Jeroo-Kunstwerk in Leinfelden Farbkünstler sprüht bunten Zoo an neuer U5-Haltestelle
Jeroo arbeitet seit Wochen am neuen U5-Halt Neuer Markt in Leinfelden. Das Wandgemälde des Graffiti-Künstlers zählt nun 35 Tiere.
Jeroo arbeitet seit Wochen am neuen U5-Halt Neuer Markt in Leinfelden. Das Wandgemälde des Graffiti-Künstlers zählt nun 35 Tiere.
Mit dem Tiger, der auf einer türkisenen Kugel schläft, ist Christoph Ganter noch nicht ganz zufrieden. „Der geht noch nicht ganz durch meine Qualitätskontrolle“, sagt er. Der Künstler, der in der Graffiti-Szene Jeroo genannt wird und wahrscheinlich derzeit auch der gefragteste aller Street-Art-Künstler aus dem Großraum Stuttgart ist, will den geschlossenen Augen der Raubkatze noch mehr Ausdruck geben.
Ein riesiger Maikäfer, eine freche Maus und auch ein farbenfroher Laubfrosch sind schon fertig. Dazu gesellen sich ein Schwan, ein Leopard und jede Menge Fische. 35 verschiedene Tiere hat Jeroo in den vergangenen Wochen auf die Wände jener Unterführung gebannt, die in Leinfelden zur neuen U5-Haltestelle Neuer Markt führt; diese wird am Donnerstag, 17. Oktober, um kurz nach 14 Uhr zum ersten Mal angefahren. Mindestens 200 Stunden hat der Farbkünstler in dieses Wandgemälde investiert, in dem sich auch abstrakte Formen und Schriftzüge finden. „Hier konnte ich alle meine Kompetenzen ausleben“, sagt er.
Besonders ins Auge sticht freilich die Tierwelt, die nun fröhlich, bunt und vielfältig jeder und jedem entgegenblickt, der dort künftig in die Stadtbahn steigt. Besonders stolz ist der 43-Jährige auf den Papagei und den Nautilus, das sind jetzt seine Lieblinge. Denn diese Tiere hat er zum ersten Mal gesprayt – obwohl er seit vielen Jahren mit Tier- und Pflanzenmotiven legale Kunstwerke im öffentlichen Raum schafft. Sie ziehen direkt an den Gleisen die Blicke auf sich.
Der bunte Zoo passt auch prima zum Jugendhaus Areal und zur Kita, die vis-à-vis der Gleise im Neubaugebiet Schelmenäcker entstanden sind. Den Großteil seines Werkes, das Jeroo im Auftrag der Stadt Leinfelden-Echterdingen gestaltet hat, hat er in den vergangenen zwei Tagen mit einer Schutzschicht aus flüssigem Plastik überzogen. „Kleine Schmierereien können so einfach wieder runtergewischt werden“, sagt er. Wobei ihm das Wort Schmierereien nicht gefällt. Denn auch er hat einmal als kleiner Sprayer angefangen, hat fremde Graffitis mit seinen Farben, seiner Handschrift verändert.
Christoph Ganter hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht. Als 12-Jähriger hat er das Sprayen für sich entdeckt und fortan in seiner Freizeit fast nichts mehr anderes gemacht. „Ich habe gesprayt, gesprayt und gesprayt“, sagt er und lacht dabei. Er ist in der ganzen Welt herumgereist, hat seinen eigenen Stil entwickelt: türkis-blaue Kugeln tauchen in fast allen seinen Bildern auf. „Das ist mein Wiedererkennungswert“, sagt er.
Jeroo kann von seiner Kunst leben, seine Familie ernähren. Vor zehn Jahren hat er seinen Lehrerberuf an den Nagel gehängt. Zuvor hatte er am Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen unterrichtet, wo er auch wohnt. Große Firmen wie die Discounterkette Lidl treten mittlerweile an ihn heran. Er hat schon für den VfB gesprayt. Die Deutsche Bahn ist einer seiner besten Auftraggeber, sagt er. Die Deutsche Post hat seine bunten Vögel auf Sonderbriefmarken gedruckt. „Das war bisher mein größter Erfolg.“
Aber nicht nur Jeroo hat den neuen U5-Halt in Leinfelden bunter gemacht. Dort ist auch ein Gemeinschaftswerk mit sieben weiteren Graffiti-Künstlern zu sehen – „die besten aus der Region und ein paar Gäste aus ganz Deutschland“, wie Jeroo sagt. In der Szene wird diese Graffitiform „Style Writing“genannt, erklärt er.