Für Autofahrer ist das Tanken aktuell ziemlicher Stress. Foto: KI/Midjourney, Montage: Ruckaberle
Mehr als zwei Euro kostet der Liter Benzin. Erste Politiker schlagen vor, mit einer staatlichen Preisbremse einzugreifen. Aber wie hoch sind die Mehrkosten eigentlich?
Zwei Euro vor dem Komma – die rapide Steigerung der Tankstellenpreise seit dem Beginn des Iran-Krieges kann niemand übersehen. Und wie immer, wenn Benzin und Diesel teurer werden, schlägt das auf die Stimmung im Land durch. Der rasche Anstieg der Spritpreise kann beängstigend wirken. Bei einem aktuellen Anteil von E-Autos im Bestand von gut vier Prozent bestimmen Verbrenner weiterhin die Wahrnehmung.
Erste Politiker sind schon mit der Forderung an die Öffentlichkeit getreten, analog zur Preisexplosion nach Beginn des Ukrainekrieges mit einer staatlichen Preisbremse einzugreifen. Mittlerweile sind die Preise auf dem Niveau von September 2022, als der größten Preisschub nach Ausbruch des Ukrainekrieges im Februar abgeebbt war.
Kraftstoffpreise sind besonders. Es gibt kein anderes Produkt, dessen aktuellen Preis man jeden Tag an 14 000 Tankstellen in Deutschland im Vorbeifahren sehen kann. Anders als im Supermarkt ist man an der Zapfsäule auf einen einzigen Kauf fixiert. Man kann live per Zählwerk zusehen, wie sozusagen das Geld im Tank verschwindet.
Die „Tank-Wut!“, war am Samstag der „Bild“-Zeitung die Titelgeschichte wert. Wie viel Wut ist angesichts der Spritpreise angemessen?
Für einen Antwort auf diese Frage und einen Vergleich mit dem öffentlichen Nahverkehr schauen wir, welche Mehrkosten ein typischer Pendler zu erwarten hat. Zwanzig Kilometer fährt er an 230 Arbeitstagen morgens zur Arbeit und abends wieder zurück, ein im Bundesvergleich realistischer Wert. Sein Benziner verbraucht die bundesweit durchschnittlichen 7,7 Liter je 100 Kilometer und wir setzen den aktuellen Preis als Orientierungswert für das ganze Jahr. Das würde bedeuten, dass er 2026 für im Schnitt 2,10 Euro je Liter Super tankt.
255 Euro höhere Tankkosten als im Vorjahr
Dieser Durchschnittspendler hätte mit 255 Euro Mehrkosten allein für den Weg zur Arbeit zu rechnen – verglichen mit 2025, als die Spritpreise deutlich niedriger lagen. Zum Benzin kommen die Anschaffungs- beziehungsweise Leasingkosten, Reparaturen, Versicherung und die Kfz-Steuer dazu. Kraftstoff macht also selbst bei den derzeit rekordverdächtigen Preisen nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten fürs Autofahren aus. Eine gewisse Entlastung bietet dieses Jahr die seit 1. Januar auch für die ersten zwanzig Entfernungskilometer von 30 auf 38 Cent erhöhte Entfernungspauschale.
Wie sehen die realen Folgen aus?
Ob und wie hoch der Rohölpreis weiter steigt, und wie lange er auf diesem Niveau bleiben wird, ist komplett unvorhersehbar. Aktuell schwankt er um seinen kurz nach Kriegsausbruch erreichten Höchststand. Wie viel höhere Spritkosten Autofahrer real im Jahr 2026 haben werden, ist also unklar. Bei der bundesweiten Durchschnittsfahrleistung von 12 500 Kilometern wären es in unserer Modellrechnung 346 Euro. Hilfreich ist der Vergleich mit dem öffentlichen Nahverkehr. Vier von fünf Pendlern im Stuttgarter Nahverkehrsnetz VVS nutzen das Deutschlandticket. Dessen Preis ist seit der Einführung bekanntlich ebenfalls deutlich erhöht worden. Wie man die Teuerung einschätzt, hängt am Vergleichswert:
Die Kosten des Deutschlandtickets sind seit dessen Einführung im Jahr 2023 um insgesamt 28,6 Prozent gestiegen. Der aktuelle Literpreis für Superbenzin ist mit rund 2,10 Euro dagegen „nur“ um 13,5 Prozent höher als vor drei Jahren (1,85 Euro).
Wenn man dagegen den Zeitraum seit Anfang 2025 zum Maßstab nimmt, ist das Deutschlandticket um 8,6 Prozent teurer geworden, die Benzinpreise hingegen sind um 20,7 Prozent gestiegen.
Vermutlich wird die aktuelle Wahrnehmung eher vom Vergleich mit den Preisen aus dem Jahr 2025 geprägt. Auch die Deutschlandticket-Inhaber könnten aber eine „Preis-Wut“ entwickeln oder Verkehrspolitiker eine Preisbremse fordern. Allerdings bedeutete die Einführung des neuen Abos vor drei Jahren für die allermeisten Pendler im Vergleich zu den vorher geltenden Tarifen eine deutliche Preissenkung.
Unabhängig davon hat das Deutschlandticket einen klaren Preisvorteil. Wer 20 Kilometer pro Weg mit Bus oder Bahn pendelt, zahlt 2026 voraussichtlich nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was Autofahrer allein für Kraftstoff ausgeben. Insgesamt bleiben die gestiegenen Rohölpreise aber eine wirtschaftliche Belastung, egal wie man unterwegs ist. Von der Energieversorgung über die chemische Industrie bis hin zur Düngemittelherstellung für die Landwirtschaft wird sich der so ausgelöste Inflationsschub in vielen Bereichen niederschlagen.