Ärgernis in Stuttgart-Möhringen: Wohnmobile parken Straßen zu. Foto: Torsten Schöll
Wohnmobilisten nutzen oft Wohnstraßen, um ihre Camper über den Winter dauerhaft abzustellen – zum Ärger vieler Anwohner. Möhringen hat jetzt einen Hilferuf ans Rathaus geschickt.
Wie es aussieht, wenn das an einem Ort besonders viele Wohnmobilisten so handhaben, ist aktuell in der Balinger Straße in Möhringen zu bestaunen. Dort reiht sich an der Stichstraße zum Probstsee ein Wohnmobil ans andere. Für normale Pkw bleibt wenig Platz. Angesprochen auf die Situation dort, meint ein Passant, dass das „seit Wochen so ist“.
Dass immer mehr Wohnmobile im Winter die Straßen zuparken, legt allein die Entwicklung der Anmeldezahlen nahe. So stieg in diesem Frühjahr in Deutschland der Bestand an Wohnmobilen im Zentralen Fahrzeugregister erstmals auf mehr als eine Million Fahrzeuge. Das sind doppelt so viele wie 2017. Für das Stadtgebiet Stuttgart gilt Entsprechendes: Zählte das Statistische Amt der Stadt 2015 noch 2102 registrierte Wohnmobile in Stuttgart, waren es im vergangenen Jahr schon 4746 Camper.
Der Möhringer Bezirksbeirat hat sich in der Wohnmobil-Frage an die Stadtverwaltung gewandt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Illegal ist das Abstellen der Wohnmobile am Straßenrand fast nie: Da die meisten Camper unter 7,5 Tonnen wiegen, dürfen sie praktisch immer dort parken, wo es auch Autos erlaubt ist. Nur in besonders engen Straßen, in denen eine Restfahrbahnbreite von 2,60 Meter aufgrund der breiteren Wohnmobile nicht mehr erreicht wird, wäre das Parken untersagt.
Anwohner: Wohnmobil-Wildwuchs in Möhringen „unhaltbar“
An einigen Stellen in Möhringen ist der Wildwuchs inzwischen so unübersehbar, dass das Bezirksgremium die Stadtverwaltung jetzt zum Handeln auffordert. Neben dem Bereich Balinger Straße sei zum Beispiel auch das Gebiet Salzäcker betroffen, berichtet Hartmut Ellinger, Mitglied der Grünen im Möhringer Bezirksgremium. „Es sind Anwohner an uns herangetreten, für die das ein unhaltbarer Zustand ist“, betont Ellinger.
Dabei entstehe durch die großen Fahrzeuge nicht nur Parkplatznot für Pkw. Auch das Ausfahren aus Seitenstraßen oder das Queren der Straße durch Fußgänger sei mitunter gefährlich, weil die Wohnmobile die Sicht versperrten, so Ellinger.
Im betreffenden interfraktionellen Antrag fordern die Bezirksbeiräte die Stadtverwaltung nun auf, geeignete Flächen ausfindig zu machen, damit dort Wohnmobile zentral abgestellt werden können. „Dies trägt zu einer Entlastung der Wohngebiete bei, verbessert die Parksituation für die Anwohnerinnen und Anwohner und schafft gleichzeitig legale und zweckmäßige Abstellmöglichkeiten für die genannten Fahrzeugtypen“, heißt es dazu erklärend im Antrag.
Wegen Wohnmobilen in Möhringen Hilferuf an Stadtverwaltung
Der Parkplatz des Freibads Möhringen könnte eine solche Fläche sein. Sie wird gerade im Herbst und Winter kaum genutzt. Doch ganz so einfach ist es nicht: Auf dem Freibadparkplatz werden zum einen während der Adventszeit traditionell Christbäume verkauft. Zum anderen soll ab 2029 die Fläche Standort eines mobilen Ersatzhallenbads werden.
Hinzu kommt: Sollte die Stadtverwaltung tatsächlich in Möhringen eine zentrale Abstellfläche für Camper zur Verfügung stellen, würde das mit Sicherheit entsprechende Begierden aus anderen Stadtbezirken nach sich ziehen. Auf Anfrage betont die Stadt, dass es bisher im Stadtgebiet keine solchen zentralen Abstellflächen für Wohnmobile gebe. „Derzeit ist es auch nicht geplant, solche Flächen auszuweisen“, betont ein Sprecher. Bleibt also abzuwarten, ob sich das nun ändert.