Instagram, TikTok und andere Altersbeschränkung für Social Media? Was für ein Unsinn!

In welchem Alter sind junge Menschen fit für Social Media? Foto: Yui Mok

Eine Altersbeschränkung für die Nutzung von sozialen Medien wäre nicht sinnvoll. Denn der Umgang mit ihnen muss gelernt werden, kommentiert Tobias Peter.

Korrespondenten: Tobias Peter (pet)

Verbietet Lesenlernen! Oder aber zumindest: Bringt es jungen Menschen nicht mehr bei, bevor sie 16 Jahre alt sind! Es sind so fürchterliche Dinge aufgeschrieben worden, so oft wird mit geschriebener Sprache gemobbt, dass man Kinder besser davon fernhält. Klingt verrückt? Vielleicht. So aber ungefähr funktioniert die Logik derer, die eine Altersbegrenzung für Social Media fordern.

 

Ist das nicht polemisch überspitzt? Ja, ein Stück weit. Dennoch ist es sachgemäßer als die Begründung, mit der Bildungsministerin Karin Prien für mehr Regulierung wirbt. „Wir lassen unsere Kinder doch auch nicht ins Bordell oder in den Schnapsladen“, sagt sie. Ein Satz, der zupackend klingt. Und der doch außer Acht lässt, dass die sozialen Medien nicht nur Probleme mit sich bringen, sondern auch ganze Welten eröffnen, die zum heutigen Leben dazugehören. Anders als der Schnapsladen und das Bordell werden und müssen sie unweigerlich Teil eines jeden Erwachsenenlebens sein.

Auch auf die Schulen kommt es an

Wer heute jung ist, hat ein Leben vor sich, in dem das Internet, soziale Medien und auch Künstliche Intelligenz eine riesige Rolle spielen werden. Den Umgang damit muss man lernen. Für manche Eltern mag es attraktiv erscheinen, Kinder erst ab dem Alter von 16 Jahren Social Media nutzen zu lassen – weil Mütter und Väter sich dann vermeintlich nicht um das Thema kümmern müssten. Das müssen sie dann aber doch, weil sich Kinder nicht von der Welt abschotten lassen. Natürlich müssen auch die Schulen einen wichtigen Beitrag leisten. Das Thema ist zunehmend so wichtig wie Lesen oder Rechnen lernen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll, kommt aus der Praxis. Wenn er an der Umsetzbarkeit einer Altersbeschränkung zweifelt und sie auch nicht für pädagogisch sinnvoll hält, sollten alle genau zuhören. Er hat als Schulleiter jeden Tag mit dem Thema zu tun. Auch jenseits griffiger Forderungen und Schlagzeilen.

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