Einzelhandel in Stuttgart Hochland schließt Traditionsfiliale nach über 60 Jahren

, aktualisiert am 11.02.2025 - 10:39 Uhr
Die beiden Läden an der Kirchstraße 10 stehen nun leer. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Bereits Ende 2023 hat Messer Müller nach 186 Jahren zwischen Schiller- und Marktplatz für immer geschlossen, jetzt steht auch das Nachbargeschäft leer. Nach über 60 Jahren verabschiedet sich Hochland. Das Haus ist verkauft. Was planen die neuen Eigentümer?

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

An der Fassade der Kirchstraße 10 stehen in dicken Lettern zwei Geschäftsnamen, deren Klang in Stuttgart unverändert gut ist: Messer Müller und Hochland Kaffee. Die Läden unter der nicht mehr ganz jungen Schrift sind geschlossen und stehen leer. Mit einem Zettel am Schaufenster verabschiedet sich die 1930 gegründete Hochland-Manufaktur von der Kundschaft und bedankt sich für ihre Treue: Nach über 60 Jahren müsse man ausziehen, da das Haus verkauft worden sei, ist zu lesen. Damit schließt erneut ein Traditionsgeschäft, in dem Generationen von Stuttgartern eingekauft haben.

 

Drei weitere Standorte von Hochland in der City

Während der Familienbetrieb, der aus der Hofmesserschmiede Gebrüder Müller hervorging und zuletzt in der fünften Generation geführt wurde, wenige Meter von der Stiftskirche entfernt seit über einem Jahr für immer eingestellt ist, können die Freunde von Kaffee, der in höheren Lagen (1000 bis 2000 Meter über dem Meeresspiegel) angebaut wird und deshalb über ein besonderes Aroma verfügt, an drei weiteren Standorten in der City die gewünschten Sorten einkaufen. Hochland betreibt Filialen auch in der Markthalle, bei Holankabar an der Kirchstraße 6 sowie bei Wittwer-Thalia der Königstraße.

Ein Zettel informiert am Schaufenster über den Auszug von Hochland. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Aus dem „Haus des Kaffees“ wird vorerst nichts

Dass Hochland nach der Sanierung des Gebäudes an den traditionellen Standort an der Kirchstraße 10 zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. „Die Rohkaffeepreise sind extrem gestiegen“, sagt Jonathan Sportmann, der mit seinem Vater und seinem Bruder das Unternehmen führt. Das Gebot der Stunde sei also, Einsparungen zu finden. Aus dem geplanten „Haus des Kaffees“ in der Stuttgarter Innenstadt werde deshalb vorerst nichts.

Bisher hat das Gebäude, in dem sich zwei Geschäfte sowie darüber Büros (etwa das von der Gastronomin Sonja Merz) befanden, einer Erbengemeinschaft gehört. Die wiederum hat nun verkauft an die Stuttgarter Putsch Immobilien GmbH, wie der Geschäftsführer Tobias Eisenreich gegenüber unserer Zeitung bestätigt. „Das Haus ist in die Jahre gekommen“, sagt er, „es muss ganz dringend kernsaniert werden.“


Wirtin Sonja Merz zieht im Juni in ein neues Büro um

Die Mieter ziehen nun nach und nach aus. Bis Ende des Jahres soll das Gebäude leer stehen. Volksfestwirtin Sonja Merz verlässt ihr langjähriges Büro etwa im Juni, hat aber schon Ersatz gefunden. Wann genau die Sanierung beginnen kann, steht noch nicht fest. „Eine Nutzungsänderung ist in Stuttgart immer eine große Herausforderung“, sagt Tobias Eisenreich. Doch im nächsten Jahr, so hofft er, soll es losgehen. Sein Ziel ist es, dass „im dritten Quartal die neuen Mieter einziehen können“. Nach seinen Worten gibt es auch bereits Bewerber für die dann völlig neu gestalteten Ladenräume im Erdgeschoss.

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