Meningokokken lösen schwere Krankheiten aus. Warum nun eine Impfung von 12 bis 14 Jahren empfohlen wird – und was ein Stuttgarter Experte dazu sagt.
Sie sind mikroskopisch klein, können jedoch schwerste Krankheiten auslösen: Eine Infektion mit Meningokokken kann zu Hirnhautentzündung und zu Sepsis (Blutvergiftung) führen – und innerhalb weniger Stunden tödlich verlaufen. „Meningokokken-Infektionen sind selten, aber fürchterlich“, bestätigt Friedrich Reichert, der ärztliche Leiter der Kindernotaufnahme und Kinder-Infektiologie im Olgahospital des Klinikums Stuttgart.
Betroffene Patienten – häufig Kinder und Jugendliche – hätten meist zunächst normale Infektzeichen mit Halsschmerzen, Fieber, Schlappheit. „Nach kurzer Zeit kann es den Kindern oder Jugendlichen aber rapide schlechter gehen – wenn sich eine Sepsis entwickelt, sind die Patienten in wenigen Stunden in höchster Lebensgefahr auf der Intensivstation“, so Reichert weiter. Jede Kinderärztin und jeder Kinderarzt, die dieses Krankheitsbild einmal gesehen haben, werden bestätigen: Es gibt kaum eine Erkrankung, vor der man mehr Angst hat“, sagt Reichert.
Gefährdet sind vor allem Babys, Kinder und Jugendliche. In Deutschland gibt es bei Säuglingen im ersten Lebensjahr durchschnittlich fünf schwere Infektionsfälle pro Jahr. Bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 sind es im Schnitt elf Fälle. Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät daher nun erstmals bei Kindern im Alter von 12 bis 14 Jahren zu einer Impfung gegen Meningokokken – und zwar zu einer Vierfachimpfung gegen die Stämme A, C, W und Y (insgesamt gibt es zwölf Stämme).
Teenager sind häufigste Träger von Meningokokken
Damit sollen vor allem ältere Kinder und Jugendliche geschützt, aber auch der sogenannte Herdenschutz erhöht werden. Für Kleinkinder fällt hingegen eine Impfung weg, nämlich die gegen den Meningokokken-Stamm C. Denn die Verbreitung dieses Typs ist deutlich zurückgegangen. „Aus pädiatrischer Sicht ist es zu begrüßen, dass die Impfempfehlungen regelmäßig an die epidemiologische Situation angepasst werden“, so Reichert.
Wieso bestimmte Altersgruppen besonders betroffen sind, ist aber noch unklar. Ein Faktor ist wohl, dass das Immunsystem von Neugeborenen noch nicht ausgereift ist. Jugendliche wiederum haben durch die Schule und ihr Sozialverhalten viele enge Kontakte. Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass ältere Kinder und Teenager die höchste Meningokokken-Besiedelung aufweisen. Der Zeitpunkt zwischen 12 und 14 Jahren wurde laut Stiko daher gewählt, um rechtzeitig vorzubeugen.
Folgen von Meningokokken-Infektion sind verheerend
Haben Meningokokken die Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen besiedelt, können sie sich von dort aus weiter verbreiten. Gelangen sie in die Blutbahn und ins Gehirn, wird es heftig: „Die inneren Organe versagen, die Blutgerinnung versagt, was zu Hauteinblutungen und Durchblutungsstörungen führt. Und viele Patienten sind auch mit modernster Intensivmedizin nicht mehr zu retten“, erklärt der Mediziner Reichert.
Überlebende tragen teils schwere Schäden davon, etwa Lähmungen, Lernschwierigkeiten und psychische Störungen. In manchen Fällen verlieren Betroffene ihr Hörvermögen oder sogar Gliedmaßen, die nach einem septischen Verlauf amputiert werden müssen.
Neue Impfung gegen Meningokokken: Kassen zahlen noch nicht
„Früher war die Impfung gegen die Meningokokken-Stämme A, C, W und Y nur als Indikations- oder Reiseimpfung empfohlen.“ Da diese Stämme sich aber zunehmend in Deutschland verbreiten, die Meningokokken C bei Kleinkindern aber immer seltener werden, „und sich zudem noch die Altersverteilung etwas geändert hat“, so der Experte vom Olgäle, „gibt es nun die neue Impfempfehlung für Meningokokken A, C, W und Y für alle 12- bis 14-Jährigen.“ Bis zum 25. Lebensjahr könne die Impfung nachgeholt werden - „was ich auch allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen raten würde“, betont Reichelt.
Wer schon die Impfung gegen Typ C bekommen hat, solle künftig trotzdem den Vierfachimpfschutz erhalten, raten Experten. Und wie steht es um die Kosten? Trotz der neuen Empfehlung ist die Impfung noch keine Kassenleistung. Nach Einschätzung von Experten wird es noch mehrere Monate dauern, bis die gesetzlichen Kassen die Impfung übernehmen.