, erzählt Deepthi Yerubandi, sei es überhaupt nicht schwergefallen, sich in der Wohnstadt zu bewegen, einkaufen zu gehen. Sie hätten sich bestens zurechtgefunden.

Mit der indischen Community im Asemwald ist das Ehepaar eng vernetzt. Deepthi Yerubandi sagt, das habe sie gerettet. Sie wisse von anderen indischen Frauen, die in der Elternzeit in Deutschland mutterseelenallein seien. Das passiere hier nicht. Ihre indischen Festivals sind nur der Höhepunkt, sie treffen sich auch ansonsten immer wieder, an der Boulebahn oder zu Mitbring-Partys.

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