Mercedes, Bosch und Porsche: In Stuttgart sitzen gleich mehrere beliebte Arbeitgeber. Foto: dpa/Marijan Murat
Vor allem ein starkes Image ist jungen Menschen bei ihrer Berufswahl wichtig. Ein Wirtschaftspsychologe erklärt, warum das so ist – und welche Rolle Instagram spielt.
Die Automobilindustrie steckt in einer tiefgreifenden Transformation. Sparprogramme, Stellenabbau,Produktionsverlagerungen und ein enormer Druck zur Elektrifizierung prägen die Schlagzeilen. Und dennoch: In den aktuellen Universum-Rankings 2025 stehen Autobauer wie Porsche, Mercedes-Benz und BMW bei Studierenden ganz oben. Bei angehenden Ingenieuren belegen vier der ersten fünf Plätze Automobilhersteller, bei den Wirtschaftswissenschaftlern sieht es kaum anders aus. Wie lässt sich das erklären?
Patrick Müller, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Technik in Stuttgart zeigt auf, dass die Gründe weit über das Offensichtliche hinausgehen. Natürlich spiele das Gehalt eine Rolle. Die Automobilindustrie sei bekannt für ihre hohe Produktivität und entsprechend gute Bezahlung. „Das verstehen auch junge Menschen intuitiv – und es überlagert viele der schlechten Nachrichten“, die die Branche derzeit produziert.
Attraktivste Arbeitgeber für Wirtschafts-Studierende im Jahr 2025: Porsche, Mercedes-Benz, BMW, Apple, Audi
Attraktivste Arbeitgeber für Ingenieurs-Studierende im Jahr 2025: Porsche, Siemens, BMW, Mercedes-Benz, Audi
Doch es geht um mehr als Geld. Entscheidend sei auch, wie sich ein Job anfühlt – und wie er nach außen wirkt. „Ein Job muss heute auch ein bisschen Instagrammable sein – etwas, das man gerne erzählt und zeigt“, sagt Müller. Wer bei Porsche arbeitet, könne das erzählen. Und er wisse, dass sein Umfeld das auch cool findet. Es gehe um Selbstprestige – um das gute Gefühl, Teil einer bekannten Marke zu sein, die für Qualität, Erfolg und Emotion stehe. Das beeinflusse die Entscheidung oft stärker als rationale Überlegungen.
Patrick Müller ist Professor für Wirtschaftspsychologie und nicht verwundert über die hohen Zustimmungswerte für Autoindustrie. Foto: HfT Stuttgart
Hinzu kommt die enorme Strahlkraft der Produktmarke. Als Beispiel nennt der Wirtschaftspsychologe Apple: „Die waren schon auf dieser Liste, da waren sie in Deutschland noch gar nicht richtig präsent. Das heißt, die zukünftigen Mitarbeitenden hätten automatisch mindestens nach Irland ziehen müssen.“ Das sei schon sehr unwahrscheinlich – die hohen Zustimmungswerte lägen wohl eher darin, dass die Leute ihr iPhone so gerne mögen.
Hidden Champions in Baden-Württemberg nicht vergessen
Gerade im industriestarken Südwesten gibt es zahlreiche mittelständische Weltmarktführer. Sie zahlen gut, bieten spannende Aufgaben – aber sie sind kaum sichtbar. Das mache es für Hidden Champions schwierig. Aber, fügt Müller hinzu, manchmal treffe das auch auf große Konzerne zu – wie etwa BASF. „Bei den Chemikern steht das Unternehmen natürlich hoch im Kurs. Aber dass ein BWL’ler den Konzern als Wunscharbeitgeber angibt, also da ist die Wahrscheinlichkeit doch deutlich niedriger“, sagt Müller.
Zahnräder herstellen? Klingt erst einmal nicht sehr cool
Der Vorteil von Mercedes, Porsche und Co.? „Jeder kann sich etwas unter einem Automobilunternehmen vorstellen – ob man nun im Marketing, in der Produktion oder in der Entwicklung arbeitet.“ Das Produkt – das Auto – sei greifbar, emotional aufgeladen und allgegenwärtig. „Wenn ich Zahnräder herstelle, interessiert das erstmal niemanden. Ohne starke Marke und coole Produkte ist es viel schwerer, Jobs zu vermarkten.“
Wirtschaftspsychologe: Bosch nicht wegen Einspritzpumpen so beliebt
„Keiner sagt, ich möchte bei Bosch arbeiten, weil die den Markt für Einspritzpumpen dominieren. Die Leute kennen Bosch, weil sie einen Kühlschrank mit dem Logo haben.“ Die Produktmarke überstrahle die tatsächliche Tätigkeit – und das mache es für viele Unternehmen schwer, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.
Die Rankings zeigen weniger, wie rational junge Menschen ihre Karriere planen, sondern vielmehr, wie stark Image, Emotion und soziale Einbettung ihre Entscheidungen prägen. „Und so eine Entscheidung zieht sich ja durch das ganze Leben. Wenn Sie lange bei Porsche, Mercedes oder Bosch arbeiten, hat das dann auch ökonomische Auswirkungen“, hält Müller fest.
Es muss nicht zwingend Bosch, Porsche oder Mercedes sein
Sein Rat an Studierende ist pragmatisch: „Wenn jemand ein Angebot von Bosch bekommt, ergibt es schon Sinn, es anzunehmen. Die zahlen über dem Durchschnitt und bieten Karriereperspektiven ohne Ende.“ Und wenn es mit Porsche oder Mercedes nicht klappt? „Dann ist das auch nicht schlimm – es gibt genug gute Unternehmen in der zweiten und dritten Reihe, unterhalb des Radars.“ Außerdem habe der Mittelstand einen großen Vorteil: Dort könnten auch junge Leute mit Mitte 20 schon richtig Verantwortung übernehmen. In Großkonzernen seien sie da oft nur eine kleine Nummer.