90 Gruppen ziehen beim großen Festumzug zum Pferdemarkt in Leonberg durch die Innen- und Altstadt – und machen das Ganze zu einem farbenfrohen Spektakel.
Da dachten doch alle, Leonberg hätte seine Schiff-Episode mit dem Verkauf des „MS Leonberg II“-Wagens hinter sich gebracht. Doch weit gefehlt. Zum einen sorgte die Stadtverwaltung selbst für maritimes Flair – mit ihrem neuen, paddelbootbestückten Wagen: Eher schlicht, dafür umso aussagekräftiger. Zum anderen waren die AHA-Narren aus Weil der Stadt spitzfindig genug, um selbst mit einem Krabbenkutter-Wagen in Leonberger Umzugsgewässern zu kreuzen. Ein Schelm, wer Böses denkt...
Zahlreiche Höhepunkte unter den 90 Umzugsgruppen beim Pferdemarkt
Abwechslungsreich, bunt, laut und trotz bevorstehender Landtagswahl vergleichsweise wenig politisch war der Umzug bei diesem 333. Leonberger Pferdemarkt. Höhepunkte gab es unter den 90 teilnehmenden Gruppen dennoch genug. Zum Beispiel beim Jugendhausverein Leonberg, der auf seinen spektakulären Wagen eine Mini-Konzertbühne montiert hatte – auf der auch noch eine Rockband spielte. Oder eben jener Weil der Städter Krabbenkutter.
Vorneweg, gleich nach dem Leonberger Wagen, rollte der Oberbürgermeister Tobias Degode in der Kutsche mit. Er beendete den Umzug mit rot-grün-bemaltem Gesicht. Diese Narren, die trauen sich was. Aber dass der neue OB vieles mitmacht, hatte er bereits in den Tagen zuvor bewiesen, als er sich ein ums andere Mal selbstbewusst mit in den Pferdemarkt-Trubel stürzte.
Astrein kam auch die Idee der Zottelböck vom Forcheneck daher, die eine mobile Bar nach Leonberg brachten – vor allem zur Bewirtung der eigenen und befreundeten Hästräger in der Umzugsaufstellung in der Berliner Straße. Apropos: 30 der 90 Gruppen, also exakt ein Drittel, bestanden aus Hexen und Hästrägern. Und diese ließen sich nicht lumpen: Konfetti, Stroh und Holzspäne kamen unterwegs reichlich zum Einsatz.
Stimmung: Konfetti flog reichlich beim Pferdemarkt-Umzug Foto: Simon Granville
Ganz und gar fit – und überhaupt nicht mehr übernächtigt vom Super Bowl – kamen auch die American Footballer der Leonberg Alligators daher. Spieler und Publikum spielten das Ei hin und her, die Cheerleader sorgten derweil für Stimmung unter den Besucherinnen und Besuchern. Diese hatten sich zu Zigtausenden an der Strecke eingefunden, die Stadt sprach in einer Mitteilung von 22 500 Menschen. Wundern durfte das niemanden: Das Wetter war besser als ansagt, gegen 15 Uhr riss sogar der Himmel auf und die Sonne strahlte über der Stadt.
Ein bisschen Kommunalpolitik gab’s dann aber doch, nicht ausschließlich von Grünen oder SPD oder anderen Fraktionen des Gemeinderats. Der bemerkenswerteste Impuls kam vom Leonberger Jugendausschuss: Er präsentierte nämlich mit Schlittschuh- und Schneeflockenplakaten seine Idee einer mobilen Eisbahn für die Stadt. Spruchreif dürfte sie dann für den kommenden Winter werden.
Natürlich darf beim Pferdemarkt auch Josefa von Hohenzollern nicht fehlen
Und Josefa von Hohenzollern durfte natürlich auch nicht fehlen. Die nach wie vor mit einem Dienstverbot belegte Erste Bürgermeisterin Leonbergs fuhr in der Kutsche der Jagdhornbläser mit. Das entging natürlich auch Frank Albrecht von der SALZ-Fraktion im Gemeinderat nicht: Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hatte er sich auf Höhe der Feuerwache postiert, um mit Wertungstafeln die Beiträge der Umzugsgruppen zu bewerten. Verkleidet war er mit Diadem und langer, blonder Perücke als Prinzessin. Wer sich über die Höchstnote 10 freuen durfte, ist Stand jetzt nicht überliefert.