Johann Lafer war von Breuninger in die Motorworld eingeladen worden, um für 100 Gäste ein Vier-Gänge-Menü zuzubereiten. Ein besonderer Abend, der manche Überraschung bereit hielt.
Ein Spitzenkoch zupft nur auf dem fertig angerichteten Teller die Blüten zurecht und gibt ansonsten in rauem Ton Anweisungen? Wer dieses Bild im Kopf hat, der konnte sich am Freitag vom Gegenteil überzeugen. Da war der aus dem Fernsehen bekannte Johann Lafer zu Besuch in der Motorworld in Böblingen und ließ sich beim Zubereiten eines Vier-Gänge-Menüs auf die Finger und in die Töpfe blicken.
Der nahbare Koch („Wer will probieren? Komm rüber!“) richtete hübsch an, ja, aber er brutzelte auch Pilze, reihte die Teller für die Vorspeise auf oder stapelte leere Suppentöpfe ineinander und trug sie zum Spülen. Und hatte dabei sichtbar Freude an seinem Tun.
Eingeladen zu dem Live-Cooking-Event hatte das Mode-Unternehmen Breuninger. Man wolle seinen Kunden außergewöhnliche Genusserlebnisse schaffen, erklärte die Geschäftsführerin von Breuninger Sindelfingen, Dominique Lang. Fashion und Food, also Mode und Essen, passe perfekt zusammen und werde deshalb von Breuninger immer wieder zusammengebracht. Das Format mit Johann Lafer, der in der offenen Show-Küche für rund 100 Gäste kochte, fand so zum ersten Mal statt.
Johann Lafer kredenzte ein herbstliches Menü
Der Koch aus Österreich, der mit seinem Restaurant Val d’Or im Hunsrück viele Jahre mit einem Michelin-Stern, zeitweise gar mit zwei, ausgezeichnet worden war, hatte sich ein herbstliches Menü ausgedacht mit Jakobsmuschel-Carpaccio, Cappuccino aus Kürbis und Eismeergarnelen, Kalbsfilet an Pilzen und gefüllter Kakaobohne mit Gewürzorangen. Zu jedem Gang wurde ein passender Wein gereicht vom Ludwigsburger Weingut Merkle Wildspontan. Livemusik, lila Lichteffekte und weiß eingedeckte Tische verliehen der Empore in der Motorworld ein gehobenes Ambiente.
Festliches Ambiente in der Motorworld. Foto: Stefanie Schlecht
Im Ticketpreis war aber nicht nur hervorragendes Essen in angenehmer Atmosphäre enthalten, sondern auch persönlich erzählte Anekdoten. Zwischen den Gängen griff der Spitzenkoch zum Mikrofon und plauderte aus seinem Leben. Darunter zum Beispiel die Geschichte, wie er vor vielen Jahren im Rahmen einer Fernsehserie durch China reiste und beim Reiseleiter zuhause zum Essen eingeladen wurde. Als besondere Spezialität wurden golfballgroße, weiße Kugeln serviert: Lammaugen.
Als Koch esse er grundsätzlich alles, betonte Lafer, aber diese chinesische Delikatesse habe ihm alles abverlangt. Die Schilderung, wie er sich überwinden musste, die Kugel hinunterzuwürgen, brachte die Gäste zum Lachen. Lafer: „Ich weiß jetzt, warum es heißt: Das Auge isst mit.“
Sein Freund Frank-Walter Steinmeier habe ihm später einen Tipp gegeben, was er als Präsident in solchen Situationen zu tun pflege. Er sage dann: In Deutschland gebe es die Tradition, das beste Essen immer an die Mitarbeiter weiterzureichen. „Reisen bildet. Und Reisen und Genießen bildet noch mehr“, schlussfolgerte Lafer.
Seite an Seite: Johann Lafer und Jochen Baier
Verstärkung in der Küche bekam der Koch nicht nur durch sein eigenes Team, sondern auch von einem guten Freund aus der Region: Jochen Baier. Der Herrenberger Bäcker macht laut Lafer den „besten Elisenlebkuchen“ und ist bei diversen Projekten an Lafers Seite, um dessen Menüs mit seinem Brot zu bereichern – zuletzt bei einer Kreuzfahrt. Jüngst haben sie gemeinsam einen Christstollen auf den Markt gebracht. „Uns verbindet der Genuss“, sagt Jochen Baier über ihre Freundschaft.
Dass der Kontakt der beiden nicht von Beginn an so innig war, erzählte der Bäcker kurz bevor die Nachspeise serviert wurde – um die Gäste zu unterhalten, aber auch, um ein bisschen Zeit zu überbrücken, denn in der Küche war die Eismaschine kaputt gegangen. Und so plauderte Baier davon, als Lafer ihn im Jurorenteam der Sendung „Deutschlands Bester Bäcker“ haben wollte, „aber ich hab’ gesagt, ich will nicht mit dem zusammenarbeiten. Der war ein richtiger Seggl.“
Das Ende der Geschichte ist bekannt: Baier stimmte der Anfrage zu und die beiden lernten sich beruflich wie privat schätzen. Dass Lafer beim Kochen besser als beim Backen aufgehoben ist, konnte Baier sich nicht verkneifen: „Wenn Johann backt, ist hinterher alles voller Mehl und es sieht aus wie die Sau“, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Anschließend ging es zurück in die Küche, denn inzwischen war Timo Böckle, der Küchenchef des Böblinger Restaurants Reussenstein, in der Motorworld angekommen – mit seiner Eismaschine unterm Arm, um das Dessert zu retten. „Ich habe gerade die Pralinen rausgebracht, dann ruft der Johann an“, sagte Böckle und grinste. „Wenn der Ex-Chef anruft, dann springt man halt.“ Und so wurde das Dessert ein einmaliges Lafer-Baier-Böckle-Gemeinschaftswerk, das es wohl nie wieder geben wird.
Eine Männerfreundschaft
Lafer Johann Lafer wurde 1957 in Österreich geboren. Der Koch wurde einem breiten Publikum durch Fernsehsendungen wie „Genießen auf gut deutsch“ oder „Lafer! Lichter! Lecker!“ und zahlreiche Kochbücher bekannt. Von 1983 bis 2019 war sein Restaurant Le Val d’Or auf der Stromburg im Hunsrück mit einem, von 1987 bis 2009 mit zwei Sternen des Guide Michelin ausgezeichnet.
Freunde Jochen Baier und Johann Lafer kennen sich seit 1998, als Lafer in der Jury für den „Konditor des Jahres“ saß und Baier den Preis gewann. Bis heute backt er die Sachertorte nach demselben Rezept wie damals. Einige Jahre später begegneten sich die beiden wieder bei der ZDF-Sendung „Deutschlands bester Bäcker“, bei der Baier Lafer in der Jury unterstützte. Es folgten weitere gemeinsame Projekte, außerdem belieferte Baier jahrelang Lafers Sternelokal Stromburg mit Brot.