Die IBA’27 verwandelt die Region Stuttgart 2027 ein halbes Jahr lang in einen großen Ausstellungsraum. Ob der „ganz große internationale Aufschlag“ gelingt? Es gibt Zweifel.

Architektur/Bauen/Wohnen: Andrea Jenewein (anj)

Die Reise neigt sich dem Ende zu – aber zugleich auch ihrem Höhepunkt. Das Bild der Reise wählt Andreas Hofer, Intendant der IBA’27, sehr bewusst, denn für ihn ist die Internationale Bauausstellung in Stuttgart weit mehr als ein Projekt. Im kommenden Jahr, dem Ausstellungsjahr, sind es nunmehr fast zehn Jahre, dass er und sein Team die IBA’27 begleiten.

 

Es war ein sehr offener Prozess, es gab anfangs kein Portfolio. Inzwischen gibt es insgesamt 36 Vorhaben mit dem Label „IBA’27-Projekt“ in Stuttgart und der Region – und über 100 im IBA-Netz. Diese rein technische Unterscheidung soll es im Ausstellungsjahr aber sowieso nicht mehr geben.

Ausgangspunkt ist das „Kaufhaus“ in Stuttgart

„Bauten sind wichtig“, sagt Hofer, „das B in IBA ist wichtig – denn Ideen sind flüchtig und Museen geschlossene Räume“. Quer durch die Region Stuttgart erwarten die Gäste im Ausstellungsjahr denn auch rund 40 besuchbare Projektorte – Gebäude, Quartiere und Orte im Wandel. Unter dem Titel „Um Bauen!“ wird die ganze Region vom 24. April bis 30. Oktober 2027 zur Ausstellung.

Als Ausgangspunkte für die Besichtigungen bieten sich der Ausstellungsort im „Kaufhaus“ in der Stuttgarter Innenstadt sowie das neue Besucher- und Informationszentrum Weissenhof.Forum an. Diese Orte sowie weitere zentrale Ausstellungsorte wie etwa Stuttgart-Rot, der Uni-Campus Vaihingen und Wendlingen bieten während des ganzen Ausstellungszeitraums Ausstellungsräume und Infrastruktur für die Gäste.

Viele weitere Projekte in der Region sind als Besuchsorte der IBA’27 markiert und können eigenständig besichtigt werden. Hier finden Führungen und Events statt. „Mit etwas Glück kommt schon Ende dieses Jahres unser IBA-Reiseführer heraus“, sagt Gabriele König, Geschäftsführerin der IBA’27. Sie hofft, dass „durch die IBA Stuttgart noch einmal ganz anders wahrgenommen wird.“

Hoffnung auf internationale Gäste in Stuttgart

Wer denn zum Ausstellungsjahr kommen wird, darüber sind sich die Akteure uneinig. „Der ganz große internationale Aufschlag wird uns nicht gelingen“, sagt Hofer – allein deshalb, weil anders als gedacht, der neue Bahnhof im kommenden Jahr noch nicht fertig sein wird. Dieser wäre eine weitere Attraktion in der Stadt und böte bessere Verbindungen.

Thomas Bopp, Aufsichtsratsvorsitzender der IBA’27 und Regionalpräsident a. D., sieht das weniger negativ. Er erwartet viele Gäste aus dem Ausland, weiß von vielen Organisationen, die geschlossen nach Stuttgart kommen wollen und setzt auf Architekten, Stadtplaner und Architekturliebhaber. Zumal etwa das Holzparkhaus in Wendlingen schon heute internationales Publikum anziehe. Und er hofft natürlich auch auf Menschen aus Deutschland – und der Region Stuttgart.

„Die IBA ist keine Eintagsfliege“

„Die IBA ist keine Eintagsfliege. Nach der Bauausstellung werden wir anders bauen als davor“, sagt Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau, Wohnen und Umwelt der Landeshauptstadt Stuttgart. Deshalb wolle die Stadt der IBA trotz des schwierigen Haushalts drei Million Euro für das Ausstellungsjahr bewilligen. Auch laut Bopp ist das Ausstellungsjahr „kein Abschluss, sondern ein Sprungbrett in die Zukunft der Region.“

Soweit der Blick in die fernere Zukunft. Aber nun gilt es erst einmal, das Ausstellungsjahr weiter in gute Bahnen zu lenken. Die Reise neigt sich wie gesagt damit ihrem Höhepunkt zu. „Ich bin sie gern gegangen“, sagt Hofer.

Info

Lange Nacht der Museen
Bereits vor dem Ausstellungsjahr geben die IBA’27 und die Stadt Stuttgart einen ersten Einblick in den künftigen Ausstellungsort „Kaufhaus“: Zur Langen Nacht der Museen am 21. März 2026 haben IBA und Stadt die Künstler Roland Batroff und Clemens Schneider eingeladen, mit einer Licht- und Soundinstallation das Gebäude in der Eberhardstraße erlebbar zu machen. Geführte Touren laden zur Erkundung des Hauses ein. Weitere Infos, Tickets und Anmeldung: www.lange-nacht.de