Höhepunkte Lange Nacht der Museen in Stuttgart: Was darf man nicht verpassen?
Am Samstag, 21. März, ist es wieder soweit: Die Lange Nacht der Museen in Stuttgart lockt – 63 spannende Orte sind zu erleben. Was sind die Höhepunkte?
Am Samstag, 21. März, ist es wieder soweit: Die Lange Nacht der Museen in Stuttgart lockt – 63 spannende Orte sind zu erleben. Was sind die Höhepunkte?
Seit 25 Jahren organisiert das Stuttgartmagazin „Lift“ die Lange Nacht der Museen – und ermöglicht so ungewöhnliche Einblicke und anregende Begegnungen. Dieses Jahr am Samstag, 21. März. Wir geben Programmtipps.
Was bietet die Lange Nacht der Museen am 21. März? „Mehr als 60 Museen, Kunstorte, Off-Spaces, Industriedenkmäler und Galerien“, sagt Organisatorin Anette Taube, „öffnen zwischen 18 und 1 Uhr ihre Türen“. Ob auf dem Fernsehturm, im Stuttgarter Neckarhafen, in Bunkern oder auf „regulären Bühnen“ – überall gibt es „Ausstellungen, Führungen, Bands und Performances“. Und immer wieder spannend: „Elf Veranstaltungsorte feiern ihre Lange Nacht-Premiere.“ Erstmals mit dabei sind unter anderen die Weißenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe in der Weißenhofsiedlung, das Weinbaumuseum, das sich im Haus des Tourismus am Marktplatz präsentiert – oder auch die Pop Up-Galerie Urbane Kunst West(Spittastraße 10) mit einem Panorama zum Schaffen des Stuttgarter Graffiti- und Urban Art-Künstlers Christoph „Jeroo“ Ganter.
Der Bunker unter dem Stuttgarter Marktplatz öffnet sich nur zur Langen Nacht. Ebenso der Luftschutzstollen beim Hauptbahnhof und das Regenüberlaufbecken der Stadt. Zudem: Hoch auf den Fernsehturm kann man immer, am 21. März aber zählt der Blick in das Fundament. Das ehemalige Bordell Uhu-Bar im Leonhardsviertel macht sein Oberstübchen zum Ausstellungsraum, und eine Baustellenführung im ehemaligen Galeria Kaufhof-Gebäude lässt ahnen, welche Verwandlungen die Verantwortlichen der Internationalen Bauausstellung 2027 an dieser Stelle planen. Doch lieber in die Prunkräume im Neuen Schloss? Oder gar aus dem Ehrenhof des Neuen Schlosses eine Spritztour im Oldtimer? Die Lange Nacht der Museen macht es möglich – wie auch den Besuch des Wasserkraftwerks Untertürkheim. Ein Muss der Langen Nacht: der Besuch des Hafens Stuttgart. Die sonst schwer zugängliche Industriekulisse zeigt sich als Bühne unterschiedlichster Klänge und grandioser Lichtinszenierungen – am besten erlebbar bei einer Hafenrundfahrt. Letzter Start ist 0.30 Uhr.
Für Organisatorin Anette Taube ist klar: „Alle Menschen sollen bei der Langen Nacht der Museen unabhängig von Einschränkungen in die Kunst- und Kulturszene des Kessels abtauchen können.“ Einige teilnehmende Orte reagieren. Das (Naturkunde-)Museum am Löwentor bietet eine Führung durch die Sonderausstellung „Triassic Life – Aufbruch in die Welt der Saurier“ in Deutscher Gebärdensprache an. Tast-Objekte machen diese Welt greifbar. „Fühlbar hören“ heißt es auch im Linden-Museum und in der Ausstellung „Ozeanien – Kontinent der Inseln“. Angebote in Deutscher Gebärdensprache kommen hinzu. Leichte Sprache lockt im Landesmuseum Württemberg (im Alten Schloss) in die Welt der Römer oder gar zurück in die Steinzeit. Und auch das Stadtpalais macht mit: Blinde und sehbehinderte Guides führen hier durch die Dunkel-Ausstellung „Blind Date mit Stuttgart“ – „und eröffnen“, da sind sich die Veranstalter sicher, „ganz neue Perspektiven auf die Kesselstadt“.
