Die anhaltende Konjunkturflaute spiegelt sich auch in der Jahresbilanz der Sparkasse Ludwigsburg wider. In manchen Branchen gibt es aber auch Grund zur Hoffnung.
„Wir stehen vor nichts anderem als einem Neuanfang“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Raab, als er die Bilanz der Kreissparkasse Ludwigsburg aus dem Jahr 2025 vorstellt. Damit meint er allerdings nicht seinen Arbeitgeber, sondern die aktuelle wirtschaftliche Situation im Landkreis. 117 Insolvenzen habe es von Januar bis September im Kreis gegeben, für das Jahr 2025 lässt sich diese Zahl auf rund 146 hochrechnen. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor und mehr als viermal so viele als noch 2022. „Die Insolvenzwelle hat Ludwigsburg erreicht.“
Das sind die Rahmenbedingungen, die Raab und der Vorsitzende des Vorstands Heinz-Werner Schulte skizzieren. Dennoch zeigen sich die Vorstandsmitglieder mit dem Geschäftsergebnis von 2025 zufrieden: Die Bilanzsumme sei von 12,9 auf 13,3 Milliarden Euro gestiegen und habe damit erstmals die 13 Milliarden Euro-Grenze überschritten. Auch Kundeneinlagen und Kreditvolumen seien gewachsen, um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 9,5 beziehunsgweise 7,4 Prozent. Das sei zwar kein Wunschszenario, aber angesichts der aktuellen Wirtschaftslage ein „zufriedenstellendes Wachstum“, wie Schulte es formuliert.
Bereich Vermögensverwaltung nimmt zu
Besonders die Vermögensverwaltung mit Depot- und Wertpapiergeschäft hat den Geschäftszahlen zufolge stark zugenommen. Demnach ist das Volumen hier von 492 auf 618 Millionen Euro gestiegen. In der Finanzierung hingegen seien die Ergebnisse trotz leichten Anstiegs in der Vergangenheit weit besser gewesen. „Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Vorstandsmitglied Raab zusammenfassend.
Potenzial bei Neugründungen
Gleichzeitig sei die Konjunkturflaute kein Grund zur Schwarzmalerei, sagt Raab: „Trotz der derzeit gedämpften Stimmung müssen wir auch die Chancen und zahlreichen erfolgreichen Unternehmen im Blick behalten.“ Im Landkreis gebe es einige Unternehmen, die in zukunftsweisenden Branchen wie der Chipindustriezulieferung, der Automatisierung und auch der Verteidigung tätig seien. Dass die Nachfrage nach Krediten gestiegen sei, sieht er als Zeichen dafür, dass Unternehmen trotz Flaute weiterhin investierten.
Und auch bei Neugründungen und Start-ups sieht er großes Potenzial: „Krisenzeiten sind auch immer Gründungszeiten“, sagt Raab. 2025 habe es mit Geldern der Ludwigsburger Sparkasse Gründungen mit einem Volumen von insgesamt rund 14 Millionen Euro gegeben. Heinz-Werner Schulte appelliert indes an die Politik, die nötigen Rahmenbedingungen für die Neuaufstellung zu schaffen: „Wir brauchen wieder eine Willkommenskultur für Unternehmen in Baden-Württemberg“, sagt er. „Unser Wirtschaftsstandort muss attraktiv sein, damit sich weiterhin viele Unternehmen ansiedeln und entfalten können.“