Bei der CMT wirbt Stuttgart für sich, vor allem auch um Tagestouristen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Manch Einheimischer mag das kaum glauben: Aber Stuttgart ist als Reiseziel begehrter denn je. Noch ist nicht jeder Besucher in der Statistik gelandet, aber es zeichnet sich ab: 2024 wird das beste Tourismusjahr aller Zeiten.
Geplant war es anders. Bei der Reisemesse CMT wollten die Stuttgarter Touristiker mal jene Menschen in den Blick nehmen, die sonst aus dem Raster fallen. Diejenigen, die hier zu Hause sind oder nur einige Stunden in Stuttgart und der Region unterwegs sind. Dann drängelten sich doch jene Besucher wieder dazwischen, die in Stuttgart übernachten.
Wo könnte man denn hin für einen Ausflug? Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Denn die Statistiker hatten die Zahlen von November frisch ausgerechnet und verzeichneten auch in diesem Monat mit „einem Plus von 8,8 Prozent Übernachtungen einen Rekordwert“. Nun traute sich Armin Dellnitz, Geschäftsführer von Stuttgart-Marketing, auch aus der Deckung und sagte: „2024 wird mit absoluter Sicherheit das beste Tourismusjahr aller Zeiten werden.“ Es fehle nur noch der Dezember. Der sei ohnehin mit dem Weihnachtsmarkt ein relevanter Monat für den Tourismusmarkt.
Jede Menge Konzerte und die Fußball-EM als Publikumsmagneten
Jeder einzelne Monat im vergangenen Jahr habe eine Steigerung zwischen 8 und 20 Prozent aufzuweisen. Der Oktober war mit 429 608 Übernachtungen gar der beste Monat aller Zeiten. Das wird sich insgesamt zu einem Plus von 15 Prozent aufsummieren, eine Steigerung von 4,1 Millionen Übernachtungen auf 4,6 Millionen Übernachtungen in den 165 Hotels, Pensionen und dem Campingplatz. Insgesamt 24 607 Betten stehen zur Verfügung. Die Auslastung beträgt mehr als 50 Prozent.
Woran das liegt? Tja, da tat sich selbst der Experte schwer mit Antworten. Klar, die Fußball-EM im Juni und Juli hat geholfen, zwei Fachmessen im Frühjahr, die Jazz Open, die Freiluftkonzerte wie AC/DC und das Volksfest. Aber eine so durchgängige Steigerung auf hohem Niveau verblüfft selbst die Branchenkenner. Denn anderswo in Deutschland, erläutert Dellnitz, habe es zwar bedingt durch die EM auch Steigerungen gegeben, aber auf weitaus niedrigerem Niveau. „Die Stadt ist gefragt, offenbar mehr, als man bei uns glaubt“, sagte Dellnitz, „da es woanders nicht so gut läuft, ist das doch eine gute Botschaft.“
So präsentiert sich die Region auf der CMT. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auch in der Region, also Stuttgart plus den Landkreisen Rems-Murr, Böblingen, Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen, gibt es einen satten Zuwachs um mindestens 9 Prozent. Es wird deutlich über 9 Millionen Übernachtungen geben in den 760 Betrieben. Die Übernachtungsgäste geben im Gastgewerbe, im Einzelhandel und für Dienstleistungen 1,8 Milliarden Euro aus.
Dies hat eine Studie des Wirtschaftsministeriums des Landes ergeben. Vor allem hat sie sich damit beschäftigt, welche Bedeutung die Tagesreisen für die Region Stuttgart haben. Eine immense. Wir reden über 124 Millionen Tagesreisen im Jahr 2023. 105 Millionen der Freizeit wegen, für 19 Millionen war der Anlass geschäftlicher Art. Nach Stuttgart führten 60 Millionen dieser Abstecher, in die Kreise 64 Millionen. Die durchschnittliche Dauer betrug dabei 4 Stunden. Insgesamt wurden dabei 4,6 Milliarden Euro ausgegeben. 1,44 Milliarden Euro landeten im Gastgewerbe, 2,35 Milliarden im Einzelhandel und 1,35 Milliarden bei Dienstleistern. Das sind etwa Besuche bei Konzerten, beim VfB, in Museen, Theatern, Tagungen, Bädern, aber auch das Fahren mit Bus und Bahn. „Die Tagestouristen sind die Grundlage für unseren Übernachtungstourismus“, sagte Dellnitz, „sie sind notwendig für unsere Freizeit- und Kultureinrichtungen.“ 45 Millionen der Tagestouristen kommen von außerhalb der Region, aber die größere Gruppe, 79 Millionen, wohnt in der Region.
Im Juni schauten die Schotten bei der EM vorbei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Für die macht man auch in diesem Jahr wieder ein spezielles Angebot: die Erlebniscard. Sie kostet 69 Euro digital oder 79 Euro als Karte. Die Erlebniscard bietet freien Eintritt und Führungen bei knapp 80 Partnern, vom Fernsehturm über die Wilhelma bis zu vielen Bädern. 8000 Karten verkaufte man 2024, jetzt sind es schon 7000 für dieses Jahr. Damit will man das neue Motto weiter mit Leben füllen: „Das nächste Erlebnis liegt vor der Haustür.“