Die Metall- und Elektroindustrie im Kreis Ludwigsburg hat wirtschaftlich stark zu kämpfen. Doch es gibt Hoffnung, dass die Region als Industriestandort nicht völlig abgehängt wird.
Dass die Südwestmetall, Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie, von ihren Mitgliedsunternehmen im Kreis Ludwigsburg derzeit kaum positive Rückmeldungen zur wirtschaftlichen Lage bekommt, überrascht wenig. Schlechte Auftragslage, wenige Investitionen, drohender Stellenabbau – die Herausforderungen sind vielerorts gleich. Vor allem wer international ausgerichtet ist, hat immer mit immer mehr Konkurrenz zu kämpfen, allen voran aus China. Wie kann die Region als Industriestandort den Anschluss halten?
Klar ist: Nur zwei Drittel der Unternehmen in der Bezirksgruppe Ludwigsburg-Rems-Murr planen derzeit überhaupt noch Investitionen, mehr als 40 Prozent davon im Ausland. Das sei alarmierend, sagt der Bezirksgruppenvorsitzende Michael Prochaska. „Wer mal abgewandert ist, kommt nicht mehr zurück.“ Die Gründe, dass Deutschland als Standort zunehmend unattraktiv werde, sind bekannt: hohe Arbeitskosten, hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie.
Zölle sind das neue Normal
„Wir werden als Unternehmen nicht warten, bis hier eine Stabilität zurückkehrt“, sagt Hanno Höhn, Geschäftsführer von Mann+Hummel und Prochaskas Stellvertreter in der Bezirksgruppe. Stattdessen sei die derzeitige Situation zwischen Zöllen, Lieferengpässen und veränderten Märkten das neue Normal. Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauche man die Unterstützung der Politik. „Wir sehen die neue Landesregierung in der Verantwortung“, so Höhn. Baden-Württemberg habe in Berlin und Brüssel Gewicht. „Wir erwarten, dass dieser Hebel aktiv genutzt wird, um die Interessen des Industriestandorts zu vertreten.“
Gleichzeitig stehe Mann+Hummel zum Standort Ludwigsburg: „Hier investieren wir nicht in Fertigungsanlagen, sondern in Talente, in Wissen.“ Das Unternehmen hat sich darauf ausgerichtet, weg vom Fokus auf die Autoindustrie zu kommen, sich breiter aufzustellen. Ludwigsburg solle dabei zum „Kollaborations- und Innovationscampus“ werden, wie es Höhn formuliert.
Zwar würde China in Sachen technischem Know-how aufholen, was sich bei einigen Unternehmen auch schon bemerkbar mache. „Aber wir haben ein gutes Ausbildungssystem, haben gute Universitäten, die schon jetzt auf die richtigen Themen eingehen“, sagt Michael Prochaska. „Dieses Wissen müssen wir nur noch aus den Hochschulen heraus in die Unternehmen bekommen.“