Ist das noch ein Stuttgarter IBA-Projekt? Verwirrspiel um das Züblin-Parkhaus

Die Zukunft des Züblin-Parkhauses ist offen – und sie wird es auch noch eine ganze Weile bleiben. Foto: IBA'27 / Niels Schubert

Ende des Jahres fallen das Züblin-Areal und das Parkhaus zurück an die Stadt. Der Betreiber würde es zumindest teilweise gerne weiter nutzen, bis das weitere Verfahren geklärt ist – und die Frage, ob das Gebäude abgerissen wird.

Offiziell steht die städtebauliche Neuordnung auf dem Areal des Züblin-Parkhauses an der Schnittstelle zwischen Bohnen- und Leonhardsviertel weiter auf der Projektliste der Internationalen Bauausstellung IBA ´27 . Und auch Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) beharrt darauf, im Sinne der Bauausstellung an der Gestaltung der „Neuen Mitte Leonhardsvorstadt“ weiterhin zu arbeiten. Doch Aussagen in einer Bezirksbeiratssitzung, einer Veranstaltung im Parkhaus mit möglichen Nachnutzern und einer Sitzung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik haben zusammen mit einer Pressemitteilung der Stadt derart für Verwirrung gesorgt, dass nun gar niemand mehr weiß, was in den nächsten vier Jahren an dieser markanten Stelle geschieht.

 

Eindeutige Aussagen städtischer Mitarbeiter

Die Aussage der Verwaltung, im Parkhaus werde sicher nicht bis ins IBA-Jahr 2027 hinein geparkt werden können, ist nicht sehr belastbar. Vertreter des Stadtplanungsamts haben bei den Terminen im Bezirksbeirat und der Vor-Ort-Veranstaltung nach übereinstimmenden Aussagen von Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle und ihrem Stellvertreter Ralph Schelle sowie Puls-Stadtrat Thorsten Puttenat gerade diesen Zeitraum für wahrscheinlich bezeichnet, weshalb die Behauptung, das sei eine Zeitungs-„Ente“ für die Beteiligten völlig unverständlich ist. Außerdem bestätigte der Geschäftsführer des Parkhausbetreibers Hüfner, Christoph Hornikel, ein Interesse an einer verlängerten Nutzung in der Zeit, bis ein Investor gefunden und die Frage geklärt worden ist, ob das alte Gebäude abgerissen oder im Bestand saniert werden soll.

Was geschieht mit den Parkplätzen?

Der Erbbaurechtsvertrag mit Hüfner ende am Jahresende, Grundstück und das Gebäude fielen dann an die Stadt, sagt Pätzold. Hornikel wollte sich nicht zu Details der Verhandlungen äußern. Es wird aber eine Klausel im bestehenden Vertrag vermutet, die ihm ein Recht auf weiteres Parken zugestehen könnte. Das wollen die Stadträte Hannes Rockenbauch (SÖS) und Luigi Pantisano (Linke) nun geklärt haben. Und auch, wie es sich mit den 101 Stellplatzbaulasten verhält, die laut Stadt „verlagert oder gelöscht werden“ müssten.

Hornikel verweist auf den über den Haufen geworfenen Zeitplan und den hohen Parkdruck, sobald das Breuninger-Parkhaus in einen Mobility-Hub umgebaut wird. Sollte von Januar an sein Parkhaus keine Autos mehr aufnehmen dürfen, fielen im Umbauzeitraum rund 1200 Stellplätze weg. Es verwundert nicht, dass der Warenhauskonzern vorübergehenden Ersatz in der Nachbarschaft sucht. Auch darüber werden hinter verschlossenen Türen Gespräche geführt.

Zeitplan ist aus den Fugen geraten

Ursprünglich sollte erst das Züblin-Parkhaus abgerissen werden und dann das Breuninger-Parkhaus. Aber der Zeitplan ist – zum Ärger der IBA-Verantwortlichen, die seit 2021 die Voraussetzungen für eine gelungene Transformation geschaffen haben wollen – total aus den Fugen geraten. Bürgermeister Pätzold kündigte nun an, die Ausschreibung für eine Konzeptvergabe vorzubereiten, da die Stadt das Areal nicht selbst entwickeln wolle. Diese richte sich an Baugenossenschaften, Investoren, Konsortien, Baugemeinschaften oder andere Projektentwickler und solle Anfang 2024 starten. Laut altem Zeitplan hätte das aber schon im Herbst 2022 erfolgen sollen. Nach vorne geblickt erscheint eine Baugenehmigung für die Neue Mitte 2025 äußerst optimistisch.

Die Stadtverwaltung formuliert deshalb vorsichtig, das Ziel sei weiterhin, dass im Ausstellungsjahr 2027 das Projekt „Neue Mitte Leonhardsvorstadt“ sichtbar werde. Wie bei vielen anderen Maßnahmen dürfte das mit Schaubildern an Bauzäunen geschehen. Wobei noch immer nicht klar ist, ob das unterdurchschnittlich ausgelastete Parkhaus, in dem heute schon im Erdgeschoss und auf dem Dach kulturelle Veranstaltungen stattfinden, abgerissen oder erhalten bleibt. Das entscheidet der Sieger der Ausschreibung. Im Bezirksbeirat war man einmütig dafür, das Gebäude mit seinen niedrigen Decken und schiefen Ebenen abzureißen. Auch, um im Untergeschoss eine Quartierswärmeversorgung mit regenerativen Energien einzurichten. Eine Machbarkeitsstudie für den vom Gemeinderat favorisierten Erhalt hat ein Jahr Zeit gekostet. Ralph Schelle hält sie für wenig aussagekräftig.

Zwischennutzung ist kein IBA-Projekt

Nun gilt es, Möglichkeiten einer Zwischennutzung über die bestehenden Aktivitäten hinaus zu finden. „Wir wollen früh sichtbar machen, dass sich das Areal wandelt. Deswegen suchen wir mit Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern nach interessanten Interimsnutzungen“, so Pätzold. „Die Fortsetzung oder Ausweitung der schon bestehenden Nutzungen ist aber kein IBA-Projekt“, betont Bezirksvorsteherin Kienzle. Und schon gar nicht, wenn dort weiterhin geparkt würde. Klar ist aber auch: Unkontrollierter Leerstand würden Drogenhandel und Straßenprostitution befördern. Und die Infrastruktur für provisorische Nutzungen müsse erst einmal finanziert werden. Dabei ist nicht nur an Ausstattung, Strom und Wasser zu denken, sondern vor allem an eine ordentliche Wärmeversorgung.

Es steht aber noch eine weitere bedeutende Entscheidung für die Entwicklung der Quartiere an: Bürgermeister Pätzold kündigt an, im Herbst im Gemeinderat eine Entscheidung über die Zukunft des Rotlichtviertels herbeizuführen, die einen möglichen Investor sehr interessieren dürfte. Ein Bebauungsplan soll regeln, ob die dortigen Betriebe schließen müssen oder ob die Einfalltore für weitere Prostitutionsstätten geöffnet würden. Dazu soll es zuvor noch eine Anwohneranhörung geben.

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