Ein Brand mit Millionenschaden auf dem Gelände eines Baustoffhandels in Korntal-Münchingen machte im Juni Schlagzeilen. Nun werden Fotos des mutmaßlichen Täters publik.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Wer ist die Person auf den Bildern einer Überwachungskamera? Nach dem Brand auf dem Gelände eines Baustoffhandels im Stadtteil Korntal Ende Juni fahndet die Polizei nun mit Bildern aus Überwachungskameras öffentlich nach dem mutmaßlichen Täter. Zuvor war die Ermittlungsgruppe „Silo“ gebildet worden, sie ermittelt unter der Leitung des Staatsschutzes. Denn eine politisch motivierte Tat war schon früh nicht ausgeschlossen worden: Der betroffene Baustoffhändler hatte nach dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel, auf seinem Betriebsgelände weithin sichtbar mehrere Israel-Flaggen gehisst.

 

Bei dem Brand im Juni wurden eine Halle, mehrere Silos sowie Lastwagen ganz beziehungsweise teilweise zerstört. Die Höhe des entstandenen Schadens beträgt laut der Polizei rund 1,5 Millionen Euro.

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mit Verweis auf den aktuellen Ermittlungsstand nun gemeinsam mitteilen, soll am 22. Juni kurz nach 5 Uhr eine Person mit einem Mountainbike von der Ortsmitte kommend die Talstraße entlang und anschließend auf das Firmengelände gefahren sein. „Vermutlich dürfte es sich um einen Mann handeln, der dunkel gekleidet war, einen roten Rucksack mitführte und dessen Gesicht mit einer Sturmhaube verdeckt war“, so die Polizei.

Auf dem Gelände soll der Tatverdächtige Flaggen des Staates Israel, die neben anderen Landesflaggen auf den Silos angebracht waren, abgenommen haben. Anschließend soll er an mehreren Stellen auf dem Firmengelände Feuer gelegt haben.

Die Familie des Seniorchefs des Unternehmens, Paul Ulrich Link, ist eng mit der Brüdergemeinde verbunden, er gehöre viele Jahre dem Brüdergemeinderat an. Die Geschichte der Brüdergemeinde Korntal beginnt 1819, als sie als eine pietistische Gemeinde nach dem Vorbild neutestamentlicher Gemeinden gegründet wurde. Ziel war es, Familien aus Württemberg eine freie Religionsausübung zu ermöglichen. Die Gemeinde wurde auf Vorschlag des Leonberger Notars und Bürgermeisters Gottlieb Wilhelm Hoffmann durch König Wilhelm I. von Württemberg genehmigt. Korntal wurde ihnen dafür als Ort zugewiesen. Heute gilt die Stadt vor den Toren Stuttgarts deshalb als Keimzelle des württembergischen Pietismus, in dem die Bibeltreue ein zentrales Element ist.

Verbindung mit Israel

Die Verbindung mit Israel begründet die Brüdergemeinde selbst so: „Das Christentum habe die gleichen Glaubenswurzeln wie das Judentum und das Volk Israel sei das auserwählte Volk Gottes. Für uns als Menschen, die an den Gott der Bibel glauben, sind das zwei zentrale Beweggründe, weshalb wir das reiche religiöse und kulturelle Erbe des Judentums bewahren möchten.“

Nach dem Holocaust sei es den Gläubigen aber genauso wichtig, die Freundschaft zwischen Israel und Deutschland aktiv zu gestalten. 1999, war Korntal-Münchingen die erste Kleinstadt in Deutschland, die einen eigenen Forst im sogenannten Wald deutscher Länder in Israel pflanzte. Im Jahr zuvor hatten die Evangelische Brüdergemeinde und die Stadt Korntal-Münchingen mehr als hunderttausend Mark gesammelt, um 5000 Bäume zur Urbarmachung der israelischen Wüste zu spenden. Mit dem auch staatlich geförderten Projekt sollten Teile der Negev-Wüste durch die Anpflanzung verschiedener Baumsorten wieder bewohnbar gemacht werden. Um das Projekt zu finanzieren, sammelt der Jüdische Nationalfonds weltweit Geld in der ganzen Welt. Der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, hatte 1991 den ersten Baum für den „Wald der deutschen Länder“ gepflanzt.

Die Polizei bittet um weitere Hinweise

Vor diesem HIntergrund ermittelte die Polizei von Beginn an auch in diese Richtung, Bei dem Brand im Juni wurden eine Halle, mehrere Silos sowie Lastwagen ganz beziehungsweise teilweise zerstört. Die Höhe des entstandenen Schadens beträgt laut der Polizei rund 1,5 Millionen Euro.

Gegen 5.30 Uhr soll der Tatverdächtige an jenem Tag im Juni nach der Tat mit dem Mountainbike die Flucht ergriffen und wieder über die Talstraße in Richtung Ortsmitte davongefahren sein. Zeugen, die Angaben zu der aufgenommenen Person oder dem Mountainbike machen können, können sich unter der Telefonnummer 0800/ 1 10 02 25 oder per Mail an hinweise.kripo.boeblingen@polizei.bwl.de an die Kriminalpolizei wenden.

Ein Bild der Überwachungskamera Foto: Polizei

Bislang gingen bei der Ermittlungsgruppe „Silo“ nach Angaben der Behörden fünf Hinweise von Zeugen ein. Diese wurden beziehungsweise werden demnach noch geprüft.

Ein anderes Bild der Überwachungskamera Foto: Polizei

Weitere Hinweise erhofft sich die Kriminalpolizei jetzt durch die Veröffentlichung von Bildern, die Überwachungskameras festgehalten haben. Sie stammen aus Kameras, die sich auf dem Firmengelände befinden.

Ein weiterer Ausschnitt, was eine Überwachungskamera festhielt Foto: Polizei

Zeugen, die Angaben zu der aufgenommenen Person oder dem Mountainbike machen können, können sich unter der Telefonnummer 0800/ 1 10 02 25 oder per Mail an hinweise.kripo.boeblingen@polizei.bwl.de an die Kriminalpolizei wenden.