Isabel Grupps Vater Johannes ist der jüngere Bruder von Textilunternehmer Wolfgang Grupp, dessen Kinder Bonita und Wolfgang junior sind ihre Cousine und ihr Cousin. „Wir verstehen uns gut und haben teils überlappende Freundeskreise und ja auch die gleichen Themen“, sagt Familienunternehmerin Isabel Grupp, wenngleich die Branchen unterschiedlich sind.
Bei den Grupps denken viele an Trigema in Burladingen, nicht aber an Plastro Mayer, dessen Firmensitz weniger als 20 Kilometer entfernt liegt. Dabei sind die Kunststoffteile des Mittelständlers mit rund 250 Beschäftigten nahezu in jedem deutschen Haushalt zu finden – ob bei Kabeln, im Kühlschrank oder in Produkten wie Staubsaugern, Kaffeemühlen oder Spielesets, die Plastro Mayer teils auch komplett montiert. Zu den Kunden gehören bekannte Firmen wie Stihl, Kärcher, Liebherr, Miele, aber auch Festool oder Hansgrohe.
Dass Isabel Grupp mal ins Familienunternehmen nachfolgt, war keine Selbstverständlichkeit, auch wenn sie Betriebswirtschaft und Management studiert und dann ihren Masterabschluss im Bereich International Business Development gemacht hat. „Wenn man in so ein privilegiertes Leben hineingeboren wird, der Vater einem das zutraut und die Chance gibt, sollte man die nutzen“, findet die Frau, die in Trochtelfingen ihre Kindheit verbracht, am Bodensee und in Reutlingen studiert und noch Auslandserfahrung in New York gesammelt hat.
2011 hat sie bei Plastro Mayer als Trainee angefangen, „denn das Wissen und Know-how sind trotz Masterabschluss sehr, sehr dünn“, sagt Isabel Grupp. So habe sie das Unternehmen und den Spirit besser kennenlernen können, auch wer die Treiber oder Bremser sind.
Influencerin und gefragte Expertin zum Thema Führung
Sie hat in verschiedenen Abteilungen gearbeitet, auch in der Produktionsplanung und -steuerung. „Da habe ich festgestellt, dass mir einiges an technischem Wissen fehlt, das ich dringend brauche, um insbesondere als Frau in dieser Branche selbstbewusst und kompetent gegenüber Beschäftigten, Kunden und Lieferanten auftreten zu können“, sagt sie. Deshalb hat sich Isabel Grupp nebenberuflich noch am Institut für Kunststofftechnik in Stuttgart Wissen in der Verfahrenstechnik angeeignet.
Seit 2015 ist sie in der Geschäftsführung – in der männerdominierten Kunststoffbranche eine von wenigen Frauen in Führungspositionen und engagiert sich auch übers Unternehmen hinaus. Grupp ist unter anderem Landesvorsitzende des baden-württembergischen Verbands „Die Jungen Unternehmer“ und als Influencerin in den sozialen Medien präsent, sie hält Vorträge zum Thema Führung und Leadership und ist auch gefragte Gesprächspartnerin bei Podiumsdiskussionen.
Themen wie Nachfolge, Frauen in MINT-Berufen und Chancengleichheit liegen ihr am Herzen. „Ich möchte Frauen ermutigen, auch solche Wege zu gehen und sich mehr zuzutrauen.“
„Rot lackierte Fingernägel und blonde Haare“
Wenn sie über solche Themen redet, sprüht sie geradezu vor Energie. Natürlich hat auch Isabel Grupp mit Klischees zu kämpfen. Bei Vorträgen bringt sie daher provokante Sätze wie: „Es hat keiner auf eine Frau mit rot lackierten Fingernägeln und blonden Haaren als Tochter gewartet.“ Doch ihre Erfahrung ist positiv, denn „das Schubladendenken ist schnell passé, wenn man mit Know-how und kompetentem Auftreten punkten kann“, sagt die Familienunternehmerin.
Was für Sie eine gute Führungskraft ausmacht? „Zuhören ist wichtig, authentisch sein und werteorientiert“, kommt die prompte Antwort. Das hat für sie mit Empathie und Respekt zu tun und auch damit, andere zu befähigen, das größte Potenzial aus sich herauszuholen statt sie kleinzureden. „Stärken stärken, Schwächen schwächen“, bringt sie es auf einen Nenner. Auch plädiert sie für Führung mit Emotion – weibliche Führungskräfte täten sich da oft leichter.
Im Unternehmen liegt ihr Fokus unter anderem auf Themen wie Mitarbeiterführung, Digitalisierung, Social Media und Employer Branding. Letzteres hat zum Ziel, den Arbeitgeber als Marke zu positionieren. Angesichts des Fachkräftemangels sei das auch für einen reinen Industriezulieferer wichtig, sagt Isabel Grupp. Als Influencerin ist sie vielen potenziellen Azubis bekannt, wie die Bewerbungsgespräche zeigen.
„Unternehmertum ist eine Lebensaufgabe“
Privates und Geschäftliches sind für sie oft nicht zu trennen – auch nicht beim gemeinsamen Mittagessen mit dem Vater. „Unternehmertum ist eine Lebensaufgabe“ , findet die umtriebige Frau. Im Urlaub kämen ihr mitunter die besten Ideen. Andere unterhielten sich in der Freizeit doch auch über ihren Job. Privat ist sie mit dem Unternehmer Georg Kofler liiert, der Juror bei der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ und früher Chef des TV Senders Pro Sieben war.
Plastro Mayer geht auf Trigema zurück
Historie
Plastro Mayer wird 1957 als Tochtergesellschaft der Textilfirma Trigema von Franz Grupp gegründet. Er ist der Vater von Wolfgang und Johannes Grupp und der Schwiegersohn des Trigema-Günders Josef Mayer. Der Name Plastro Mayer setzt sich aus Plastik Trochtelfingen und dem Nachnamen von Josef Mayer zusammen. Seit 1976 ist Plastro Mayer unabhängig und eigenständig.
Management
1979 steigt mit Johannes Grupp die zweite Generation ins Unternehmen ein. Seit 1986 ist der geschäftsführende Gesellschafter auch alleiniger Inhaber. 2011 kommt seine Tochter Isabel als Vertreterin der dritten Generation ins Unternehmen, seit 2015 wird Plastro Mayer als Vater-Tochter-Gespann geführt.
Geschäftsbereiche
Der Kunststoffspezialist und Industriezulieferer hat vier Geschäftsbereiche – Spritzguss, Kabel (vom Stecker bis zur Tülle), Werkzeugbau und Gerätemontage – und einen Jahresumsatz von rund 33 Millionen Euro. Produziert wird ausschließlich in Trochtelfingen.