In Stuttgart geparkte Wohnmobile Streit um blockierte Parkplätze – Anwohner sorgen sich um Sicherheit von Kindern

Felix Kratz, Bewohner der Balinger Straße in Möhringen, macht auf die Gefahren durch die massenhaft abgestellten Wohnmobile aufmerksam. Foto: Torsten Schöll

Die Diskussion um die Überwinterung von Wohnmobilen in der Stadt geht weiter – auch in den Sozialen Medien. Die Anwohner sind sauer, Wohnmobilbesitzer reagieren zum Teil genervt.

Die massenhaft am Straßenrand abgestellten Wohnmobile in einem Wohngebiet in Stuttgart-Möhringen sorgen weiter für Wirbel. Felix Kratz ist nicht der einzige Bewohner der Balinger Straße, der sich darüber ärgert. Der 37-Jährige zeigt eine Fotografie, auf der ein Schreiben mit einem großen roten Ausrufezeichen zu sehen ist. Das Flugblatt habe ein ihm unbekannter Nachbar bereits im Frühjahr dieses Jahres an die Fensterscheiben der Wohnmobile geheftet, erzählt Kratz.

 

Der anonyme Schreiber appelliert darin an die „gesellschaftlich-soziale Vernunft“ der Wohnmobilbesitzer. Durch die vielen abgestellten Urlaubsfahrzeuge hätten die Anwohner der Straße „in Stoßzeiten kaum noch eine Chance, einen Parkplatz in der Nähe der Wohnung zu finden“, schreibt er. Und weiter: Insbesondere die Sicherheit der Kinder sei „durch die mit großen Fahrzeugen zugeparkte Straße stark vermindert“. Dass die Camper grundsätzlich am Straßenrand abgestellt werden dürfen, räumt der Anwohner ein, sieht aber die Wohnmobilbesitzer als verantwortliche Mitbürger „in der Pflicht“.

Der Bezirksbeirat fordert die Stadt Stuttgart auf, einen zentralen Parkplatz für Wohnmobile zu schaffen

Abgestellte Wohnmobile sorgen vielerorts für Ärger bei Anwohnern. (Symbolbild) Foto: imago/Wilhelm Mierendorf

Kratz selbst, der aus seinem Arbeitszimmer einen guten Blick auf die Balinger Straße hat, berichtet davon, dass hin und wieder die Besitzer der Camper mit dem Auto oder dem Fahrrad vorbeischauen, um an ihren Fahrzeugen zu hantieren. „Anschließend fahren sie wieder weg.“ Nur wenige seien es, die auch selbst in der Straße wohnen. Er hat sich vor einiger Zeit die Mühe gemacht, die Wohnmobile an dem betreffenden Straßenabschnitt zu zählen: „Da waren es rund 25“, sagt er.

Weil sich das Problem auch auf dem Hintergrund zunehmender Zulassungszahlen zu verschärfen scheint und auch in anderen Wohngebieten zunehmend auftritt, hat der Bezirksbeirat Möhringen die Stadt in seiner letzten Sitzung dazu aufgefordert, einen zentralen Parkplatz für die Wohnmobile zur Verfügung zu stellen. Die Verwaltung hatte auf Anfrage ihrerseits betont, dass es Vergleichbares bisher in der Stadt noch nicht gebe.

Auch in Stuttgart-Degerloch beschweren sich Anwohner über geparkte Wohnmobile

Anwohner Felix Kratz glaubt, dass breite Wohnstraßen wie die Balinger Straße bei Wohnmobilisten als Abstellplätze deshalb beliebt sind, weil die Bewohner ringsherum gleichzeitig eine gewisse Sicherheitsgarantie für die Fahrzeuge darstellen. In menschenleeren Gewerbegebieten sei das nicht der Fall. Für Kratz, der selbst kein Auto besitzt, ist das durch die Camper hervorgerufene Parkplatzproblem persönlich eher zweitrangig. Er findet es weitaus problematischer, dass die großen Camper die Straßenschilder verdecken und vor allem für Kinder die Querung der Straße brandgefährlich machen.

Dass sich auch andernorts die Wohnmobile an Straßenrändern ballen, zeigt ein Fall, auf den eine Leserin aufmerksam macht. Sie schreibt, die „gleiche Situation besteht in Stuttgart-Degerloch vor dem Neuen Friedhof in der Schöttlestraße“. Dort stünden Dauerparker sommers wie winters. „Trauergäste finden keinen Parkplatz“, sagt sie.

Die Reaktionen, die das Problem in den Sozialen Medien hervorruft, sind vielfältig: Zahlreiche Leser zeigen Verständnis für den Ärger der Anwohner und berichten von eigenen Erfahrungen mit zugeparkten Wohnstraßen. Andere betonen, dass Wohnmobile und Autos beim Parken gleichberechtigt seien. So schreibt etwa ein Wohnmobilbesitzer: „Sorry, aber ich zahle für mein WoMo jedes Jahr Steuern, wie jeder andere Fahrzeugbesitzer auch. Also kann ich auch parken, wo ich möchte, solange ich keinen blockiere.“

Weitere Themen