Hockey: HTC Stuttgarter Kickers Toptorjäger, Kapitän – und bald Aufsteiger?

Für den HTC Stuttgarter Kickers ist Sten Brandenstein (in Blau) nicht nur Kapitän, sondern auch Toptorschütze. Foto: Archiv Günter Bergmann

Mit dem HTC Stuttgarter Kickers steht der Spielführer Sten Brandenstein an der Tabellenspitze der Südstaffel der 2. Hallenhockey-Bundesliga. Einen Traum möchte sich der 26-Jährige unbedingt erfüllen: den Titel mit seinem Heimatclub und Herzensverein.

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Besucher eines Hockeyspiels des HTC Stuttgarter Kickers sehen mit großer Wahrscheinlichkeit einen Treffer des Kapitäns des in Hoffeld beheimateten Clubs: Sten Brandenstein ist mit elf Toren nach vier Spielen dieser Hallensaison der beste Schütze der gesamten Südstaffel der 2. Bundesliga. Mehr als die Hälfte seiner Ausbeute erzielte er dabei beim furiosen 16:9 gegen die HG Nürnberg – nämlich sechs. Ob er dieses Kunststück beim Restart nach der kurzen Winterpause an diesem Samstag beim Tabellenletzten TuS Obermenzing (15 Uhr) wiederholen kann? Eher eine einmalige Sache, glaubt er selbst.

 

Ebenso wenig rechnet er mit einer Neuauflage seiner persönlichen Rekordsaison vor zwei Jahren, als er 29 Treffer markierte. „Das war außergewöhnlich. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal schaffe“, sagt Brandenstein, und fügt mit Nachdruck an: „Wie viele Tore ich schieße, ist zweitrangig. Für mich steht der Teamerfolg im Vordergrund.“ Hierbei sieht es derzeit gut aus. Mit drei Siegen aus vier Partien grüßt der HTC von der Süd-Tabellenspitze. „So gut wie diese Saison standen wir lange nicht da“, sagt der Stürmer. Und: „So ein gutes sowie breit aufgestelltes Team hatten wir nie.“ Bleiben die Schwaben auf Rang eins, dürfen sie in der kommenden Hallenrunde im Oberhaus ran. „Mein großes Ziel ist es, einmal mit dem HTC aufzusteigen“, sagt Brandenstein mit leuchtenden Augen und Zuversicht.

Vater Harald war deutscher Nationalspieler

Seit 2014, als Sten 16 Jahre alt war, spielt er für die Männer des Vereins. Bis auf zwei Jahre beim Münchner SC – in Bayern machte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann – hielt Brandenstein den Kickers die Treue. „Das ist mein Herzensverein“, sagt der Degerlocher. „Ich schätze die familiäre Atmosphäre und wir haben eine der besten Anlagen deutschlandweit.“ Schon in der Jugend griff er bei den Blauen zum Schläger. Klar, sein Vater Harald Brandenstein ist eine lebende Legende der Abteilung. Der heute 60-Jährige war zwischen 1987 und 1992 deutscher Nationalspieler und holte einst die Deutsche Meisterschaft, allerdings mit Rot-Weiss Köln. Seine Kinder zwang er nie, der eigenen Leidenschaft nachzugehen. Doch: „Seit ich denken kann, spiele ich Hockey.“ Verbunden sind Vater und Sohn allemal, mittlerweile arbeitet der Junior sogar als Berater in der Versicherungsfirma Haralds.

Auch Sten Brandensteins Großeltern spielten beim HTC, lernten sich damals über den Sport kennen. Die Liebe fand auch der heutige Topstürmer bei den Kickers. Seit fünf Jahren sind er und Nadija Chmiel ein Paar. Die Ex-Böblingerin läuft für gewöhnlich für die Frauen-Mannschaft auf, ein Kreuzband- und Meniskusriss hindern sie derzeit jedoch daran. Vieles bindet Brandenstein an seinen Heimatverein, gleichermaßen möchte er ihn auch nicht verlassen. „Bis 30 spiele ich auf jeden Fall, danach muss ich nach meiner Fitness schauen“, sagt der Kapitän. Bereits seit fast vier Jahren hat er dieses Amt inne, ist einer der erfahreneren Spieler im Kader von Trainer Till Ziemssen. Das Gespräch mit den jungen Teamkollegen sucht er im Training und den Spielpausen. Auf der Platte überlässt er das lieber seinen Hinterleuten – Usus in der Halle.

Brandenstein kann auch unangenehm werden

Mit seiner stetig präsenten Spielweise, Übersicht und Treffsicherheit will er ohne große Worte vorangehen und der Mannschaft Sicherheit geben. „Ich verlange von meinen Mitspielern, das Beste aus sich rauszuholen und werde teilweise unangenehm oder ungeduldig, weil ich weiß, sie können es besser“, erzählt Brandenstein, und erkennt zugleich: „Manchmal habe ich zu hohe Erwartungen und werde laut, das kommt dann nicht so gut an.“

Der Coach Till Ziemssen bestätigt das. „Er ist immer eine kritische Stimme, aber auch eine selbstkritische“, sagt er. „Am Anfang war Sten zu negativ, ist aber in die Rolle hineingewachsen. Heute ist er ein Leader, der mit Leistung auf dem Platz vorangeht.“ Zudem freut sich Ziemssen nicht nur über Brandensteins Tore, vielmehr bewundert er sein schnelles Erkennen von freien Räumen.

Am Samstag soll er jene Stärken wieder einbringen, wenn es beim Jahresauftakt nach Obermenzing geht. Ein wundes Pflaster: In der vergangenen Hallenrunde setzte es nach dem Restart an selbem Ort eine Pleite, die am Ende mitentscheidend für den Nicht-Aufstieg war. Beim abschließenden Spieltag waren die Stuttgarter zwischendurch virtuell dennoch schon Meister, mussten sich im Fernduell jedoch dann doch noch dem HC Ludwigsburg geschlagen geben.

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