Hochwasser im Kreis Ludwigsburg „Das ist wirklich heftig“: Eindrücke vom Neckarufer

Der Neckar tritt bei Hoheneck über das Ufer. Betroffen ist auch der Biergarten Uferstüble. Foto: Werner Kuhnle

Wegen des Dauerregens schwellen Rems, Murr und Neckar übers Wochenende gefährlich an. Die meisten Menschen kamen erst einmal mit dem Schrecken davon und müssen nun aufräumen. Eine Fahrt entlang des Neckars zeigt die Auswirkungen.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Regen, Regen, nichts als Regen. Die anhaltenden Niederschläge von Freitag bis Sonntag haben Flusspegel in ganz Baden-Württemberg ansteigen lassen – auch im Landkreis Ludwigsburg gibt es teils dramatisches Hochwasser. Eine Fahrt entlang des Neckars am Sonntag veranschaulicht die Schäden, Sorgen – aber auch eine gewisse Gelassenheit.

 

1. Stopp: Remsmündung Neckarrems

Am Sonntagmittag haben sich am Remsufer dutzende Passanten versammelt, einige Autofahrer halten kurz an, um vom Fahrersitz ein Foto des reißenden Flusses zu schießen, der normalerweise so friedlich durch den Ort fließt. „Ich bin noch relativ entspannt“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie sei in Neckarrems geboren, wohne direkt am Fluss und habe bereits die Hochwasser von 1987 und 2013 erlebt. Sie glaube nicht, dass das Wasser über die Ufermauer steigt. Auch weil sich in der Region viel beim Hochwasserschutz getan habe, „das muss man denen lassen“, sagt die Neckarremserin. Die Leute, die schon länger im Ort wohnen, wüssten das, sagt die Frau. Sie merke aber, dass die neu Hinzugezogenen Angst hätten und teilweise begonnen haben, ihre Häuser vor dem Wasser zu schützen.

2. Stopp: Ludwigsburg-Hoheneck

In Hoheneck stehen im Unterschied zu Neckarrems am Sonntagmittag einige Straßen unter Wasser. Beispielsweise der Otto-Konz-Weg, der zum Freibad führt. Auch der Biergarten Uferstüble ist teilweise überflutet. Am Samstag habe er Panik gehabt, in der Nacht kaum geschlafen, sagt Uferstüble-Betreiber Orhan Özbagci. „Jetzt ist die Stimmung aber schon wieder besser.“ Sein Biergarten hat am Sonntag wieder offen, da nur der untere Teil der Gastrofläche überschwemmt ist. Seine riesige Terrasse mit schweren Holztischen und der Bar sind trocken geblieben. Jetzt müsse nur noch der Keller ausgepumpt werden, dort drücke das Grundwasser nach oben. „Die Feuerwehr war sehr schnell zur Stelle“, sagt Özbagci.

3. Stopp: Marbacher Bootshaus

Die ganze Nacht haben Mitglieder des Marbacher Rudervereins bei ihrem Vereinsheim am Neckar verbracht und versucht, die Wassermassen abzupumpen. Erst zog sich der Fluss zurück, dann stieg der Pegel am frühen Morgen wieder, um mittags wieder zu sinken. Eine der Bootshallen steht unter Wasser, das sei aber halb so wild, sagt Vereinsmitglied Heike Breitenbücher. „Die müssen wir nur sauber machen – auch den Platz davor, denn der Schlamm wird sonst wie Zement.“ Etwa 100 Meter vom Bootshaus entfernt hat der Kanuclub sein Vereinsheim. Auch dort haben Nachtwachen die Stellung gehalten. Gegen 6.30 Uhr am Sonntagmorgen haben die jedoch die Segel gestrichen und die Pumpen ausgeschaltet. Besonders bitter: Der Club feiert heuer sein 75-Jahr-Jubiläum. Für den 8. Juni ist ein Tag der offenen Tür mit großem Festprogramm geplant.

Am Marbacher Neckarufer betreibt zudem Panagiotis „Pana“ Cherakis sein Restaurant mit Biergarten „Bootshaus“. Er habe Glück gehabt, das Wasser sei bis zum Rand des Gebäudes gestiegen, dann aber wieder zurückgegangen. Das letzte Hochwasser, an das er sich erinnert, war im Jahr 2013 – „das war schon extrem, dieses hier ist aber auch wirklich heftig“.

Er glaubt nicht, dass das Wasser noch mal steigt, sagt er dann noch. „Ich bin optimistisch, morgen um 11.30 Uhr serviere ich hier wieder Gyros und Bier.“

4. Stopp: Gewerbegebiet Benningen

Benningen erreicht man am Wochenende nur noch aus Hoheneck über die Ludwigsburger Straße. Alle anderen Wege in den Ort sind gesperrt. Der Sportplatz steht teilweise unter Wasser, genau wie das Gewerbegebiet.

„Die Firma Epple konnte noch alles ausräumen und auch die Tiere, die in dem Gebiet in Ställen untergebracht sind, sind in Sicherheit“, informiert Landrat Dietmar Allgaier am Sonntagnachmittag. Die Hallen der Lila Logistik seien derweil trocken geblieben, sagt Geschäftsführer Michael Müller. Eine Flutmauer schützt das Gewerbegebiet und die angrenzenden Anwohner.

5. Stopp: Neckarbrücke Freiberg

In Freiberg verschafft sich der Neckar am Sonntagmittag richtig Platz. Der Fluss überflutet Kleingärten und Äcker. Von der Landzunge zwischen Altneckar und Neckar ist kaum mehr etwas zu sehen. Der Sportpark Wasen mit dem Rasen für die belgische Nationalmannschaft bleibt aber trocken.

An der Neckarbrücke in Richtung Pleidelsheim haben sich am Nachmittag zwei Dutzend Menschen versammelt. Ein Mann gibt sich gelassen und sagt: „Alle zehn Jahre kriegen wir hier halt eines vor den Latz.“ Ein anderer guckt sorgenvoll in den Himmel, es soll noch Starkregen geben, habe er gelesen. Hauptthema ist jedoch die Fahrlässigkeit mancher Menschen. Am Samstag hätten Kinder ganz nah am Wasser gespielt, die Eltern seien nicht eingeschritten, so die Freiberger. Davon berichtet auch Kreisbrandmeister Andy Dorroch und warnt davor, sich dem Wasser zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto zu nähern: „Damit begibt man sich in absolute Lebensgefahr, die Menschen kriegen wir nicht mehr gerettet.“

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