Die Doku „EPiC“ zeigt Elvis Presley in einem neuen Licht. Bei der Imax-Weltpremiere in Leonberg lässt Elvis-Interpret Nils Strassburg „den King“ wiederauferstehen.
Für die Imax-Weltpremiere von Baz Luhrmanns neuem Kinofilm „EPiC“(ein Akronym für Elvis Presley in Concert) bedarf es einer besonderen Lokalität. Die größte Leinwand für den größten Künstler, hieß es vonseiten der Veranstalter. Dass der Rockmusiker aus Mississippi eben jener größte Künstler ist, darüber herrscht unter den Gästen im Leonberger Traumpalast weitestgehend Einigkeit. Dass die Leinwand im hauseigenen Imax-Saal die größte ihrer Art weltweit ist, darüber herrscht Gewissheit, wie das Guinness Buch der Rekorde 2022 bestätigte. Gebannt sitzen die Zuschauer vor der etwa 814 Quadratmeter großen Projektionsfläche, dann erstirbt das Licht.
Das Licht geht aus – und plötzlich tritt Elvis auf die Bühne
Zunächst bleibt die Leinwand schwarz. Doch plötzlich wirft ein Spot-Scheinwerfer einen hellen Lichtkegel auf eine der steilen Treppen und dort steht er. Schwarze Haartolle, Koteletten, eine verboten weit offene Lederjacke, Mikrofon in der Hand, dazu die tiefe Stimme und der Blick, der schon Frauen der 1950er Jahre um den Verstand brachte – Elvis Presley, der „King of Rock ’n’ Roll“.
Natürlich ist es nicht der echte Elvis, der entgegen hartnäckigen Gegendarstellungen bereits vor Jahrzehnten verschied. Doch der Mann, der da singend durch die Sitzreihen zieht, kommt dem amerikanischen Original sehr nah. Immerhin wurde er von Time Warner und der Elvis-Presley-Gesellschaft als bester Elvis Deutschlands ausgezeichnet – der Titel wurde bis heute nicht anderweitig vergeben.
„If you’re looking for trouble, you came to the right place“, singt er, also: Wenn du nach Ärger suchst, bist du an den richtigen Ort gekommen. Doch auf Ärger ist hier niemand aus, auch Strassburg nicht. Nach zwei Gesangseinlagen tritt er vor die Leinwand und begrüßt das Publikum. Dabei erzählt er kurz von der Entstehungsgeschichte des Filmes, auf den die Gäste sehnsüchtig warten.
Das Leonberger Imax- Kino ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto: Geronimo Schmidt
Bei den Dreharbeiten für seinen 2022 erschienenen und vielfach ausgezeichneten Film über Elvis stieß Macher Baz Luhrmann auf bislang unveröffentlichtes, verschollen geglaubtes Filmmaterial, etwa 70 Stunden Aufzeichnungen. „Das Problem ist bloß, die Tonspur war vom Bild getrennt und nicht beschriftet“, beschreibt Strassburg die Herausforderungen, die auf dem Weg zur Entstehung des Films überwunden wurden.
Ein unverstellter Blick auf den King
Das Ergebnis laut dem „Elvis-Interpreten“, wie sich Strassburg bezeichnet: Elvis, wie er wirklich war. „Ohne Frauen, ohne Drogen, ohne Boulevardpresse“, verspricht Nils Strassburg. Der King reduziert auf das, was ihn ausmachte: die Musik. Es werden noch ein paar CDs mit dem Film-Soundtrack verlost, dann kann die Vorstellung beginnen.
Ein bild- und tongewaltiges Machwerk, eine Aneinanderreihung von Szenen aus Bandproben, Interviews und natürlich Konzerten. Von Presleys Anfängen in den Fünfzigern, inklusive eines kurzen Streifzugs durch seine Wehrdienstzeit in Deutschland, bis hin zu den ausladenden Shows in Las Vegas. Über Jahre hinweg leistete der Musiker teilweise drei Shows pro Tag, wie der Abspann verrät. Was angesichts der gezeigten Aufnahmen sichtlich schweißtreibend war.
Das trifft auch auf die Shows von Nils Strassburg zu, der das Publikum nach Filmende im Restaurant „Gioia“ nebenan empfängt. In buntem Hemd und mit pinker Sonnenbrille singt er, begleitet von drei Musikern seiner Band. Dass er der Premiere beiwohnt, ist kein Zufall, vielmehr war er eine treibende Kraft hinter der Umsetzung.