Natürlich kann man bei der Langen Nacht der Museen nahezu überall tanzen – in der Staatsgalerie ebenso wie in der Dürrnitz im Alten Schloss, im Rathaus oder gar in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Hotel Silber. Und gar die junge Szene auf einen Blick bietet die eigens für die Lange Nacht der Museen kuratierte Ausstellung „Better together – Stadtkind zeigt, wie Kollektive Stuttgarts (Nacht)leben gestalten“ im Stadtbüro unserer Zeitung in der Geißstraße 4. Doch keineswegs verschweigt die Lange Nacht historische Abgründe. Da ist das Hotel Silber selbst mit seiner wichtigen Aufarbeitung zur Verzahnung struktureller und individueller nationalsozialistischer Gewalt mit gesellschaftlichen Strukturen Hitler-Deutschlands. Und da ist ein „Stolperstein“-Rundgang, der über Geschichten Geschichte lebendig macht. Wichtig ist aber auch die Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung am Nordbahnhof (Otto-Umfried-Straße 1). Von hier aus wurden von 1941 bis 1945 Jüdinnen, Juden und Sinti aus Württemberg und Hohenzollern in der NS-Zeit deportiert. Von hier aus fuhren die Züge der Deutschen Reichsbahn in Ghettos und Vernichtungslager.
Die Shuttle-Busse der Tour Nord starten am Schlossplatz. Zu- und aussteigen kann man – im 15 Minuten-Takt – an jeder Haltestelle. Die Shuttle-Busse der Tour West starten am Karlsplatz/Ecke Münzstraße. Hier gilt ein 20 Minuten-Takt. Lieber nicht warten? Dann einfach zu Fuß durch die Innenstadt starten. Hier aber sollte man unbedingt einsteigen: Die Shuttle-Busse der Tour Hafen starten – im Zehn Minuten-Takt – am Schlossplatz am Zugang Schillerplatz beim Lift-Infostand. Und wie geht es ohne Shuttle etwa zum Fernsehturm oder zum Kunstverein Wagenhalle? Die Stadtbahn ist Trumpf. Gleich mehrere Lange Nacht-Orte liegen an der U5, U6, U7 und U15, mit der U1,2 oder 14 ist wiederum etwa das Regenüberlaufbecken zu erreichen. Und mit der U7 oder U15 gelangt man? Na klar, zum Fernsehturm. Doch lieber lässig staunen? Die Oldtimerlinie 21 fährt vom Straßenbahn-Museum in Bad Cannstatt in die Innenstadt und wieder zurück. Und mit seinem „Rollenden Museum“ lädt der Württembergische Automobilclub mit dem Ausgangspunkt Neues Schloss zum stilvollen Cruisen ein.
Einmal zahlen, alles erleben – auch dafür braucht man Tickets. An den Abendkassen aller beteiligter Häuser gibt es Ticket-Bänder für Erwachsene für 23 Euro (Studierende SchülerInnen und Azubis 17 Euro). Kinder bis zu 6 Jahren haben freien Eintritt. Im Vorverkauf erworbene Tickets (Vorverkaufsgebühr: 2,13 Euro) werden am Veranstaltungsabend beim ersten Besuch eines Hauses an der dortigen Abendkasse in ein Ticket-Band umgetauscht. Wichtig: Beim Tausch ermäßigter Tickets an der Abendkasse ist die Vorlage eines gültigen Studierenden- oder SchülerInnen-Ausweises erforderlich. Im Lange Nacht-Ticket enthalten ist ein VVS-Kombiticket, das zur An- und Heimfahrt sowie den ganzen Abend genutzt werden kann.