Internes VW-Schreiben Wie VW-Chef Blume die Beschäftigten auf das Jahr einschwört
VW-Chef Oliver Blume bereitet die Beschäftigten des Konzerns auf ein hartes Jahr 2025 vor. An der bisherigen Elektro-Strategie übt er deutliche Kritik.
VW-Chef Oliver Blume bereitet die Beschäftigten des Konzerns auf ein hartes Jahr 2025 vor. An der bisherigen Elektro-Strategie übt er deutliche Kritik.
Nach der Einigung mit den Arbeitnehmervertretern auf ein Sanierungspaket sieht VW-Chef Oliver Blume im Konzern reichlich Nachholbedarf auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit. In einem internen Interview mit der Konzernpressestelle, über das „Business Insider“ zuerst berichtete, übt Blume deutliche Kritik an der bisher betriebenen Ausrichtung auf die Elektromobilität. Zudem benennt er erstmals Schlüsselspieler, auf die er bei der angestrebten Rückkehr in die Erfolgsspur besonders setzt.
Bei den Antriebstechnologien hat der Konzern nach Blumes Ansicht den Hybrid stark vernachlässigt. „Gerade beim Thema Hybrid haben wir Nachholbedarf“, erklärt Blume mit Verweis auf die VW-Marke Audi. „Die Konkurrenz ist schon längst mit Angeboten im Markt.“ Es gelte daher nun, pragmatisch, kostengünstig und schnell zu sein.
In seinen öffentlichen Aussagen geht Blume bisher deutlich milder mit der offenkundigen Hybrid-Lücke ins Gericht. „Unsere Marken bieten schon attraktive Modelle an“, sagte er kurz vor Weihnachten. Man prüfe derzeit, in welchen Verbrennungsfahrzeugen die Produkte „punktuell“ um Hybridantriebe ergänzt werden könnten. Die Äußerungen in dem konzerninternen, für die Beschäftigten geführten Interview sind nun deutlich drängender gehalten als die öffentlichen Ankündigungen zwei Wochen zuvor.
Belegschaft, Arbeitnehmervertretung und Unternehmensführung müssten nun „zu einem gemeinsamen Ziel zurückfinden“, so Blume. Dabei gebe es „zentrale Schlüsselspieler“. Stellvertretend gehörten dazu VW-Markenchef Thomas Schäfer, der für die Komponenten verantwortliche Vorstand Thomas Schmall sowie Nutzfahrzeug-Chef Carsten Intra. Diese hätten „das Vertrauen und die Rückendeckung des Konzernvorstands“.
Nicht namentlich erwähnt werden die Chefs der erfolgreichen Konzernmarken Škoda und Seat, Klaus Zellmer und Wayne Griffiths, deren Marken mit ihren geschäftlichen Erfolgen genannt werden. Möglicherweise ist dies allerdings auch damit zu erklären, dass sich die drei genannten Chefs der großen deutschen VW-Einheiten noch einmal einen besonderen Dank für ihre Mitwirkung an der hart umkämpften Tarifeinigung für die inländischen Volkswagen-Standorte abholen sollten.
Wenige Wochen vor der vorgezogenen Bundestagswahl kritisiert Blume heftig die Bedingungen, unter denen Unternehmen in Deutschland arbeiten müssen. „Die Rahmenbedingungen passen nicht, um den Standort wieder zu alter Stärke zu führen“, erklärt Blume den Mitarbeitern. Deutschland brauche „einen echten Aufbruch. Wir müssen vom Seitenstreifen zurück auf die Überholspur“, erklärt er und fordert einen „neuen deutschen Masterplan“.
Dazu gehörten die Förderung von Forschung und Entwicklung, Investitionen in die digitale Infrastruktur, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung sowie Qualifizierung und die Sicherung der Fachkräfte. Das Land benötige „einen Neustart. Und für alle: den Hunger auf Erfolg“. Auf eine Wahlempfehlung lässt sich Blume allerdings nicht ein.
Kurz vor Weihnachten hatte das Unternehmen nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der IG Metall und dem Betriebsrat eine Einigung erzielt. Dazu gehören der Abbau von 35 000 Arbeitsplätzen und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für sechs Jahre.