Homestory in Stuttgart-Süd Jacuzzi und Dschungel über den Dächern Stuttgarts

Ein kleiner Dschungel mitten in Stuttgart: Igor Dantas hat ein Herz für Grünpflanzen in seiner Wohnung. Foto: Petra Xayaphoum

So wohnt es sich in einem Loft in Stuttgart-Süd: Jacuzzi, Indoor-Garten und einzigartige Vintage-Funde – in Igor Dantas Wohnung trifft Urban Jungle auf nachhaltiges Design.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Um die Loft-Wohnung von Igor Dantas zu erreichen, muss man einige Stockwerke erklimmen. Doch der Aufstieg lohnt sich: Über einen schmalen Treppenaufgang erreichbar erschließt sich hinter der Haustüre ein wahrer Dschungel über den Dächern des Stuttgarter Südens. Der Wohnraum ist hell, lichtdurchflutet und öffnet sich nach links als auch rechts jeweils zu einer Fensterfront mit großem ausladenden Balkon.

 

Ein urbaner Dschungel über Stuttgarter Dächern

Zwei halbhohe Plateaus – darunter verbergen sich Aufzug und Treppenhaus des Hausblocks – fungieren als Raumtrenner zwischen Wohn- und Essbereich sowie Büro. In fast jeder Ecke der Wohnung stehen Grünpflanzen, viele davon tropisch. Kleinanzeigen hätten bei deren Beschaffung eine große Rolle gespielt, sagt der studierte Architekt, Visual Designer und Gründer des Stuttgarter Fashion-Labels Weather Complaints Society. Dort würden viele Pflanzenliebhaber:innen diejenigen grünen Mitbewohner verhökern, die zu groß für ihre Wohnung gewachsen sind. „So langsam bekommen sie aber auch bei uns Platzprobleme“, lacht er und tippt auf eine hochgewachsene Geigenfeige, deren Blätter bereits die Decke berühren. Hier oben, wo die Sonne zu beiden Seiten hineinscheint, gedeiht das Grün eben bestens.

Balkon-Paradies: 50 m‘ Open-Air-Wohnzimmer mit Jacuzzi und Weitblick

Die beiden Balkone waren mit ausschlaggebend, warum Igor und sein Partner die Wohnung unbedingt haben wollten: Zusammengenommen ergeben sie 50 Quadratmeter Open-Air-Fläche. Auf dem einen zur Tübinger Straße hin lässt es sich gut in der prallen Sonne liegen, „und abends schlafen, wenn’s im Sommer zu heiß unter dem Dach ist“, auf dem anderen Balkon zum Innenhof hin ist es hingegen etwas schattiger, entspannter. Hier haben sich die beiden eine Sitzgruppe und Hängematte sowie einen Grill und Jacuzzi aufgestellt.

„Wir haben uns sofort in diese Wohnung verliebt, als wir vor fünf Jahren zur Besichtigung hier waren“, erinnert sich der Wahl-Stuttgarter zurück. Dass sie die Wohnung tatsächlich auch bekämen, daran glaubte das Paar damals nicht. „Es waren an die zwanzig Leute bei der Besichtigung“, verrät Igor. Doch irgendwas schien gepasst zu haben. Kaum einen Monat später konnten die beiden schon einziehen. „Das Urlaubsfeeling hier war dabei ausschlaggebend für uns, da wir viel Zeit in der Wohnung verbringen – ob im Homeoffice oder privat – und auch gerne Gäste hier empfangen.“ Auf seinem Smartphone zeigt er uns Fotos von der Verwandlung der nüchternen Büronische in einen festlichen Speiseraum mit Tafel und reichlich Deko.

Nachhaltigkeit trifft auf Vintage-Schätze und Design-Ideen

Als Igor und sein Partner vor fünf Jahren nach Stuttgart zogen, hatte die Pandemie gerade begonnen. Die Lockdown-Zeit nutzten sie daher – wie so viele, um es sich in den neuen eigenen vier Wänden schön zu machen, ließen etwa den Holzparkettboden legen, renovierten die Küche, bauten Tische und Regale selbst und installierten den Jacuzzi auf dem Balkon. Das Thema Nachhaltigkeit hat dabei eine große Rolle gespielt: So wurden Teile der alten Küche in der neuen wiederverwendet, der Jacuzzi ist Secondhand und auch auf der Terrasse finden sich alte Bauteile aus dem Innenraum in neuem Kontext wieder, etwa als Gardinenstange fürs Sonnensegel.

