Größenvergleich: Das neue Windrad auf dem Grünen Heiner zwischen Stuttgart-Weilimdorf und Korntal-Münchingen wird 150 Meter hoch – jetzt sind es 66. Foto: HPC
In zwei Jahren soll sich auf dem Grünen Heiner zwischen Weilimdorf und Korntal ein größeres und leistungsfähigeres Windrad drehen. Damit verbunden sind einige Sorgen.
Die Stadt Korntal-Münchingen beschäftigt sich nun mit dem Projekt, das sich gerade im Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz befindet. Zwar steht das alte wie neue Windrad auf der Gemarkung Weilimdorf, jedoch direkt an der Grenze zu Korntal. Weil die Anlage größer wird, streifen künftig die drei Rotorblätter auch über die Gemarkung des Korntal-Münchinger Stadtteils. Die Nabe werde mit 81 Metern „ordentlich höher“, erläuterte der Stadtentwickler Stefan Wolf im Technikausschuss. Bisher ist sie 46 Meter hoch.
Beim neuen Windrad auf dem Grünen Heiner bleiben die Bürger außen vor
Im Zuge des Genehmigungsverfahrens kann sich die Stadt zum Projekt äußern. Was sie tut. Vor allem, weil die Öffentlichkeit nicht gehört wird. „Die Bürger können auf das Verfahren keinen Einfluss nehmen“, sagte Stefan Wolf – das sei im vereinfachten Verfahren gesetzlich nicht vorgesehen. Vielmehr wolle der Gesetzgeber die Energiewende rasch vorantreiben, weshalb er hier auf maximal effiziente Verfahren setze. In ihrer Stellungnahme will die Stadt ihr Bedauern ausdrücken und anregen, dass die Betroffenen zumindest informell informiert werden. Laut Wolf soll es eine Infoveranstaltung in Weilimdorf geben.
Der Grüne Heiner ist ein beliebtes Ausflugsziel. Oben angekommen hat man eine beeindruckende Aussicht. Foto: Simon Granville
Paul Blank (Freie Wähler) sieht das anders. Korntal werde mehr Auswirkungen der größeren Windkraftanlage spüren als Weilimdorf. „Wir sind sehr nahe an der Grenze und stehen als Stadt besser da, wenn wir die Öffentlichkeitsbeteiligung fordern.“ Harald Wagner (Grüne) sagte, er finde es richtig und wichtig, Fragen zu stellen, etwa zu gesundheitlichen Risiken.
Der Grüne Heiner ist ein beliebtes Ausflugsziel
Denn beispielsweise bei tief stehender Sonne oder starkem Wind werden laut Wolf teils Grenzwerte überschritten, sprich: Es wird dann zu schattig oder zu laut. Das betrifft Aussiedlerhöfe sowie den westlichen Rand Korntals. In diesen Fällen, so Wolf, werde die Anlage abgeschaltet oder wenigstens gedrosselt.
Er betonte, „die gesetzlichen Werte werden eingehalten. Die Prüfungen zu Schatten und Schall haben gründlich und ausführlich stattgefunden“. Allerdings störe sich die Verwaltung daran, dass der Schulbauernhof Zukunftsfelder bei den Untersuchungen nicht berücksichtigt wird. Die Stadt fordert, Schall und Schattenwurf auch für den Schulbauernhof prüfen zu lassen.
Der Grüne Heiner, ein Schuttberg, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Am meisten treibt die Stadt um, dass sich das Landschafts- und Erscheinungsbild verändern wird. „Das Erleben oben wird ein anderes sein“, sagte Stefan Wolf. Denn die Kuppe wird um fünf bis sechs Meter abgetragen – für die Errichtung und Wartung des neuen Windrads braucht es eine ebene Fläche. Die Aussichtsplattform kommt während der Bauarbeiten weg.
Außerdem verringert sich der Abstand der Rotorblattspitzen zum Boden, von 26 auf künftig 12 Meter. Man ist dem Windrad also näher als bisher. „Die Konsequenzen sind beachtenswert“, sagte Andrea Küchle (FDP). Die Stadt will den „hohen Freizeitwert“ des Grünen Heiner aber unbedingt erhalten. So enthält die Stellungnahme auch die Bitte, die Aussichtsplattform zu ersetzen und die Kuppel „ansprechend“ zu gestalten.
Neues Windrad bringt eine siebenfache Leistung
Das neue Windrad ist leistungsfähiger als das jetzige. Der Nachfolger bringt eine siebenfache Leistung von dann 4200 Kilowatt. Der Stromjahresertrag könnte sich dadurch von circa 700 000 auf rund 6,2 Mio Kilowattstunden fast verneunfachen. Für das sogenannte Repowering wird eine neue Projektgesellschaft gegründet. An der künftigen Anlage sind die Stadtwerke Stuttgart und der bisherige Betreiber Gedea Windkraft Grüner Heiner mit je 50 Prozent beteiligt.