Hochwasser im Kreis Ludwigsburg Einsatzleitung prüft Evakuierung eines Pflegeheims

Benningen ist nur noch über Hoheneck erreichbar. Foto: Werner Kuhnle

Die Situation in Remseck und Steinheim ist offenbar derzeit unberechenbar. Die Evakuierung eines Pflegeheims wird derzeit geprüft.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Vor etwa vier Jahren trat Dietmar Allgaier sein Amt als Landrat an. Mit Starkregenereignissen innerhalb der Kreisgrenzen hatte er in dieser Zeit zwar immer wieder zu tun. Die aktuelle Situation ist für Allgaier jedoch ein Novum – und sie bereitet ihm große Sorgen. „Wir haben es jetzt mit einer klassischen Hochwasserlage zu tun – also mit einer kommunenübergreifenden Bedrohung“, sagte Allgaier am Sonntagmittag im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

Die Freiberger Kleingartenanlage. Foto: Werner Kuhnle

Eine Bedrohung, auf die sich der Kreischef unter anderem zusammen mit Vertretern des Stuttgarter Regierungspräsidiums, der Polizei und des Katastrophenschutzes bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag vorbereitete. „Wir waren zwischen ein und drei Uhr in ständigem Austausch per E-Mail und Telefon“, berichtet Allgaier.

Am Samstagnachmittag traf sich dann die Taskforce des Führungsstabes, um sich über die Lage im Kreis auszutauschen und sie zu bewerten. Der Stabsraum sei in der Feuerwache Ludwigsburg aufgebaut worden, damit man sofort mit der Arbeit beginnen könne. Fazit der Besprechung am Samstag: Die Lage ist ernst, wenn auch nicht so akut wie beispielsweise in Teilen Bayerns.

Sorgen bereitet dem Landrat die Situation in Remseck. Dort wurde wie in Hessigheim ein mobiler Damm aufgebaut. „Die Rems hat einen sehr hohen Pegelstand, was zu einem Wasseraustritt am Fuß des Dammes führt“, so Allgaier. Im Moment sei er noch beherrschbar, aber die prognostizierten Gewitter und der für Sonntagnacht angekündigte starke Regen sei äußerst kritisch. „Wir beobachten die Pegelstände der Rems sehr genau.“

Kritisch nennt Allgaier auch die Situation in Steinheim. „Sie macht uns große Sorgen. Die Lage dort ist unberechenbar.“ Das Problem: Nur ein paar Meter von der Murr entfernt liegt das Kleeblattheim. „Wir bereiten uns auf eine mögliche Evakuierung des Pflegeheimes im Erdgeschoss vor“, so Allgaier. Bei einigen werden da Erinnerungen an den Januar 2011 wach, als die Murr in Steinheim übertrat und das Kleeblatt-Pflegeheim sicherheitshalber evakuiert wurde.

Bedrohlicher Pegelstand der Murr: Die Situation in Steinheim könnte zur Evakuierung eines Pflegeheims führen. /Karin Götz

Die Gemeinde Benningen ist nur noch über die Landesstraße 1129 von Hoheneck erreichbar. Die neue Verbindungsstraße von Benningen in Richtung Freiberg ist überflutet, auch aus Richtung Marbach gibt es keine Zufahrtsmöglichkeit nach Benningen. „Die Firma Epple konnte noch alles ausräumen und auch die Tiere, die in dem Gebiet in Ställen untergebracht sind, sind in Sicherheit“, so Allgaier.

Große Sorgen bereiten dem Kreischef die „Hochwassertouristen“, die die aktuellen Gefahren nicht richtig einschätzen. „Ich kann nur appellieren, sich fernzuhalten, die Einsatzkräfte ihre Arbeit machen zu lassen und keine Risiken einzugehen.“

Weitere Themen