Der Balkon zum Innenhof eignet sich durch seine Lage hervorragend, um im Sommer zu entspannen, ohne sich einen Sonnenstich zu holen. Foto: Petra Xayaphoum

Auch die Interpretation der Plateaus im Inneren als grüne Raumtrenner zwischen Wohn- und Arbeitsbereich und Chillout-Spaces ist neu. „Die Mieter vor uns hatten hier oben ihr Homeoffice“, erklärt Igor und zeigt auf eine Stelle des Plateaus, an der mittlerweile zwei große Discokugeln ihren Platz gefunden haben. „Die gehören zu meinen persönlichen Lieblingsstücken in der Wohnung“, sagt der gebürtige Brasilianer. Das Thema indirekte Beleuchtung ist ihm sehr wichtig. „Die Kugeln bringen quasi die Sterne an unsere Wohnungsdecke, wenn abends Licht darauf fällt“, sagt er. Überhaupt sind nur wenige direkte Lichtquellen auf den 80 Quadratmetern zu finden, über dem kleinen funktionalen Esstisch etwa. Dafür ist in fast jedem Pflanzentopf ein Licht versteckt.

Minimalistisches Design trifft Urlaubsfeeling

So viele Pflanzen im Wohnraum auch stehen, so wenige sind es im Schlafzimmer (zwei). Hier ist so gut wie alles weiß: weiße Wände, weiße Bettwäsche, ein weißer begehbarer Kleiderschrank, der als Raumteiler fungiert. Die Raumatmosphäre ist ruhig, fast schon beruhigend. Durch die Fensterfront blickt man über den zweiten Balkon auf die Tübinger Straße. Einen Farbklecks gibt es aber bei allem Weiß: Über dem Kopfende hängt eine vierteilige Fotografie einer strahlend blauen Bucht. „Das habe ich selbst fotografiert“, sagt Igor, „auf Capri.“ Einem seiner schönsten Urlaube, wie er sagt. Fotografien aus jenem Urlaub finden sich auch im Wohnzimmer, man kann das Meer förmlich durchs Bild rauschen hören.

Kunst, Vintage-Möbel und ein indigo-farbener Winter-Kleiderschrank

Was im Wohnzimmer ebenfalls offensichtlich ins Auge fällt, ist eine kleine, kunstvoll aus Holz geschnitzte Sitzgruppe rund um einen Schachtisch. „Diese Schachkombination ist ein Geschenk von Freunden gewesen“, erklärt Igor. Das knapp vierzig Jahre alte Kunsthandwerksstück hatte zuvor einem ehemaligen deutschen Botschafter im Sudan gehört. Nach dessen Tod hat seine Frau es dem befreundeten Paar vermacht. Es ist nicht die einzige Kunst in der Wohnung des Stuttgarters. Vieles davon als auch von der Einrichtung hat das Paar auf Vintage-Märkten und auf Reisen erstanden, einige Stücke wie eben die Schachgruppe oder ein kräftig rotes Gemälde am Zugang zum Balkon von der befreundeten Künstlerin Amela Hasani, sind auch Geschenke von Freund:innen.

Weather Complaints Society: Vom Wetterfrust zum Fashion-Label aus Stuttgart

Was erst auf den zweiten Blick zu sehen ist: Die Wohnung im Stuttgarter Süden hat auch einen kleinen Abstellraum neben dem Büro. Den haben Igor Dantas und sein Partner in einen Kleiderschrank für Wintersachen verwandelt und in kräftigem Indigo gestrichen. Hier findet man auch Teile aus Igors Weather-Complaints-Society-Kollektion. Das Label hat der gebürtige Brasilianer gegründet, als ihm auffiel, wie oft und gerne sich Menschen – nicht nur Stuttgarter:innen – übers Wetter beschweren. Nach einer Homepage, auf der man sich den Wetterfrust von der Seele schreiben kann, folgte eine Kollektion von Kleidungsstücken, von Shirts über Hoodies bis hin zu Taschen. Aktuell sei es ihm ehrlichgesagt zu warm, sagt Igor lachend. Zum Glück kann er gleich ins Wasser springen.

Noch mehr Eindrücke von Igor Dantas’ Wohnung in Stuttgart-Süd gibt es in der Bildergalerie.

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