Impfung gegen Masern und Polio Impfmuffel sitzen vor allem in gut situierten Stuttgarter Stadtteilen

Unzureichende Quoten in Stuttgart: Impfung gegen Polio. Foto: www.imago-images.de/via www.imago-images.de

Nach Jahrzehnten ist auch in Stuttgart die Durchimpfungsrate gegen Masern so hoch wie von der WHO empfohlen. Doch bei der Impfung gegen Polio (Kinderlähmung) sieht es anders aus. Woran liegt die niedrige Impfquote in der Landeshauptstadt?

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Erstmals seit Jahrzehnten hat Stuttgart im vergangenen Jahr beim Masernschutz die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Durchimpfungsquote von 95 Prozent erreicht. Während man im Land, wo die Rate ebenfalls lange unterschritten worden war, diesen Wert mit 97 Prozent bereits ein Jahr zuvor übersprungen hatte, kam die Landeshauptstadt erst 2024 auf nunmehr knappe 95,4 Prozent. Das hat die Auswertung der Einschulungsuntersuchungen durch das städtische Gesundheitsamt für die zurückliegenden Jahre ergeben.

 

Bei den Masern jetzt „Herdenschutz“

Damit hat auch in Stuttgart die seit März 2020 geltende Impfpflicht gegen Masern ihre beabsichtigte Wirkung entfaltet. Ab dieser Quote geht man davon aus, dass der sogenannte „Herdenschutz“ erreicht ist, wodurch trotz immer wieder auftretender Infektionsfälle eine großflächige Ausbreitung vermieden werden kann. Seither müssen Kinder von einem Lebensjahr an, die eine Kita oder Schule besuchen wollen, einen Immunitätsnachweis erbringen. Gleiches gilt für das dort tätige Personal. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes vor fünf Jahren hat das städtische Gesundheitsamt insgesamt 3363 Personen registriert, die zunächst keinen vollständigen Impfschutz oder keine Immunität nachweisen konnten. Zum größten Teil (80 Prozent) haben sie diesen Nachweis dann nachträglich erbracht.

Die ausgesprochen niedrige Masernimpfquote war über viele Jahre ein Thema in Stuttgart. Vor allem bei der zweiten Impfung, die gemacht wird, weil die erste nicht bei allen Kindern wirkt, erreichte man hier meist nur Werte zwischen 85 und 90 Prozent, vor einigen Jahren noch mit abnehmender Tendenz. Dies war vor allem in gehobenen Wohnlagen der Stadt der Fall. Kleinräumige Auswertungen ergaben im Jahr 2016 besonders niedrige Durchimpfungsraten bei Kindern im Bereich der Lenzhalde (68,8 Prozent) sowie in den Stadtteilen Gänsheide (76,9 Prozent), Uhlandshöhe (74,5) und in Botnang-West (72,2 Prozent).

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich nun bei den Impfquoten gegen Polio, besser bekannt als „Kinderlähmung“. In fünf von hundert Fällen befällt der Poliovirus das Nervensystem, bei jedem Hundertsten bis Tausendsten der Infizierten kommt es zur gefürchteten Kinderlähmung. Hierzulande gilt die Krankheit allerdings als ausgerottet, weshalb manche Eltern eine Immunisierung offenbar nicht mehr für nötig halten, weltweit ist das aber nicht der Fall. Deshalb wird die Impfung inklusive einer Auffrischungsimmunisierung auch hier weiter empfohlen.

Polio-Impfrate unter dem Landesdurchschnitt

Auch bei Polio liegt Stuttgart mit einer Durchimpfungsquote von nur 86,6 Prozent noch unter dem Landeswert von 88,8 Prozent. Deshalb fragt man sich beim Gesundheitsamt, „ob in bestimmten Bereichen der Stadt eine gezielte Impfaufklärung benötigt wird“, heißt es in einer Darstellung der Ergebnisse. Eine Auswertung nach Stadtteilen hat ergeben, dass in den Innenstadtbezirken Süd, Mitte, Ost und Nord sowie in Birkach, Degerloch, Botnang, Obertürkheim, Bad Cannstatt, Untertürkheim, Mühlhausen und Zuffenhausen die Menschen gegen Polio „unterdurchschnittlich vollständig geimpft sind“. Im Stuttgarter Süden hätten „die gut situierten Stadtteile Weinsteige, Bopser, Karlshöhe und Lehen die geringsten Durchimpfungsraten“.

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