Investitionen in Metzinger Start-up Neura Robotics holt sich offenbar Scheich aus Katar an Bord

Produktion bei Neura Robotics Foto: Neura Robotics

Das Metzinger Start-up Neura Robotics hat offenbar eine Milliarde Euro bei Investoren eingesammelt. Mit an Bord: ein Scheich aus Katar und Amazon. Welche Rolle Bosch spielt.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Das Robotik-Start-up Neura Robotics aus Metzingen, nahe Stuttgart, hat prominente Investoren an Bord geholt und will massiv in die Entwicklung humanoider Roboter investieren, die durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuert werden.

 

Bei der jüngsten Finanzierungsrunde im März soll Neura Robotics offenbar rund eine Milliarde Euro eingesammelt haben. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, sollen sich unter anderem Scheich Hamad bin Jassim Al Thani, Mitglied der katarischen Herrscherfamilie, und Amazon. com an der Kapitalerhöhung beteiligt haben. Auch Technologiekonzern Bosch und Autozulieferer Schaeffler werden als Investoren genannt. Bosch wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Spekulationen generell nicht äußern“, sagte eine Bosch-Sprecherin. Auch bei Neura Robotics gab man sich auf Nachfrage wortkarg: „Zu diesem Thema haben wir keinen Kommentar“, teilte das Unternehmen mit.

Partnerschaft mit Bosch

Der Scheich aus Katar soll dem Bericht zufolge über seine Holdinggesellschaft Prime Capital SA mit Sitz in Luxemburg Anteile an Neura Robotics erworben haben. Er ist bekannt für seine strategischen Investitionen in europäische Firmen – dazu zählen etwa die britische Barclays Bank oder das Londoner Luxuskaufhaus Harrods, der Scheich wurde auch Investor bei der Deutschen Bank.

Bosch hatte erst im Januar 2026 eine Entwicklungs- und Technologiepartnerschaft mit Neura Robotics bekannt gegeben, um gemeinsam auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierte Software für humanoide Roboter zu entwickeln. Das Metzinger Start-up kooperiert auch mit Autozulieferer Schaeffler, der in seinen Fabriken künftig verstärkt auf menschenähnliche Roboter setzen will.

Am Flughafen München soll das größte Robotik-Lernzentrum Europas entstehen soll – ein Gemeinschaftsprojekt der Technischen Universität München und von Neura Robotics. Ab Mitte 2026 soll dort eine eine große Flotte humanoider Roboter unter realen Bedingungen für ihren Einsatz im Alltag trainiert werden – von KI unterstützt. Nach Aussagen von David Reger, Gründer und Chef von Neura Robotics, liegt der Schlüssel in den Daten. „Die größte Herausforderung bei der Weiterentwicklung intelligenter Robotik ist heute nicht mehr die Hardware, sondern der Zugang zu hochwertigen, realitätsnahen Trainingsdaten.“

Neura Robotics ist eine der wenigen deutschen Firmen, die im Technologiewettlauf um die Entwicklung humanoider Roboter – deren Aussehen und Bewegungsabläufe dem Menschen nachempfunden sind – mitmischen. „Wir werden die ersten Durchbrüche sehr schnell sehen“, hatte sich Reger kürzlich gegenüber „FAZ.net“ geäußert. Geht es nach ihm, könnten die menschenähnlichen Roboter schon bald massenweise in den Fabriken einfache Tätigkeiten übernehmen. 2025 hatte Reger gesagt, sein Unternehmen verfüge über Aufträge im Wert von fast einer Milliarde Dollar (rund 860 Millionen Euro). Neura Robotics hatte sich unter anderem von Schaeffler einen Großautrag über 300 Millionen Euro gesichert.

Humanoide Roboter – Modell 4NE1 – im Einsatz an einer Auto-Montageline Foto: Neura Robotics

Auf der Internetseite von Neura Robotics sind unterschiedlichste Fotos humanoider Roboter zu sehen – etwa an einer Auto-Montageline, im Haushalt beim Ausräumen eines Geschirrspülers oder beim Wäschesortieren. Das Hightech-Unternehmen aus Metzingen arbeitet auch mit der Stuttgarter Bauconsultingfirma Drees & Sommer zusammen, um intelligente Gebäude zu planen, die mit Robotern interagieren.

Neura Robotics wurde 2019 von David Reger mit dem Ziel gegründet „die Welt der Robotik zu revolutionieren“. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 1200 Mitarbeiter aus 45 Nationen. Neura Robotics entwickelt nach eigenen Angaben alle Schlüsseltechnologien wie KI, Steuerungssoftware, Sensortechnik und mechanische Komponenten im eignen Haus.

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