NDW-Star Markus ist ein großer Elvis-Fan und lässt es sich nicht nehmen, ein Foto mit Interpret Nils Strassburg zu machen. Foto: Geronimo Schmidt
Beim Filmfestival in Zürich sah er den Film im vergangenen August zum ersten Mal und war begeistert. „Man wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob der Film überhaupt in die Kinos kommt“, erzählt Strassburg. Auch die weiteren Zuschauer vor Ort waren beeindruckt, schildert er: „Die Leute standen am Ende im Saal, sind zwischendrin aufgestanden und haben applaudiert, weil sie sich wie in einer Konzertante gefühlt haben.“
Am nächsten Tag nahm er Kontakt zum befreundeten Geschäftsführer des Traumpalasts, Marius Lochmann, auf. Schon bei der Premiere von Baz Luhrmanns erstem „Elvis“-Film, dem Spielfilm mit Austin Butler in der Hauptrolle, trat Strassburg im Traumpalast auf. Nach vermehrten Bemühungen des Sängers gelang es, den neuen Film für das Imax zu gewinnen. „Dieses Werk muss ich auf dieser Leinwand sehen“, sagte Strassburg.
Der Künstler Elvis Presley fasziniert die Menschen immer noch
Das taten er und die anderen Gäste, die Premiere in Leonberg war die weltweit bestbesuchte Imax-Premiere, verrät Strassburg. „Jetzt ist endlich ein Film da, der erklärt, warum ich seit meinem sechsten Lebensjahr mein ganzes Leben diesem Mann widme“, erzählt der Mann, der europaweit als Elvis-Interpret unterwegs ist. Die Begeisterung ist während der Vorstellung spürbar, teilweise sieht man Zuschauer vor sich hin singen.
„Ich hoffe, er würde sagen ‚Ich finde es gut, dass du nicht versuchst, mich zu kopieren, sondern, dass du lebst, was ich gelebt habe‘“, sagt Nils Strassburg über sein Idol. „Fühlst du es oder nicht? Bist du bereit, die Hosen runterzulassen und dein Herz auf der Bühne zu lassen? Jeden Abend, egal ob vor sechs oder vor 6000? Dann fühlst du Musik und dann hast du den Spirit, darin ist Elvis der König. So wie er Musik gefühlt hat, gab es keinen Künstler“, beschreibt der Sänger die Faszination mit dem legendären Vorbild.
Er berichtet, dass vermehrt junge Leute seine Konzerte frequentieren. Sie hätten „die überproduzierte und zuprogrammierte Musik“ satt, meint er. Elvis sei echt gewesen, „eine Taylor Swift würde nicht so schwitzig auf der Bühne liegen“, vergleicht Strassburg. Fast 50 Jahre nach seinem Tod hat der King seine Anziehung nicht verloren, auch die anwesenden Gäste sind begeistert.
„Es war wirklich sehr berührend“, sagt NDW-Sänger Markus („Ich will Spaß“), der sich als Elvis-Fan bekennt, und fügt an: „Ich dachte, ich kenne schon alles, aber da kamen ganz neue Sachen. Ich kann den Film nur empfehlen.“ Auch Schlagerstar Olaf der Flipper („40 Jahre die Flippers“) fand die Vorstellung „herausragend“, auch er ist bekennender Elvis-Fan. „Ich habe fast geweint, ich habe mich in die Zeit zurückversetzt gefühlt,“ gesteht er.
Elvis-Dokumentarfilm „EPiC“ läuft ab 26. Februar im Kino
Kino und Livemusik in Kombination, ein Modell mit Zukunft, befindet Strassburgs Manager Manfred Rolef: „Unbedingt, grade bei einer Live-Dokumentation kribbelt es dich in den Fingern, vielleicht noch ein bisschen echte Livemusik zu sehen.“
Ein ähnliches Programm wird der Künstler künftig auf die Bühne bringen: Mit seinem in Kürze erscheinenden Buch wird Nils Strassburg musikalische Lesungen in Stuttgart und Umgebung anbieten. Baz Luhrmanns Film „EPiC“ wird ab dem 26. Februar in den deutschen Kinos zu sehen sein.