Rap-Trio von der Blockparty Junge Arbeiter: „Wir sind Kanaken und stolz drauf“

, aktualisiert am 05.05.2026 - 17:10 Uhr
MoHunnid-Ali, CHAWE und Marcirati sind das Rap-Trio Junge Arbeiter. Foto: Warner/Nik Muller

Das Rap-Trio Junge Arbeiter zog bei der Blockparty am 1. Mai Massen an Menschen an. Wir haben Anfang des Jahres mit ihnen über ihr Debüt-Mixtape gesprochen. Wer sind die drei?

Auf Blockpartys wollen sie erreichen, dass sich jeder willkommen fühlt, haben uns die Jungen Arbeiter vor wenigen Monaten erzählt – ohne zu wissen, was sie am ersten Mai erwarten wird. Beim 1. Stock Closing zog das Trio mehr als 1000 Menschen an. Wir haben die drei Anfang des Jahres zum Gespräch getroffen: Was sie vorhaben, welche Bedeutung die Rap-Kultur für sie hat und wie sie der Begriff Heimat prägte.

 

Kennengelernt haben sich Marcel (Marcirati) und MoHunnid-Ali) schon früh – im Kindergarten in Gäufelden-Nebringen. Theo Chawe kam später in einem Hip-Hop-Laden in Böblingen dazu. Dass aus der Freundschaft einmal Musik werden sollte, sei nicht der Plan gewesen, sagt Mo: „Das war ein organischer Prozess. Wir haben nicht einfach gesagt: ,Hey, wir machen Mukke und gehen damit an den Start.‘“ Rap sei für sie ein Raum gewesen, in dem Herkunft keine Schwäche war: „Musik, Rap-Kultur – das war unser gewohntes Habitat. Das war ein Ort, an dem wir keine Nachteile hatten.“

Songtexte und Lebensverhältnisse in Böblingen

„Wir haben Geschichten zu erzählen – gerade aus den Lebensverhältnissen, aus denen wir kommen“, sagt Marcel. Mo, Theo und Marcel sind in der Region aufgewachsen. Ihre Großeltern kamen als sogenannte Gastarbeiter nach Süddeutschland. Die Enkel erzählen Geschichten, mit denen sich viele junge Menschen aus der Gegend identifizieren können. „Uns wurde von zu Hause immer gesagt: ,Zeig dich von deiner besten Seite, geh raus, tu etwas, um auch gesellschaftlich etwas zu erreichen‘“, sagt Marcel. Dieser Ton zieht sich durch viele ihrer Songs: rausgehen, machen, nicht warten. „Wir waren immer in irgendeiner Art und Weise fleißig, wenn wir zum Beispiel Basketball gespielt haben, wollten wir direkt Profis werden.“

Sie beschreiben sich als ein Projekt des Miteinanders. „Das bedeutet, dass wir unsere eigene Sache liegen lassen und zu dritt an einer übergeordneten Sache arbeiten – das als Grieche, Kurde und Türke zusammen“, sagt er. Diese Idee übersetzen sie auch ins echte Leben. Theo sagt: „Wir kennen das selber von damals: Wenn man in einen Club wollte, ist man oft nicht reingekommen.“ Mit eigenen Blockpartys wollen sie genau das vermeiden: „Jeder ist willkommen, Hauptsache wir haben einen geilen Vibe.“

Unterstützung von Rap-Größen

Musikalisch orientieren sich Junge Arbeiter an einem treibenden Sound, der stark von UK-Einflüssen geprägt ist. Früh wurde das Trio von Rapgrößen wie Nimo und Dardan unterstützt. Das brachte sie schnell auch in andere deutsche Städte. Marcel erzählt von einer Phase, in der sie für das Mixtape quer durch Deutschland gearbeitet haben: „Frankfurt, Hamburg, Berlin, Köln – aber am Ende des Tages landen wir immer wieder in Böblingen.“ Mo beschreibt, dass sie außerhalb des Südens sofort auffallen. „Bei uns war klar: Hier wird gearbeitet, hier wird gemacht und nicht viel rumgeschnackt. Dafür stehen wir auch.“

Neben dieser Mentalität gibt es noch anderes, das sie so gerne Stuttgarter sein lässt: Schwäbisch sprechen, der VfB und der Zwiebelrostbraten mit Spätzle nach einer langen Reise – am liebsten im Wirtshaus in Vaihingen.

Wenn die Herkunft zum Etikett wird


Aber zum Aufwachsen im Süden gehört für sie auch, wie schnell Herkunft im Alltag zum Etikett wird. Mo sagt: „Man wurde oft als Kanake bezeichnet, beziehungsweise beschimpft.“ Für die drei ist das nichts, was sie klein macht. Sie drehen es um. „Wir nutzen das für uns und sind stolz darauf. Wir sind Kanaken, das macht uns nicht asozial“, sagt Marcel. Deshalb hieß auch ihre erste Single, mit der sie 2023 erstmals größere Aufmerksamkeit bekamen, „Junge Kanaken“. „Wir möchten in unserer Musik noch klarer machen, welche Herkunft wir haben und dass wir eigentlich nur mit Liebe an jeden Menschen herantreten möchten und das so auch von zuhause gelernt haben“, erzählt Marcel.

Neue Impulse aus der Region Stuttgart

Der Titel „Enter the Dragon“ ist eine Anspielung auf Bruce Lee. Foto: Warner/Nik Muller

„Enter the Dragon“ ist als Anspielung auf Bruce Lee gedacht. „Ich glaube, für Jungs wie uns waren das die ersten Helden: Das waren 50 Cent, das war Bruce Lee, das waren auch Fußballer.“ Theo beschreibt das Mixtape als geschlossene Erzählung: „Wir haben zwölf Songs auf dem Mixtape. Vom Sound her ist es ziemlich durchmischt, aber hat einen roten Faden und eine Geschichte, die sich durchzieht.“ Marcel sagt, sie hätten bewusst verschiedene Stimmungen zugelassen „Wir haben uns in verschiedenen Genres versucht – also es ist nicht nur ein Soundbild.“

„Enter the Dragon ist erst der Anfang“, Mo nennt als Ziel für dieses Jahr, „mehr kreativen Input aus der Region zu bündeln, zu mobilisieren und hier mehr kreative Infrastruktur reinzubringen“ – also stärker mit Produzenten und Künstlern aus dem Süden zu arbeiten. Und dann, sagt er, könnten sich die Leute „ab März auf richtig viel neue Musik, Projekte und Junge-Arbeiter-Shit gefasst machen“.

Dieser Artikel erschien erstmals im Februar 2026 und wurde am 5. Mai 2026 aktualisiert.

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