Was Deepfakes anrichten können, hat die Stuttgarterin Jasmin Gnu erlebt. Sie hätte wegen der Fake-Filme fast Aufträge verloren – weil Kunden dachten, sie würde Pornos drehen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Als am Wochenende durch eine Recherche des Magazins „Der Spiegel“ das Thema Deepfakes im Internet hohe Aufmerksamkeit bekam, musste Jasmin Gnu nicht googlen. Im Gegensatz zu vielen, die den Begriff im Zusammenhang mit dem Fall Fernandes/Ulmen zum ersten Mal hörten, weiß die Influencerin seit Jahren, was diese mitunter täuschend echt wirkenden falschen Bilder und Videos, mit Bearbeitungsprogrammen oder Künstlicher Intelligenz (KI) hergestellt, einem antun können. Ihre Bilder wurden genommen und für Deepfakes verwendet.

 

2023 machte Gnu öffentlich, dass von ihr vor allem auf der Plattform Reddit künstlich erzeugte Nacktaufnahmen gelandet waren. Die Tatpersonen hatten die Fakes mit dem echten Gesicht der Influencerin bestückt. Sie begann daraufhin, sich gegen diese Möglichkeiten und für deren effektivere Bekämpfung einzusetzen. Bislang sind Deepfakes nicht strafbar. Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat nun die Absicht erklärt, das ändern zu wollen – und zwar nicht nur, wenn es sexualisierte Inhalte sind, sondern grundsätzlich. In einem Beitrag auf Instagram hat Jasmin Gnu am Montag veröffentlicht, welche Folgen – neben der psychischen Belastung – derlei Bild- und Videomaterial noch haben kann: Es hätte sie beinahe einen bereits für April vereinbarten Auftrag gekostet.

„Sehr, sehr viele Filmchen“: Deepfakes gefährden Aufträge

Der Auftrag für einen Auftritt kam aus den USA, die Auftraggebenden hätten vor der Vergabe nach ihr im Netz gesucht. Dabei seien sie auf „sehr, sehr viele von solchen Filmchen gestoßen“ – gemeint sind die sexualisierten Deepfake-Videos. Als Beleg blendet Gnu unkenntlich gemachte Screenshots der Filme ein. Die Firma habe aufgrund des Videomaterials den Rückschluss gezogen, Jasmin Gnu sei eine „Filmchen-Darstellerin“, wie sie es umschreibt. Sie beklagt, dass Material von den Opfern – in diesem Fall auch von ihr – im Umlauf sei, „wie Du es niemals haben möchtest, das ist einfach schrecklich“. Am Ende des Videos erklärt sie ihre „volle Solidarität mit Collien Fernandes“. Die Moderatorin und Schauspielerin hatte veröffentlicht, über Jahre hinweg ebenfalls Opfer von Deepfakes gewesen zu sein. Sie erstattete in Spanien Anzeige gegen ihren Ex-Mann deswegen.

Polizei gibt Tipps: Wie schützt man sich vor Deepfake-Gefahren?

Der Schutz vor Deepfakes ist schwierig – auch, weil es bislang keinen eigenen Straftatbestand gibt. Die Polizei rät dennoch zu ein paar Vorsichtsmaßnahmen: Man solle genau überdenken, welche Fotos und wie viele Inhalte man online stellen wolle.

In Deutschland läuft eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Hintergrund ist eine „Spiegel“-Recherche über Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes, die ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Produzenten Christian Ulmen, laut dem Nachrichtenmagazin wegen „Anmaßung des Personenstands, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwerer Bedrohung“ angezeigt hat.

Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, wie es in einem veröffentlichten Informationsschreiben heißt. Eine Anfrage unserer Zeitung zu den erhobenen Vorwürfen ließ die Kanzlei unbeantwortet. Ein in Spanien geführtes Ermittlungsverfahren befindet sich in einer sehr frühen Phase. Es gilt die Unschuldsvermutung.